Sie sind hier: Home > Leben > Mode & Beauty >

So giftig sind Aluminiumsalze in Deos wirklich

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Neue Erkenntnisse  

Wie gefährlich sind Aluminiumsalze in Deos?

14.06.2017, 15:46 Uhr | sikoe, ak, t-online.de

So giftig sind Aluminiumsalze in Deos wirklich. Eine junge Frau trägt Deo auf (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/Monkey Business Images)

Kann man Deo mit Aluminium bedenkenlos auftragen? (Quelle: Monkey Business Images/Thinkstock by Getty-Images)

Im Gegensatz zu vielen parfümierten Deos, die Gerüche lediglich überlagern, sollen Antitranspirante durch das enthaltene Aluminiumchlorid gegen das Schwitzen helfen, indem die Schweißdrüsen der Haut verschlossen werden. Die Aluminiumsalze sind allerdings umstritten: Sie stehen unter anderem im Verdacht, das Brustkrebsrisiko zu steigern. Viele Hersteller werben daher schon seit einiger Zeit mit Deos ohne Aluminium.

Wie wirkt Aluminiumchlorid gegen Schwitzen?

Wer häufig und stark unter den Achseln schwitzt, kann anstelle eines Deodorants ein Antitranspirant oder Antiperspirant ausprobieren. Hersteller versprechen, dass das darin enthaltene Aluminiumchlorid gegen Schwitzen hilft. Doch die Wirkweise hat ihren Grund: Tatsächlich verschließt es die Drüsenausführungsgänge und unterdrückt so die Produktion von Schweiß und somit auch die Geruchsbildung. Schon bei geringer Dosierung ist ein Effekt spürbar.

Meist bieten Apotheken sogar ein Antitranspirant an, meist eine Lösung auf Basis von 20 Prozent Aluminiumchlorid Hexahydrat. Je nach Körperstelle, an der das Antitranspirant angewendet werden soll, kann die Konzentration dabei variieren. 

Antitranspirantien und Deodorants wirken unterschiedlich

Auch wenn im alltäglichen Sprachgebrauch meistens nicht unterschieden wird, sind Antitranspirantien und Deodorants zwei verschiedene Produkte: Während Antitranspirantien das Schwitzen verhindern oder reduzieren sollen, neutralisieren Deodorants in erster Linie den Schweißgeruch. Deshalb kommen Aluminiumsalze aufgrund ihrer schweißhemmenden Wirkung nur in Antitranspirantien vor, nicht in Deos. Allerdings ist ein "48-Stunden-Deo" und "72-Stunden-Deo" in den meisten Fälle ein Antitranspirant.

Studie: Brustkrebs durch Aluminiumchlorid

Nachdem eine Studie bekannt wurde, die Aluminiumchlorid mit Brustkrebsrisiko in Verbindung bringt, ist die Verwendung von Aluminiumsalzen umstritten. 2001 stellten Forscher fest, dass Brustkrebs öfter in Nähe der Achselhöhle auftritt, und 2007 wurde entdeckt, dass diese Tumoren eine erhöhte Konzentration von Aluminium aufwiesen. Es lag die Vermutung nahe, dass aluminiumhaltige Salze Brustkrebs fördern. Laut der Deutschen Krebsgesellschaft ist eine brustkrebsverursachende Wirkung von aluminiumhaltigen Deos allerdings nicht erwiesen.

Forscher der Medizinischen Universität Innsbruck haben nun jedoch in einer epidemiologischen Studie belegt, dass eine intensive, mehrmals tägliche Verwendung von aluminiumhaltigen Deos im jungen Lebensalter die Gefahr erhöhen kann, an Brustkrebs zu erkranken. Forscher verglichen dazu 209 Fälle von Brustkrebspatientinnen mit 209 gesunden Frauen. Die Konzentration von Aluminium im Brustgewebe wurde bei 100 Frauen untersucht. Die Wisschenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass Frauen, die regelmäßig aluminiumhaltige Deos benutzen, wohl ein erhöhtes Brustkrebsrisiko aufweisen. Zudem wurde eine erhöhte Aluminiumkonzentration im Brustgewebe der krebskranken Frauen festgestellt.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt, dass "allein durch die tägliche Benutzung eines aluminiumhaltigen Antitranspirants der TWI (Anm. d. Red.: tolerable weekly intake/tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge) möglicherweise komplett ausgeschöpft" werden kann. Und das gilt bereits bei gesunder Haut – verletzen Sie sich zum Beispiel bei der Rasur unter den Achseln, kann die Aufnahmemenge deutlich höher sein.

UMFRAGE
Welches Deo benutzen Sie?

Zusammenhang zu Nervenschäden und Alzheimer

Verschiedene Studien legen außerdem einen Zusammenhang von der Aufnahme von Aluminiumchlorid und der Entstehung von Alzheimer nahe. Zudem steht das Metall im Verdacht, Effekte auf die Knochenentwicklung zu haben. Und nach Angaben der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) kann eine langfristig vermehrte Aufnahme des Metalls zudem zu brüchigen Knochen, Blutarmut und Hirnschäden führen.

Erwiesen ist laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), dass hohe Aluminiummengen Nerven und Nachwuchs schädigen können, also reproduktionstoxische Wirkungen haben (Wirkungen auf Fruchtbarkeit und Kinder im Mutterleib). Forscher aus Australien und Großbritannien haben zum eventuellen Brustkrebs- und Alzheimerrisiko durch Aluminium Arbeiten vorgestellt. Man kann demnach derzeit nicht mit Sicherheit behaupten, Aluminium löse Nervenschäden und/oder Alzheimer aus, sondern muss künftige Studienergebnisse abwarten.

Nachteile eines Antitranspirants: Brennen und Jucken

Deos mit Aluminiumchlorid können außerdem ein anderes Problem verursachen: Die Substanz trocknet die Haut aus und macht sie anfälliger für Reizungen. Viele Menschen verspüren nach dem Auftragen Beschwerden wie zum Beispiel Brennen oder Jucken. Je höher die Wirkstoffkonzentration, desto eher sind derartige Nebenwirkungen zu erwarten. Eine 20-prozentige Lösung kann bereits zu Hautreizungen führen.

Sie sollten das Antitranspirant nur dünn auftragen und beobachten, wie gut Ihre Haut den Wirkstoff verträgt. 

Aluminium kommt auch in weiteren Kosmetika vor

Viele Verbraucherinnen und Verbraucher würden bereits über Lebensmittel hohe Mengen Aluminium aufnehmen, und die wöchentlich tolerierbare Aufnahmemenge sei wahrscheinlich bei einem Teil der Bevölkerung allein durch Lebensmittel ausgeschöpft, erklärt das BfR. Auch Lippenstift und Lidschatten, Zahnpasta oder Sonnencremes können Aluminium enthalten. Auch über Kochutensilien, Dosen, Folien und Tuben kann das Leichtmetall auf Speisen übergehen und so in den Körper gelangen.

Achten Sie also darauf, dass Sie aluminiumhaltige Antitranspirantien nicht unmittelbar nach der Rasur auftragen und am besten von vorneherein nicht bei geschädigter Achselhaut verwenden. Deodorants ganz ohne Aluminiumsalze sind ebenfalls eine Möglichkeit, Ihre Gesamtaufnahme von Aluminium zu reduzieren. Zahrreiche Hersteller bieten diese mittlerweile an.

Diese Deos enthalten kein Aluminium

Die Liste an Deos ohne Aluminium wächst seit Jahren beständig. Sie können an der Inhaltsstoffliste leicht ablesen, ob Aluminium im Produkt enthalten ist. Eine komplette Übersicht bietet etwa die Seite "deoohnealuminium.de". Beispielsweise folgende Marken bieten aluminiumfreie Deos an und finden sich in vielen Supermärkten und Drogerien:

  • 8x4
  • Adidas
  • Axe
  • Bac
  • CD
  • Dove
  • Nivea
  • Old Spice
  • Rexona
  • Tabac

Auch die Eigenmarken der Drogerieketten und Discounter sind oftmals ohne Aluminiumsalze hergestellt. Folgende Anbieter vertreiben aluminiumfreie Deos:

  • Aldi Nord (Kult Clear Touch Deodorant)
  • Aldi Süd (Ombia Deo Sprays)
  • dm (Balea Med, Balea Deosprays, Alverde Deos)
  • Rossmann (Isana, Isana Med, Isana Men)

Die Deos ohne Aluminium sind als solche gekennzeichnet – im Zweifelsfall lassen Sie sich vor Ort durch einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin beraten. Bei Deos ohne Aluminium aus dem Supermarkt ist jedoch zu bedenken, dass diese nicht zwangsläufig auch auf andere problematische Substanzen verzichten, wie etwa Parabene, Palmöl oder Weichmacher. Auf Nummer sicher gehen Sie mit Deos aus der Naturkosmetik, wie beispielsweise von folgenden Herstellern:

  • Annemarie Börlind
  • Dr. Hauschka
  • Eubiona Deos
  • Farfalla Deos
  • Lavera Deos
  • L’Occitane
  • Logona
  • Sante
  • Speick
  • Weleda

Aluminiumchlorid gegen Schwitzen: Die Anwendung

Sollten Sie trotzdem nicht auf ein aluminiumhaltiges Antitranspirant verzichten können oder wollen, sollten Sie es am besten abends vor dem Zubettgehen anwenden. Morgens reicht es dann aus, wenn Sie sich duschen oder waschen und Ihre Haut mit einer Lotion oder Creme pflegen. Das Portal "schwitzen.de", eine Seite des Deutschen Hyperhidrosezentrums, empfiehlt, diesen Rhythmus für zwei Wochen konsequent einzuhalten.

Danach können Sie die Anwendung auf zwei bis drei Mal pro Woche reduzieren. Erst nach mindestens zwei Monaten können Sie jedoch eindeutig feststellen, wie erfolgreich der Wirkstoff bei Ihnen ist.

Falls Sie eine Art "Rückfall" erleben, können Sie für eine Zeit mit der Anwendung pausieren, um dann wieder anzufangen. Zeigt das Mittel bei Ihnen keinerlei Wirkung, sollten Sie von einem Arzt klären lassen, ob eine Krankheit die Ursache für starkes Schwitzen ist.

Fazit: Keine Entwarnung möglich

"Wir können keine Entwarnung geben, was die Verwendung von Deodorants mit Aluminiumsalzen angeht", fasst Hanno Ulmer, Direktor der Sektion für Medizinische Statistik und Informatik der Medizinischen Universität Innsbruck, die Forschungsergebnisse zusammen. 

Bis zur vollständigen Klärung der Bedeutung von Aluminiumsalzen als potenziell krebsauslösender Stoff empfehlen die Wissenschaftler einen sorgsamen Umgang mit Kosmetika, die Aluminium enthalten. Sie raten insbesondere davon ab, diese im jungen Lebensalter übermäßig zu verwenden.

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Anzeige

Mehr zum Thema
Sie sind hier: Home > Leben > Mode & Beauty

Anzeige
shopping-portal
© Ströer Digital Publishing GmbH 2017