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Umgekehrte Inklusion: ein erfolgreiches Modell

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"Uns rennen sie hier die Türen ein"  

Umgekehrte Inklusion: ein erfolgreiches Modell

13.02.2017, 11:24 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Umgekehrte Inklusion: ein erfolgreiches Modell. Behinderte und nicht behinderte Schüler werden immer öfter gemeinsam unterrichtet. (Quelle: dpa)

Behinderte und nicht behinderte Schüler werden immer öfter gemeinsam unterrichtet. (Quelle: dpa)

Bildung und Erziehung sollen möglichst barrierefrei sein. So ist es in der UN-Behindertenrechtskonvention 2009 beschlossen worden. Das geht zum einen, indem man behinderte Schüler und solche mit Förderbedarf an allgemeinen Schulen unterrichtet. Es funktioniert aber auch andersherum. 

Für zahlreiche Schüler mit Förderbedarf ist eine inklusive Beschulung von Vorteil. Aber eben nicht für alle. Es gibt viele Gründe, warum der Unterricht an einer Regelschule für einen Schüler nicht das Optimale sein kann. Gerade in einem Alter, in dem man auf der Suche nach der eigenen Identität ist und sein Selbstvertrauen durch Vergleiche und Rückmeldungen stärkt, kann es sehr belastend werden, dauernd mit der eigenen Andersartigkeit konfrontiert zu sein.

Behinderte Schüler nicht in die Außenseiterrolle drängen

Eine mögliche Alternative ist die umgekehrte Inklusion. Dabei werden gesunde Schüler oder solche mit leichteren Schwierigkeiten in eine Förderschule integriert. Dazu gehören Informationen für die nicht behinderten Schüler über die Einschränkungen ihrer Mitschüler und vor allem ein Training des offensiven Kommunizierens. 

Kein klassisches System der Inklusion

Inklusion im Bildungssystem ist auch politisch ein heißes Eisen. Den einen kann es nicht schnell genug gehen, die anderen sind dauerskeptisch. Der Föderalismus macht das Ganze nicht einfacher. Er führt wie immer zu einem Flickenteppich an Regeln, aber auch an Möglichkeiten.

Die Pestalozzischule in Köln, eine Förderschule für geistige Entwicklung, hat bereits seit einigen Jahren eine Kooperation mit der benachbarten Otto-Lilienthal-Realschule. Alle Realschüler, die das Fach Sozialpädagogik belegt haben, werden in diesem Fach von der siebten bis zur zehnten Klasse an der Förderschule unterrichtet, bereiten hier Projekte vor und arbeiten mit den dortigen Schülern zusammen.

Aneinander wachsen

Die behinderten Schüler sollen ihre besondere Lernumgebung behalten. Kleine Klassen, mehr Fachkräfte, spezielle Bedingungen - Regelschüler und Förderschüler können so aneinander wachsen, sich öffnen. "Man kann richtig beobachten, wie sich die Schüler über die Jahre hier verändern. Die Realschüler profitieren stark von der Leichtigkeit unserer Schüler. Sie bekommen eine ganz andere Sichtweise aufs Leben", sagt Johanna Kanschat, die Rektorin der Sonderschule.

"Auch unsere Schüler leben durch die Normalität, die dadurch zu uns gebracht wird, richtig auf. Sie haben sonst oft wenig bis gar keinen Kontakt zu gesunden Jugendlichen in ihrem Alter und lernen viel von ihnen. Das fängt schon bei Kleidung oder Musik an", so Kanschat.

Nach nur einem System kann Inklusion ihrer Ansicht nach nicht funktionieren. "Wir brauchen eine Vielfalt von Modellen und eine Vielfalt von mutigen Menschen. Letztendlich hat man erstaunlich viele Freiheiten bei der Umsetzung der Inklusion. Man muss sich nur trauen, etwas auszuprobieren." 

Fachwissen muss ebenfalls integriert werden

Am besten funktioniert Inklusion an den Grundschulen. "Die Grundschulen arbeiten mit Heterogenität, hier werden alle zusammen unterrichtet, die Inklusion ist auf diesem Weg nur ein weiterer Schritt. Schwieriger wird es an den weiterführenden Schulen, da diese an sich schon selektiv angelegt sind", meint Astrid Rank vom Lehrstuhl der Grundschulpädagogik in Regensburg.

Das System Schule muss sich ändern

Ihrer Ansicht nach macht Inklusion getrennte Schulformen irgendwann unnötig. "Inklusion ist möglich. Das haben andere Länder schon bewiesen. Die Welt ist ja auch nicht getrennt, und Schule soll eine Vorbereitung fürs Leben sein. Was man aber auf keinen Fall abschaffen darf, ist die Expertise der Förderschulen. Dieses Wissen braucht man, um Inklusion wirklich gelingen zu lassen. Hier muss man zusammenarbeiten."

Denn auch, wenn das Thema ins Studium immer mehr Einzug hält: Inklusion stellt Lehrer vor große Herausforderungen. "Da muss sich schon das System Schule an sich ändern", sagt Rank.

Ist eine Abschaffung der Förderschulen sinnvoll?

Kanschat hat die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention von Anfang an aktiv verfolgt und bemerkt bereits einen Trend hin zur Öffnung des Schulsystems: "Nicht das Abschaffen der Förderschulen ist die Idee, die dahintersteckt, sondern allen Menschen die Möglichkeit zu geben, an allen Systemen auch teilhaben zu können. Für manche ist die klassische Inklusion nicht der richtige Weg, und auch sie sollen die optimale Förderung bekommen."

"Uns rennen sie hier die Türen ein"

Den Stimmen, die glauben, dass die Inklusion in Gefahr ist, gibt sie kein Gewicht. "Uns rennen sie hier die Türen ein. Weil man festgestellt hat, wie positiv das gemeinsame Lernen und Arbeiten sich auf die Persönlichkeiten auswirkt." Durch die Inklusion, egal in welche Richtung, sollen die Chancen auf echte Integration gefördert werden.

Seit dem Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2009 ist Deutschland mit diesem Ziel vorangekommen. Aber eine wirkliche Linie hat man noch nicht gefunden. "Die eine Lösung kann man meiner Meinung nach auch nicht finden. Es hängt vom Bundesland ab, von den Bedingungen vor Ort. In der Stadt muss man zum Beispiel anders mit dem Thema umgehen als auf dem Land. Und es kommt sehr stark auf die Behinderung beziehungsweise den Förderbedarf an."

Schließlich gehe es um Menschen, und für die brauche es individuelle Lösungen. "Die umgekehrte Inklusion ist auf jeden Fall eine gute Lösung", findet auch Rank. Doch das das langfristige Ziel solle es sein, dass unterschiedlich sein ganz normal und gesellschaftlich anerkannt ist.

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