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Falkenshows in Abu Dhabi  

Das wahre Statussymbol der Scheichs

12.01.2016, 15:59 Uhr | Norbert Eisele-Hein, srt

Falkenshows in Abu Dhabi. Ein Falkner im Emirat Abu Dhabi mit seinem ganzen Stolz. (Quelle: srt/N. Eisele-Hein )

Ein Falkner im Emirat Abu Dhabi mit seinem ganzen Stolz. (Quelle: N. Eisele-Hein /srt)

In den Emiraten wird nicht gekleckert, sondern geprotzt. Doch die wahren Statussymbole der Emiratis sind nicht ihre schnellen Autos, Pferde oder gar Kamele. Es sind die Könige der Lüfte: Falken.

Aus der Ferne betrachtet sieht es fast so aus, als würde Amanu Lah mitten in der Wüste eine Choreographie einstudieren. Mit wallender Dischdascha tanzt er über den rot leuchtenden Sand. Nur wer genau hinsieht, erkennt das Federspiel, das er an einer etwa zwei Meter langen Stange montiert durch die Lüfte schwingt. Es dient als Köder für seinen Falken namens Rocket, der immer wieder pfeilschnell heranrast, um die Vogelattrappe zu schlagen.

Falknern gebührt Prestige 

"Schon als Kind war ich ein Tiernarr, und Greifvögel haben mich zeitlebens besonders fasziniert", sagt der 23-Jährige und streicht seinem Falken über das Federkleid. "Schon im Punjab in meiner Heimat Pakistan habe ich die Falknerei gelernt. Seit mehr als zwei Jahren bin ich jetzt schon hier in Abu Dhabi und kümmere mich um die Falkenshow des 'Quasr-al-Sarab-Hotels'. Es gibt wohl kaum einen besseren Ort für mich und meine Falken wie die Weite der Liwa-Wüste. Außerdem lieben die Emiratis ihre Falken, behandeln sie wie ihre eigenen Kinder. Daher genieße ich als Falkner bei den hier lebenden Beduinen und auch bei den Scheichs ein gewisses Prestige", verkündet er stolz.

Die Jagd mit Greifvögeln, die sogenannte "Beiz" entstand schon vor über 3000 Jahren in den zentralasiatischen Steppen. In den baumlosen Weiten der Mongolei werden heute noch Steinadler zur Wolfsjagd eingesetzt. Auch die alten Ägypter kannten die Falkenjagd, war die oberste Gottheit doch Horus - der Falke. Selbst Homer berichtet in seiner Odyssee von der Falkenaufzucht.

Durch die Kreuzzüge gelangte das Fachwissen auch in unsere Gefilde und das verhalf der Falkenjagd im Hochmittelalter zu einer neuen Blüte. 

Falke kostet bis 25.000 Euro

"Es hat ungefähr drei Monate gedauert, bis ich die nötige persönliche Beziehung zu meinen Falken aufbauen konnte. Normalerweise beginnt das Training schon, wenn die Falken fünf Monate alt sind. Dann füttere ich sie mit der Hand, und es dauert zirka 20 bis 40 Tage, um sie auszubilden. Gut ausgebildete Falken kosten zwischen 10.000 und 25.000 Euro. Mittlerweile stammen sie alle aus Züchtungen. Der Eierraub aus dem Nest ist schon lange verboten", erklärt er mit strengem Blick.

Auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten hat die Falknerei eine sehr lange Tradition, lässt sich bis ins 13. Jahrhundert vor Christi belegen. Als das Öl noch nicht so reichlich sprudelte, lebten die Beduinen von Datteln und Kamelmilch. Ein vom Falken erlegtes Kaninchen bedeutete damals eine willkommene Aufbesserung des Speiseplans. So wie Söhne hierzulande mit ihren Vätern auf Berge steigen, gingen und gehen die Beduinen seit jeher mit ihren Söhnen zur Falkenjagd. Somit ist es kaum verwunderlich, dass die Unesco im Jahre 2010 die Falknerei, das Jahrtausende alte Kulturgut der arabischen Welt, zum immateriellen Kulturerbe erklärt hat. Kein Wunder also, dass ein Falke das Wappen der Vereinigten Arabischen Emirate ziert und auch auf den Flugzeugen der Etihad Airlines aus Abu Dhabi ein Falke prangt.

In Amanus Show zeigen die Vögel, was sie zu leisten vermögen. Er nimmt immer nur einem Falken die Haube ab und lässt ihn in die Höhe steigen. Dann kommt das Federspiel zum Einsatz. Es besteht meist nur aus einem Stück Leder auf dem ein Vogelflügel fixiert wurde. Sobald er anfängt, das Federspiel durch die Luft zu wirbeln, weiß der Falke, was er zu tun hat. Mit mehr als hundert Stundenkilometern eilt er horizontal heran. Wenn er in die Höhe steigt, bleibt er mit seinem charismatischen Rütteln quasi in der Luft stehen. Fixiert dabei die vermeintliche Beute. Saust dann vertikal im Sturzflug mit bis zu 400 Stundenkilometern herunter.

Die "Beute" soll möglichst authentisch sein

Amanu reißt das Federspiel in letzter Sekunde immer wieder zur Seite, dabei entstehen seine Pirouetten. Erst nach etlichen Malen wirft er das Federspiel langsam nach oben und lässt Rocket die 'Beute' erwischen. Dessen messerscharfe Klauen lassen erst los, wenn Amanu dem Falken ein Stück echtes Fleisch als Ersatz anbietet. Amanu spritzt das Fleisch zusätzlich mit Wasser ein, denn "hätte die Beute gerade noch gelebt, würde der Falke natürlich auch das Blut mit aufnehmen. Und gerade in der Wüste dehydrieren die Vögel schnell, insbesondere die Gerfalken, die häufig aus dem gesamten Alpenraum stammen. Sie müssen sich erst mit dem Wüstenklima anfreunden und sind deswegen etwas anfälliger als der 'Sahin', der heimische Wanderfalke, oder der 'Suqr', der Würgefalke."

"Eigentlich läuft alles immer noch wie seit eintausend Jahren", erklärt Amanu, "einziger Unterschied: Die Falken tragen heute einen Microchip in der Brust, damit wir sie zur Not jederzeit orten können. Und jeder Vogel wird beringt. Über den eingravierten Code sind sie eindeutig identifizierbar und können im Notfall ihren Besitzern zurückgebracht werden."

Das Falkenhospital leitet eine Deutsche Falken fokussieren ihre Beute extrem genau. So kann es schon einmal vorkommen, dass sie ein Hinderniss wie einen Zaun übersehen. Für diese Notfälle gibt es in Abu Dhabi seit 1990 das weltweit größte Falkenhospital. Die deutsche Veterinärin Dr. Margit Müller leitet das hoch angesehene Tierklinikum. In der von Männern dominierten Welt der Falknerei wird sie ehrfurchtsvoll "Doktora" genannt. Sie operiert komplizierte Beinbrüche und setzt verunfallten Falken auch wieder neue Federn in die Schwingen ein, damit sie möglichst schnell wieder flugfähig werden. Seit 2007 gibt es Führungen mit Flugschau und der Möglichkeit, sich mit einem Falken auf dem Arm fotografieren zu lassen. Die Falken der Scheichs fliegen Business Class

Das Falkenhospital kümmert sich natürlich auch um die Prestigefalken der höhergestellten Scheichs, die wie Olympioniken trainiert werden und auch regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung in die Klinik müssen. Sie konkurrieren bei zahlreichen, internationalen Meisterschaften um stattliche Preisgelder und Luxuskarossen, aber in erster Linie um die Ehre des Scheichs. Falken dieser Güte, die schon mal mehrere hunderttausend Euro kosten können, stammen nicht selten auch von deutschen und österreichischen Züchtern. Wenn diese Falken auf Reisen gehen, wandern sie natürlich nicht in den Frachtraum, sondern sitzen neben dem Falkner - in der Business Class, versteht sich. Das wäre auch Amanus größter Wunsch, "ich möchte einen Falken so gut ausbilden, dass er für meinen Scheich eine Meisterschaft gewinnt".

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