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Glasflasche oder Plastikflasche: Was ist besser?

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Streit um Wegwerfflaschen  

Einweg- oder Mehrwegflaschen: Was ist umweltfreundlicher?

13.06.2017, 16:21 Uhr | th, dpa

Glasflasche oder Plastikflasche: Was ist besser?. Viele fragen sich, ob Glasflaschen oder Plastikflaschen besser sind. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Viele fragen sich, ob Glasflaschen oder Plastikflaschen besser sind. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Nur noch 44 von 100 verkauften Getränkepackungen sind wiederbefüllbare Flaschen. Mehrweg ist auf dem Rückzug – allen Bekenntnissen der Politik zum Trotz. Umweltschützer und der Getränke-Fachhandel sprechen von einem Kampf "David gegen Goliath".

Wer Leergut zurück bringt, tut das oft mit dem guten Gefühl, etwas für die Umwelt zu tun. Falsch ist das nicht – aber der Hinweis "Pfandflasche" allein sagt über die Umweltbilanz einer Wasser- oder Limoflasche noch nicht allzu viel aus. Seit Jahren sinkt der Anteil der wiederbefüllbaren Mehrweg-Flaschen in Deutschland, zum Ärger von Umweltschützern und Getränke-Fachhändlern. Die "Mehrweg-Allianz" macht Druck auf die Politik – und appelliert mit einer Info-Kampagne an die Kunden.

Wie hoch ist denn der Mehrweg-Anteil in Deutschland?

2004 lag der Mehrweg-Anteil bei Getränken noch bei 66,3 Prozent, 2015 nach Angaben des Umweltministeriums nur noch bei 44,3 Prozent. Dabei galt bis vor kurzem eine sogenannte Mehrwegquote von 80 Prozent in der Verpackungsverordnung, aber ohne Verpflichtungen und Sanktionen. Laut Umweltbundesamt werden nur knapp 30 Prozent der Erfrischungsgetränke und gut 40 Prozent des Wassers als Mehrweg angeboten. Beim Bier ist der Anteil viel höher, allerdings ist der Dosen-Anteil nach Angaben des Bundesverbands des Deutschen Getränkefachgroßhandels inzwischen wieder auf 5,7 Prozent geklettert.

Warum sinkt der Mehrweg-Anteil?

Mit Einweg-Flaschen lässt sich Geld machen. Die Flaschen aus dem Kunststoff Polyethylenterephthalat (kurz: PET) lassen sich als sortenreines Plastik gut weiterverkaufen, zur Produktion neuer Flaschen, aber auch oft für die Polyester-Produktion. Discounter wie Lidl und Aldi setzen auf Einweg, weil das logistisch einfacher ist. Umweltschützer und der Getränkefachhandel sprechen daher von einem Kampf "David gegen Goliath" – ihrer Darstellung nach steht Einweg für das große Kapital, Mehrweg für den Mittelstand.

Was tut die Politik?

Im Januar 2019 tritt ein neues Verpackungsgesetz in Kraft, das auch den Mehrweg-Anteil steigern soll. Die Zielquote liegt bei 70 Prozent. Um Kunden zum Mehrweg-Kauf anzuregen, müssen Geschäfte künftig am Regal auszeichnen, wo Mehrweg- und wo Einwegflaschen stehen.

Die Umweltfrage: Mehrweg oder Einweg?

Verbraucher sind oftmals verunsichert: Schaden Plastikflaschen der Umwelt mehr als Glasflaschen? Dabei ist die Unterscheidung zwischen Glas oder Plastik nicht so entscheidend wie die zwischen Einweg und Mehrweg. Wie die Deutsche Umwelthilfe errechnet hat legen Einwegflaschen von der Produktion bis zum Kunden und wieder zurück zur Entsorgung 520 Kilometer zurück – doppelt so viel wie Mehrwegflaschen.

Das liegt daran, dass die Discounter beim Abfüllen des Wassers in Einweg-Plastikflaschen auf zentrale Großabfüllungen im Ausland setzen. Dies bedeutet nicht nur einen Nachteil für die Umwelt, sondern auch für die deutsche Wirtschaft: Regionale Anbieter haben bei den Marktführern wie Aldi oder Lidl keine Chance.

Wiederverwertung von PET: Nicht umweltfreundlich

Einwegflaschen aus PET haben noch einen weiteren Nachteil: Vollständiges Recycling ist nicht möglich. Die üblichen Recycling-Verfahren schreddern und schmelzen die PET-Flaschen, um daraus anschließend wieder Verpackungen und Behälter oder Fasern und Textilien herzustellen. Allerdings kann gerade einmal die Hälfte des Granulats aus zurückgenommenen Plastikflaschen verwendet werden. Der Rest geht bei der mechanischen Aufbereitung verloren.

Noch schlechter ist die Bilanz bei gefärbtem Kunststoff. Der taugt nur noch für Textilfasern, nicht mehr für neue Flaschen. Aus diesen Gründen hat die Genossenschaft "Deutscher Brunnen" die Einweg-Plastikflasche in Bezug auf CO2-Emissionen sowie Energie- und Rohstoffverbrauch als mangelhaft bewertet.

Mehrweg: Plastikflaschen etwas besser als Glasflaschen  

Grundsätzlich besser in der Ökobilanz schneiden Mehrwegflaschen ab. Wobei hier wiederum ein Unterschied zwischen Glas- und Plastikflaschen besteht: Glasflaschen können bis zu 50-mal neu befüllt werden, die PET-Mehrwegflasche immerhin noch 25-mal.

Das spricht eigentlich für die Glasflasche, doch ein entscheidender Aspekt macht die Mehrweg-Plastikflasche am Ende doch zum Sieger. Sie wiegt weniger, sodass beim Transport weniger Rohöl verbraucht wird als bei Glasflaschen. Umweltbewusste Verbraucher sollten sich beim Einkauf von Getränken deshalb grundsätzlich für Mehrwegflaschen, am besten aus Kunststoff, entscheiden. Es entsteht weniger Müll, während Rohstoffe geschont werden. Bei Einwegflaschen ist hingegen der Griff zum Glas umweltfreundlicher.

Gesundheit: Giftiges Plastik?

Auch der gesundheitliche Aspekt ist vielen Konsumenten bei der Wahl des Getränkebehälters wichtig. So begegnet man Materialien aus Plastik generell mit einem gewissen Misstrauen, während Glas weiterhin einen guten Ruf besitzt. Viele Gesundheitsbewusste unterstellen PET-Flaschen etwa eine Belastung mit Schadstoffen, Hormonen oder Phtalaten, also Weichmachern.

Tatsächlich gibt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) aber Entwarnung: Gesundheitliche Schäden seien vom Trinken aus Plastikflaschen nicht zu erwarten. Zwar sei in Studien eine Hormonbelastung in Plastikflaschen gefunden worden. Diese stelle jedoch nur einen Bruchteil der natürlichen Belastung durch Lebensmittel wie Milch oder Rotwein dar, weshalb sie gesundheitlich kaum relevant sei. Ein direkter Nachweis, dass hormonelle Aktivität durch einen Materialstoff der PET-Verpackung ausgelöst werde, fehle bislang.

Auch von Schadstoffen wie Acetaldehyd, das sich unter Umständen in Plastikflaschen freisetzt und für einen leicht veränderten Geschmack bei Wasser sorgt, gehe keine Gefahr aus, da sie die gesetzlichen Grenzwerte deutlich unterschreiten. Weichmacher, die sogenannten Phtalate, werden zudem in der Produktion der PET-Flaschen gar nicht erst eingesetzt, wie das BfR weiter erklärt.

Zusammengefasst herrschen zwischen Glas- und Plastikflasche also keine Unterschiede, die für die Gesundheit relevant sind. Wer aufgrund der hormonellen Belastung dennoch Bedenken hat, kann diese durch den Griff zur Glasflasche aber reduzieren.

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