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Enzo Ferrari: Der geliebte Diktator

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Enzo Ferrari: Der geliebte Diktator

23.10.2013, 10:14 Uhr | Frank Lansky, wanted.de

Enzo Ferrari: Der geliebte Diktator. Enzo Ferrari vor einem seiner Rennwagen. (Quelle: dpa)

Enzo Ferrari vor einem seiner Rennwagen. (Quelle: dpa)

Ein Mann sieht rot: Enzo Ferrari brachte der Welt den ersten Super- Sportwagen für die Straße. Der Commendatore herrschte mit eiserner Hand und wurde dennoch verehrt wie kein anderer. Noch immer bringt er ganze Generationen von Autofans zum Träumen. Neben dieser Heldentat zeigte er aber auch Rückgrat: Er steckte diverse Rückschläge vorbildlich weg und verlor nie die Haltung.

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Auf seine Autos ließ Enzo Ferrari nichts kommen: Wenn die Rennergebnisse nicht stimmten, dann war stets der Fahrer Schuld, aber nie der Ferrari.

Kopf ab bei Kritik am Ferrari

Rennlegende Jody Scheckter beschrieb einst ein Meeting mit dem Commendatore, mit Konstrukteur Mauro Forghieri und dem Motorchef, wie das Motorsport-Magazin schreibt: Der Südafrikaner beschwerte sich, dass der Motor zu wenig Leistung bringe. Die Verantwortlichen weigerten sich vehement, dies alles ihrem Chef zu übersetzen, der nur Italienisch sprach. "Das war wohl besser so", urteilte Scheckter. "Der Alte hätte sie wahrscheinlich geköpft." Trotzdem begeisterte Enzo die Besten der Besten für sich.

Das Motorsport-Magazin berichtet über die Schwärmerei von Nicki Lauda: "Ferrari ist meine große Motorsportliebe." Auch Michael Schumacher fühlte sich lange als ein Teil der Ferrari-Familie, urteilt das Blatt weiter: "Mein Herz bleibt zu einem Teil rot." Legende, Kultur, Geschichte - vor seinem Wechsel zur Scuderia hätten ihm all diese Dinge nichts bedeutet. Doch Ferrari ist Kult – der Weg dahin war steinig.

Anfang in der Armut

Enzo Anselmo Ferrari wurde am 18. Februar 1898 in der Emilia Romagna geboren, wegen eines Schneesturms wurde seine Geburt aber erst zwei Tage später in Modena gemeldet. Seine Mutter war Bäuerin, der Vater besaß Schlossereien und Gießereien. Der Hauptauftraggeber war die Eisenbahn, die Geschäfte liefen gut - 1905 leistete sich die Familie ein Einzylinder-Auto des längst eingegangenen französischen Herstellers De Dion-Bouton.

Darin kutschierte der Vater Enzo und dessen älteren Bruder Alfredo – genannt Dino – zu Autorennen in der Umgebung. >>

Enzo wollte Operntenor werden, Sportjournalist – oder Rennfahrer. Erst einmal lernte er das Schlosser-Handwerk des Vaters. Dann die ersten Rückschläge: Vater und Bruder kehrten aus dem Ersten Weltkrieg nicht zurück, Enzo wurde krank von den Gebirgsjägern entlassen. Er heuerte bei den Costruzioni Meccaniche Nazionali (CMN) an, einem Mailänder Auto-Hersteller. Ferrari wurde dort Testfahrer und durfte an Rennen teilnehmen.

Der Drache geht immer wieder zu Alfa

Enzo Ferrari wechselte zu Alfa Romeo und wurde 1920 Zweiter bei der "Targa Florio", einem der bedeutendsten Rennen Europas. Schließlich stieg der eiserne Enzo zum Chef der Alfa-Motorsportabteilung auf. Sein Spitzname: "Il Drago", der Drache. Den Beinamen "Il Commendatore" erhielt er nach dem gleichnamigen hohen italienischen Orden, der ihm 1927 verliehen wurde. Bei einem Abendessen in Bologna am 16. November 1929 überzeugte er die Textilfabrikanten Augusto und Alfredo Caniato und den reichen Amateurfahrer Mario Tadini zum Aufbau eines eigenen Rennstalls.

Die Scuderia Ferrari war geboren. Von 1932 an fuhr Ferrari selbst keine Rennen mehr; seine Frau, die Tänzerin Laura Garello, bekam ein Kind. Der Stall feierte Erfolge: Sein Fahrer Tazio Nuvolari hängte 1935 auf dem Nürburgring im Alfa Romeo P3 die deutsche Konkurrenz von Auto Union und Mercedes ab – vor den Augen des tobenden Adolf Hitler. 1938 gründete Alfa eine eigene Rennabteilung, Ferrari leitete sie nur kurz und ging wieder seinen eigenen Weg. Für eine Weile durfte er nicht den eigenen Namen seiner Firma führen. So gründete Enzo im selben Jahr in der alten Zentrale der Scuderia in Modena die Firma Auto Avio Costruzioni. AAC fuhr 1940 ein letztes Mal die Mille Miglia, bevor Italien in den Zweiten Weltkrieg eintrat. Nun rollte die Lire, denn Ferrari baute Kugellagermaschinen für Flugzeugfabriken. 1943 fing er wieder von vorne an, die Produktion zog aus der ausgebombten Fabrik in Modena ins nahe Maranello.

Alarmstart von Ferrari nach dem Zweiten Weltkrieg

Sofort nach Kriegsende legte Ferrari los: Er entwickelte einen Zwölfzylinder, der sich auch als Straßensportwagen eignete: Der Typ 125 wurde das erste Erfolgsmodell der 1947 neu gegründeten Firma Ferrari S.p.A.. Zweimal wurde Ferrari darin Weltmeister in der neuen Formel 1. Und der Luxus-Renner wurde im Wirtschaftswunder zum Mythos.

Eigentlich wollte Enzo seinen Sohn Alfredo – genannt Dino  – zu seinem Nachfolger aufbauen – der war an der Entwicklung eines V6-Motors beteiligt; alle Sechszylinder-Ferraris trugen seither seinen Namen. Doch 1956 starb Dino mit nur 24 Jahren an Muskeldystrophie. Wohl aus Schmerz über dessen Tod trieb Enzo seine Fahrer gnadenlos an: In den späten fünfziger Jahren verunglückten mehrere tödlich. 1957 etwa raste Alfonso de Portago bei der Mille Miglia in die Menge. Fahrer, Beifahrer und neun Zuschauer starben, darunter fünf Kinder. Ferrari wurde angeklagt, aber freigesprochen.

"Ein Ferrari raucht nicht"

Als die Autokonzerne wuchsen und die Kosten im Renngeschäft explodierten, suchte Enzo Ferrari einen Partner. Er entschied sich gegen Ford und für den Fiat-Konzern, der 1969 die Hälfte der Anteile erwarb. Fiat-Patriarch Giovanni Agnelli schwärmte selbst für die Marke, er hatte sich 1951 seinen ersten Ferrari gekauft. Und Fiat schaffte es, den Diktator zu zähmen: Nach der Übernahme der Mehrheit musste Enzo bei den Rennen Tabak-Werbung auf seinen Boliden dulden. Für den Patriarchen war das ein Stilbruch, er meckerte: "Ein Ferrari raucht nicht." Zum 40-jährigen Bestehen der Firma entwarf Enzo Ferrari seinen letzten Sportwagen, den legendären F40. Am 14. August 1988 starb Enzo Ferrari mit 90 Jahren in seinem Haus in Modena. Welcher Mann schafft es, im Leben ein solches Vermächtnis aufzubauen: Eine Marke, die ein Mythos ist, Autos, die zu den schönsten der Welt zählen, Erfolge in der Formel Eins en masse. Oder wie "Spiegel-TV" einst süffisant textete: Er brachte "Rot für die Welt".

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