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Kirchliche Hochzeit: Darum trauen sich immer weniger Paare

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Sogar viele Gläubige meiden den Traualtar  

Darum heiraten immer weniger Paare kirchlich

24.08.2017, 11:56 Uhr | Christoph Driessen, dpa

Kirchliche Hochzeit: Darum trauen sich immer weniger Paare. Viele Christen heiraten zwar standesamtlich, nicht aber kirchlich. Die Gründe dafür sind vielfältig. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/ASphotowed)

Viele Christen heiraten zwar standesamtlich, nicht aber kirchlich. Die Gründe dafür sind vielfältig. (Quelle: ASphotowed/Thinkstock by Getty-Images)

Trotz der schönen Kulisse verzichten immer mehr Paare auf den Gang zum Traualtar. Selbst Kirchenmitglieder heiraten häufig nur noch standesamtlich. Es gibt verschiedene Gründe dafür.

Immer weniger kirchliche Trauungen

Es soll vorkommen, dass Zweifler ihr Herz für die Kirche wiederentdecken, wenn sie heiraten wollen. Als Brautpaar durch das Kirchenschiff zum Traualtar zu schreiten, kann eben doch ein Stück romantischer sein, als nur auf dem Standesamt die Ringe zu tauschen. Die meisten Hochzeitspaare in Deutschland verzichten mittlerweile aber auf das kirchliche Ambiente. Ein Blick in die Statistik zeigt: Selbst Kirchenmitglieder entscheiden sich häufig dagegen. Frei nach dem Motto: "Drum prüfe, wer sich ewig bindet!"

2015 verzeichneten sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche jeweils etwa 44.000 Trauungen, zusammen 88.000. Insgesamt gab es in Deutschland 400.000 Eheschließungen. Man kann also sagen, dass knapp jeder Vierte kirchlich heiratet. Eigentlich müsste die Zahl höher liegen, denn die Mehrheit der Deutschen gehört immer noch einer der beiden großen Konfessionen an: Annähernd 30 Prozent sind katholisch, fast ebenso viele evangelisch. Von kleinen Ausreißern abgesehen geht die Zahl der kirchlichen Trauungen seit vielen Jahren zurück. Sowohl bei Katholiken als auch bei Protestanten fiel sie von 2005 bis 2015 um zwölf Prozent.

Darum meiden viele den Gang zum Traualtar

"Die Zahl der kirchlichen Trauungen in Deutschland liegt deutlich hinter der Zahl der zivilrechtlichen Trauungen", räumt Matthias Kopp, Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, ein. Viele Christen heirateten zwar standesamtlich, nicht aber kirchlich. Die Gründe dafür seien vielfältig. Zum Teil sei es sicher einfach so, dass man zwar noch Mitglied der Kirche sei, aber eigentlich nicht mehr viel damit zu tun habe, glaubt Kopp. Andere hätten Bedenken, weil eine Ehe aus Sicht ihrer Kirche unauflöslich ist. Stichwort "bis dass der Tod euch scheidet". Wieder andere heiraten zum zweiten Mal – und dann zumindest bei den Katholiken zwangsläufig ohne den Segen der Kirche.

Mit einer kirchlichen Hochzeit sei zudem oft auch ein besonders aufwändiger Rahmen verbunden, sagt Kerstin Kipp, Sprecherin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Vielen erscheine das unerschwinglich. "Zum anderen strecken viele die Zeitleiste, heiraten also zunächst standesamtlich und planen dann geraume Zeit später erst die kirchliche Trauung. Natürlich kommt es dann nicht in jedem Fall auch wirklich dazu."

Was, wenn nur ein Partner Kirchenmitglied ist?

Oft ist nur noch einer der beiden Partner Mitglied der Kirche. Zum Beispiel waren von den insgesamt 44.000 katholischen Trauungen im Jahr 2015 nur bei 28.000 beide Partner katholisch. Das ist im Prinzip kein Problem: Nicht nur Protestanten, auch Andersgläubige wie Muslime oder auch Atheisten werden von der katholischen Kirche akzeptiert. "Man braucht dann die Zustimmung des Bistums", erläutert Burkhard Knipping, Referent für Ehepastoral beim Erzbistum Köln. Er betont: "Wir wollen den Brautpaaren so weit wie möglich entgegenkommen. Aus seelsorglichen Gründen, aus menschlichen Gründen. Aber auch, weil wir sagen: Sie haben ein natürliches Recht auf die Ehe."

Auch bei der Gestaltung der Traugottesdienste zeigt sich die Kirche flexibel. So können die Partner unterschiedlichste Texte auswählen. Dabei gilt allerdings immer: Aus Sicht der Kirche ist jede Eheschließung gleichermaßen bindend.

Muss die Ehevorbereitung verbessert werden?

Genau das aber verlören manche Paare aus den Augen, kritisierte der konservative Bischof von Passau, Stefan Oster, dieses Jahr in einem Interview. "Wir bereiten jedes Kommunionkind und jedes Firmkind monatelang auf das Sakrament vor – und bei der Ehevorbereitung genügt's im Grunde, wenn man einmal mit dem Pfarrer spricht und hofft, dass er dabei nicht zu viele peinliche Fragen stellt." Dadurch sei manchen Paaren vermutlich gar nicht klar, auf was sie sich da einließen.

Wer sich hinterher scheiden lässt und dann zum zweiten Mal heiratet, darf nach katholischer Lehre streng genommen nicht mehr zur Kommunion gehen. Oster glaubt, dass es mitunter besser wäre, eine Hochzeit durch eine relativ unverbindliche Segensfeier zu ersetzen.

Burkhard Knipping ist nicht der Meinung, dass es sich die Kirche zu einfach mache. "Es findet mehr statt als nur ein Traugespräch", sagt er. Für die Ehevorbereitung gebe es unterschiedlichste Angebote, von Seminaren über gemeinsames Kanufahren mit anderen Paaren bis hin zur Hochzeits-App: "Es wird wirklich viel angeboten für die Paare."

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