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Gestresste Grundschüler  

Wenn Kinder Migräne im Bauch haben

04.04.2017, 18:24 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli

Wenn Kinder Migräne im Bauch haben.  Grundschüler quälen sich besonders häufig mit Migräne und Bauchschmerzen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/champja)

Grundschüler quälen sich besonders häufig mit Migräne und Bauchschmerzen (Quelle: champja/Thinkstock by Getty-Images)

Bei Migräne denkt jeder sofort an stechende Kopfschmerzen, Übelkeit und Lichtempfindlichkeit. Doch manchmal kann sich eine Migräne auch durch quälende Bauchschmerzen äußern – insbesondere bei Kindern.

"Ich hab wieder so Bauchweh." Diese Klage ihrer Sprösslinge kennen wohl alle Eltern. Denn Beschwerden in der mittigen Körperregion gehören zu den typischen Schmerzsymptomen im Kindesalter und können sowohl Anzeichen einer schweren Erkrankung, aber auch völlig harmlos sein.

Bauchweh gehört zu den häufigsten "Kinderkrankheiten"

Eine Querschnittserhebung des Robert-Koch-Institutes zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS), bei der die Daten von knapp 15.000 Kindern im Alter zwischen drei und 17 Jahren verglichen wurden, ergab, dass 20 Prozent der Studienteilnehmer zwei oder mehrere Schmerzattacken innerhalb von drei Monaten hatten. Danach sind gerade Jüngere häufiger von Bauchweh betroffen, während Jugendlichen vor allem Kopfschmerzen zu schaffen machen.

Tauchen die Beschwerden im Bauchraum immer wieder auf, müssen Eltern die Symptome auf jeden Fall ernst nehmen. Die Betroffenen sollten dann vom Kinderarzt oder von einem Magen-Darm-Spezialisten zunächst auf organische Ursachen untersucht werden. Hinter den Schmerzen könnte nämlich zum Beispiel eine chronisch entzündliche Erkrankung des Verdauungstraktes stecken, ebenso wie eine Nahrungsmittelunverträglichkeit oder im schlimmsten Fall bösartige Gewebeveränderungen.

Kopfmigräne hat ähnliche Begleitsymptome wie Bauchmigräne

In den allermeisten Fällen sind regelmäßig wiederkehrende Schmerzen in der Bauchzone bei Heranwachsenden aber funktioneller Art – sie haben keine fassbaren Gründe. Wird der junge Patient dann noch zusätzlich von Appetitlosigkeit, Übelkeit oder Erbrechen geplagt (sein Stuhlgang ist dabei aber unauffällig), könnte es sich um eine spezielle Migräne-Form handeln.

Dabei verlagert sich der als diffus und dumpf empfundene Schmerz, der typischerweise zwischen einer Stunde und mehreren Tagen dauern kann und oft mit Lichtempfindlichkeit und Blässe einhergeht, in die Körpermitte. Mediziner sprechen dann von einer abdominalen Migräne.

Die Diagnose sei dann gesichert, heißt es im Deutschen Ärzteblatt, wenn organische Ursachen medizinisch ausgeschlossen werden könnten und zudem zwei oder mehr „anfallartige“ Schmerzepisoden mit den entsprechenden Begleitsymptomen innerhalb von einem Jahr auftreten.

Gestresste Grundschulkinder sind am häufigsten betroffen

Die abdominale Migräne betrifft Expertenschätzungen zufolge etwa ein bis vier Prozent aller Kinder und wird häufiger bei Mädchen als bei Jungen diagnostiziert. Meist sind die Patienten dann im Grundschulalter.

Über die Auslöser der seltenen Migräne-Variante gibt es keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse. Viele Mediziner nehmen jedoch aufgrund der Ähnlichkeiten mit dem Symptombild einer klassischen Kopfmigräne an, dass auch hier vorwiegend psychische Gründe wie etwa Schulstress, Ängste oder eine problematische Familiensituation die Trigger sein können. Genauso scheinen Schlafmangel und Ernährungsfaktoren bei der Entstehung dieses Syndroms immer wieder eine Rolle zu spielen.

Wenn der Verdauungstrakt extrem empfindsam ist 

Warum aber reagiert ausgerechnet der Bauchraum mit einer ähnlichen Sensibilität auf äußere Einflüsse und Impulse wie das Gehirn? Die auf Gastroenterologie spezialisierten Kinder- und Jugendmediziner Dr. med. Ulrich Gabel und Dr. med. Birger Christiansen aus Ober-Ursel begründen funktionelle Bauchschmerzen, zu denen auch die Bauchmigräne gezählt wird, mit dem weitverzweigten und hochkomplexen Nervensystem des menschlichen Verdauungsorgans.

„Es gibt Kinder und Jugendliche, die ein deutlich empfindlicheres Nervensystem im Magen-Darm-Trakt haben. Hierbei wird (…) die normale sensorische Darmreizung beziehungsweise Darmbewegung (…) nicht ausreichend gehemmt und im Zentralen Nervensystem auch bei völlig normaler Darmfunktion als schmerzhaft empfunden. Dabei kann ein ‚Schmerzgedächtnis‘ entstehen. Das heißt durch wiederholte Schmerzreize kommt es zur Änderung der Nervenbahnverbindungen und Reizweiterleitung.“

Auf diese Weise können schon geringe Impulse ausreichen, um Schmerzempfinden auszulösen. Um eingebildete oder gar vorgetäuschte Beschwerden handele es sich dabei also nicht, betonen die Mediziner. Das Leid der Kinder sei real und akut. Dies zu wissen, helfe auch Eltern, das Unwohlsein ihres Nachwuchses ernst zu nehmen und besser zu verstehen.

Was bei Bauchmigräne hilft

Damit es erst gar nicht zu quälenden Migräne-Anfällen kommt – sei es im Bauch oder im Kopf – gibt prophylaktische Maßnahmen, die verhindern können, dass sich äußere Stressfaktoren negativ auf den Organismus auswirken und sich dort unter Umständen ‚verfestigen‘. So helfen zum Beispiel autogenes Training oder ‚Phantasiereisen‘ durch den Körper mit gezielten Muskel-Relaxions-Übungen dabei, Spannungen und innere Verkrampfungen abzubauen.

Ebenso wichtig für junge Migräne-Patienten ist ein geregelter Tagesablauf, zu dem grundsätzlich sowohl ausreichender Schlaf, bewusste Ruhemomente, Bewegung, frische Luft und ausreichend Zeit für gemeinsame Familien-Mahlzeiten mit möglichst gesunder und ausgewogener Kost gehören sollten. Ein Bauchweh-Tagebuch zu führen – so die Empfehlung von Kinderärzten – ist ebenfalls eine äußerst nützliche Unterstützung, um den Auslösern der Schmerzen auf die Spur zu kommen.

Mit Ende der Pubertät verschwindet die Bauchmigräne meistens. Doch ein Wermutstropfen bleibt: Forschungen haben nämlich nachgewiesen, dass Großmütter und Mütter von Kindern mit abdominaler Migräne überdurchschnittlich häufig an Migräne-Kopfschmerz leiden. Die intervallartig auftretenden Beschwerden im Magen-Darm-Trakt sind also offensichtlich in vielen Fällen die Vorstufe zur "klassischen" Migräne.

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