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Hundertprozentiger Schutz bei Konzerten ist unmöglich

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Nach Paris und Manchester  

Sicherheit bei Konzerten: Hundertprozentiger Schutz ist unmöglich

24.05.2017, 17:34 Uhr | Christian Schultz und Christina Sticht, dpa

Hundertprozentiger Schutz bei Konzerten ist unmöglich. Taschenkontrollen vor einem Konzert (Quelle: dpa/Thomas Frey)

Taschenkontrollen gehören bei Konzerten und Festivals längst zur Routine. Hundertprozentiger Schutz vor einem Anschlag ist trotzdem nicht möglich (Quelle: Thomas Frey/dpa)

Bei Konzerten und Festivals tummeln sich Tausende Menschen auf engem Raum. Nach dem Anschlag von Manchester wird über die Sicherheit bei solchen Events diskutiert. Die Veranstalter stoßen an Grenzen.

Erst das Pariser Bataclan, nun Manchester: Der Terrorismus hat auch Musikveranstaltungen im Visier. Der jüngste Anschlag beim Auftritt der Popsängerin Ariana Grande traf die Branche ins Mark – kurz vor dem Start der Festivalsaison, die in Deutschland wieder Zigtausende vor Bühnen locken wird.

Großveranstaltungen bergen immer ein Risiko

Die Veranstalter brüten über ohnehin schon verschärften Sicherheitskonzepten. Und doch: "Eine hundertprozentige Sicherheit kann es bei keiner Großveranstaltung geben", wie der Präsident des Bundesverbandes der Veranstaltungswirtschaft, Jens Michow, sagt.

Intensive Bodychecks und Taschenkontrollen

Die Kontrollen bei Events dürften nun noch etwas strenger, Auflagen rigider werden. Marek Lieberberg, einer der Großen der Branche, der Geschäftsführer von Live Nation Deutschland, Österreich, Schweiz sagt, erhöhte Wachsamkeit sei unerlässlich. Er bittet um Verständnis bei Fans, wenn Schutzmaßnahmen in Abstimmung mit Behörden weiter angepasst würden, konkret nennt er "intensive Bodychecks". Zudem empfiehlt er Besuchern, unnötige Gegenstände zu Hause zu lassen.

Unbeliebtes Getränkeverbot ist wichtig 

Auflagen, wie das Verbot, Getränke mitzunehmen, stoßen indes nicht bei jedem Fan auf Begeisterung, wie Karsten Seifert, Sprecher von Hannover Concerts, weiß. Es sei noch nicht bei allen angekommen, wie wichtig das Motto "Safety First" sei, ähnlich wie die Sicherheitsbestimmungen an Flughäfen. "Es gibt immer noch Leute, die sich öffentlich bei Facebook beschweren, nach dem Motto: 'Ihr wollt nur Getränkeumsatz machen und Wucherpreise kassieren!'"

Weitere Verstärkung der Sicherheitsmaßnahmen?

Fragt sich, ob Veranstalter überhaupt noch mehr für die Sicherheit tun können. "Spätestens der Anschlag auf das Bataclan hat dazu geführt, dass auch in Deutschland nochmals deutlich aufgerüstet wurde", sagt Michow vom Bundesverband.

Ende 2015 hatten Terroristen den Pariser Club während eines Konzerts der Band "Eagles of Death Metal" gestürmt und 90 Menschen umgebracht. Michow sagt, seitdem werde auf mehr Sicherheitspersonal und Technik gesetzt, zum Beispiel Sprengstoffdetektoren. "Natürlich führt das zu Kostensteigerungen für die Veranstalter, aber natürlich wird daran nicht gespart."

Nur zwei Möglichkeiten: fernhalten oder Restrisiko akzeptieren

Alle Maßnahmen griffen aber nur im Sicherheitsbereich eines Konzerts oder eines Festivals, sagt Michow. "Eine Garantie gibt es ebenso wenig wie in einem Fußballstadion, bei einem Weihnachtsmarkt oder in einem Bahnhof oder Flughafen." Letztlich blieben zwei Alternativen: sich überall fernzuhalten oder ein Restrisiko zu akzeptieren.

Auch Dieter Semmelmann, Chef von Semmel Concerts Entertainment aus Bayreuth, unterstreicht: "Das Sicherheitsniveau ist bei unseren Veranstaltungen sehr hoch." Gleichwohl sei der öffentliche Raum drumherum – wie Zugangswege, Vorplätze oder Haltestellen – leider außerhalb des direkten Einflussbereichs. "Eine vermeintliche Gefahr wird bei jeder Form von größeren Menschenansammlungen gegeben sein."

Wie umgehen mit der Angst?

Der Göttinger Angstforscher Borwin Bandelow weiß, Anschläge wie in Manchester erzeugen bei vielen Menschen eine große Verunsicherung. "Sie haben das Gefühl: 'Nirgendwo kann man mehr hingehen.'" Tatsächlich sei die statistische Wahrscheinlichkeit aber sehr gering, Opfer von Terrorismus zu werden. Die von einem Anschlag verursachte Angst lege sich in der Regel nach vier Wochen wieder.

Michow rechnet indes nicht mit weniger Besuchern. Konzertmacher wie Semmelmann unterstreichen, keine Konzerte absagen zu wollen. Der Hamburger Veranstalter FKP Scorpio zeigt sich zwar erschüttert. "Dennoch möchten und werden wir Terroristen nicht die Genugtuung geben, dass wir jetzt alle Veranstaltungen absagen und uns unsere Freiheit, unsere Freude und unsere Begeisterung für Musik nehmen lassen." Wie sang Queen-Frontmann Freddie Mercury? The Show must go on.

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