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Touristenziele wehren sich gegen Besuchermassen

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Genug ist genug  

Warum sich immer mehr Touristenziele gegen Besuchermassen wehren

03.12.2017, 14:53 Uhr | Tinga Horny, srt

Touristenziele wehren sich gegen Besuchermassen. Immer mehr Städte ergreifen Maßnahmen, um den steten Strom von Urlaubern in geordnete Bahnen zu lenken. (Quelle: Tinga Horny/SRT)

Immer mehr Städte ergreifen Maßnahmen, um den steten Strom von Urlaubern in geordnete Bahnen zu lenken. (Quelle: Tinga Horny/SRT)

Urlauber sind nicht nur gern gesehene Gäste. Wenn es zu viele werden, leiden die Einheimischen und protestieren. Einige Orte ergreifen bereits Maßnahmen, um den Ansturm zu kontrollieren.

Übers Wochenende schnell mal nach Amsterdam, Barcelona oder Venedig düsen, ist schon lange nicht mehr nur eine Frage des Geldes. Billigflüge, Low-Budget-Hotels sowie Airbnb und Co. machen es möglich. Doch das preiswerte Reisen spült nicht nur viel Geld in die Kassen der Bereisten, sondern bringt auch eine Menge Nachteile mit sich.

Die Besucher machen Lärm, weil sie Spaß haben oder gemeinsam feiern wollen. Sie konkurrieren mit den Ansässigen um Platz in den Parks, in Museen und in der Gastronomie, und sie hinterlassen jede Menge Müll. In der Regel treiben sie außerdem die Preise und Mieten in die Höhe. So ist es kein Wunder, dass immer mehr Städte zu Maßnahmen greifen, um den steten Strom von Urlaubern in geordnete Bahnen zu lenken.

Verbot von Bier-Bikes in Amsterdam

Amsterdam zum Beispiel. Die Stadt wird jährlich von rund 18 Millionen Besuchern überrannt. Vor allem die etwa 800.000 Einwohner der Altstadt fühlen sich inzwischen fremd in ihren eigenen Vierteln. Obwohl der Tourismus der niederländischen Metropole über die Wirtschaftskrise hinweggeholfen hat, ist nun ein Punkt erreicht, an dem die Bevölkerung die finanziellen Vorteile des Tourismus als geringer ansieht als die Nachteile. Viele Besucher kommen in erster Linie in die Grachtenstadt, um zu feiern.

Die Folge sind Horden sturzbetrunkener Touristen, die grölend durch die engen Gassen ziehen oder mit Bierbikes die Umgebung unsicher machen. Nun hat die Stadtverwaltung diese Theken-Fahrräder verboten. Außerdem helfen eine höhere Bettensteuer und strenge Regeln bei der Vermietung von Wohnungen über Plattformen wie Airbnb, dem Massentourismus Einhalt zu gebieten. Neue Hotelprojekte wurden vorerst auf Eis gelegt, und in der Innenstadt dürfen keine neuen Läden mit Souvenirs und Waren nur für Touristen eröffnen.

Barcelona versucht Besucherströme umzulenken

Noch rasanter als in Amsterdam schwollen in den letzten Jahren die Besucherzahlen in Barcelona an. 27 Millionen besuchten 2012 die Stadt, vier Jahre später waren es bereits 34 Millionen. Die Folge sind immer wieder laute Bürgerproteste. Wegen der Besuchermassen setzte eine massive Immobilienspekulation und Gentrifizierung ein. Die gestiegenen Mieten in der Innenstadt können sich viele Einheimische nicht mehr leisten. Geschätzt wird, dass 40 Prozent der Airbnb-Wohnungen nicht legal sind.

Barcelona verzeichnete 2016 34 Millionen Besucher.  (Quelle: Gerhard Merk/SRT)Barcelona verzeichnete 2016 34 Millionen Besucher. (Quelle: Gerhard Merk/SRT)

Barcelona versucht derzeit, die Besucherströme zu dezentralisieren.
Hotelzimmer werden besteuert und seit 2015 gibt es keine Lizenzen mehr für Herbergen und den Bau neuer Unterkünfte. Flankiert werden diese Bestimmungen durch ein neues Konzept der Stadt für den Tourismus. Darin ist unter anderem vorgesehen, die Besuchermassen aus den überfüllten Vierteln in andere Gebiete der Stadt umzulenken. Wenn es also neue Hotels geben wird, dann nur in solchen weniger überlaufenen Zonen.

Das Dörfchen Dubrovnik hat mit Kreuzfahrttourismus zu kämpfen

Mit rund einer Million Besuchern pro Jahr hält sich Dubrovniks Tourismus zwar vergleichsweise in Grenzen. Doch nicht allein die Zahl spielt beim Massentourismus eine Rolle, auch das Mengenverhältnis zwischen Gastgeber und Gast zählt. Und in der Altstadt von Dubrovnik mit seinen rund 1100 Einheimischen stimmt die Relation ganz und gar nicht mehr.

Verschlimmert wird die Lage durch den Kreuzfahrttourismus. Allein 2016 haben 529 Kreuzfahrtschiffe 799.916 Passagiere in Dubrovnik ausgespuckt. In der Hochsaison wälzten sich an manchen Tagen über 10.000 Besucher durch die übersichtliche Altstadt.

Fluch und Segen: Kreuzfahrtschiffe sind wegen der Gebühren in Hafenstädten gern gesehen. Aber die Passagiere bleiben nur kurz in der Stadt und konsumieren wenig. (Quelle: Franz Neumeier/SRT)Fluch und Segen: Kreuzfahrtschiffe sind wegen der Gebühren in Hafenstädten gern gesehen. Aber die Passagiere bleiben nur kurz in der Stadt und konsumieren wenig. (Quelle: Franz Neumeier/SRT)

Kreuzfahrtschiffe sind zwar wegen der Gebühren in Hafenstädten gern gesehen. Die Passagiere fallen in der Regel nur für wenige Stunden in die Stadt ein, aber sie konsumieren wenig. Die Unesco hat nun verlangt, die Zahl der Kreuzfahrtpassagiere auf maximal 8000 Personen pro Tag zu beschränken.

Reykjavik verwandelt sich im Sommer zur Partymeile

Auch Reykjavik kämpft mit dem Ungleichgewicht zwischen 1,7 Millionen Besuchern und 330.000 Einwohnern, von denen die Hälfte in der isländischen Hauptstadt lebt. Vor allem während des kurzen Sommers verwandelt sich die Stadt in eine Partymeile. Dank des Tourismus konnte der Inselstaat seine Pleite und eine schwere Wirtschaftskrise überwinden, aber dafür sind Preise und Mieten explodiert.

Das Thermalbad "Blau Lagune" hat 1994 in Grindavik (Island) eröffnet und zählte jährlich 50.000 Besucher. Mittlerweile sind es 1,3 Millionen. (Quelle: N. Eisele-Hein/SRT)Das Thermalbad "Blau Lagune" hat 1994 in Grindavik (Island) eröffnet und zählte jährlich 50.000 Besucher. Mittlerweile sind es 1,3 Millionen. (Quelle: N. Eisele-Hein/SRT)

Seit dem Tourismusboom hat sich für die Isländer das Leben geändert. Entspannten sie beispielsweise quasi unter sich in der heißen Quelle mit dem vielsagenden Namen Blaue Lagune, so müssen sie diese nun mit tausenden Touristen teilen. Als das Thermalbad 1994 eröffnete, zählte es jährlich 50.000 Besucher, mittlerweile sind es 1,3 Millionen. Derzeit sind Konzepte in Arbeit, wie die Reiseströme entzerrt und Reykjavik entlastet werden könnte. Denn viele Orte außerhalb der Kapitale hätten kein Problem, noch Gäste aufzunehmen – nur da gibt es eben wenig Party, Gastronomie und Geschäfte.

Venedig wird buchstäblich durch Touristen zerstört

Wenn die Rede von 50.000 Bewohnern und 30 Millionen Touristen ist, dann kann damit nur Venedig gemeint sein. Das Unesco-Welterbe steht unter Beobachtung, denn der Massentourismus ist dabei, dieses Erbe zu zerstören. Die tägliche Invasion der Besucher führt zu überhöhten Mietpreisen, der Zerstörung der historischen Gebäude, Vandalismus, Kleinkriminalität und öffentlichem Urinieren.

Der Markusplatz in Venedig ist und bleibt ein Besuchermagnet. Trotz Verboten und Hinweisen wird die Stadt der Verschmutzung durch Toursiten jedoch kaum Herr.  (Quelle: F. v. Poser/SRT)Der Markusplatz in Venedig ist und bleibt ein Besuchermagnet. Trotz Verboten und Hinweisen wird die Stadt der Verschmutzung durch Toursiten jedoch kaum Herr. (Quelle: F. v. Poser/SRT)

Auf Druck der Unesco versucht die Stadt, die Kehrseite des Tourismus in den Griff zu bekommen. So wird die Zahl der Besucher in spe genauer an den Eintrittspunkten der Stadt erfasst, um über die Sozialen Medien zu informieren, wenn die Stadt überlaufen ist. Mit Marketingkampagnen sollen Touristen zudem aus dem Zentrum zu Ruheplätzen und Toiletten in anderen Vierteln geführt werden. Die Touristenpolizei ahndet ab sofort illegale Privatvermietungen konsequenter und Gästeunterkünfte werden limitiert. Außerdem wird in einer Pilotphase ausprobiert, ob mit zwei unterschiedlichen Fahrtarifen, einem für Einwohner und einem höheren für Besucher, erreicht werden kann, dass Venezianer mit ihren Vaporettos ungestörter durch ihre Stadt kommen.

Venedig versinkt im Massentourismus. (Quelle: dpa/ Jens Kalaene)Venedig versinkt im Massentourismus. (Quelle: Jens Kalaene/dpa)

Kreuzfahrtschiffe gefährden die Statitik viele Gebäude

Selbst an die Kreuzfahrtindustrie traut man sich langsam heran. Die Mega-Schiffe gefährden erwiesenermaßen die Statik vieler Bauwerke in der Lagunenstadt. Ein Bann an der Piazza San Marco ist für 2020 geplant – obwohl bis zu 5000 Arbeitsplätze auf dem Spie stehen. Zumindest soll in drei bis vier Jahren der Kreuzfahrtterminal Marghera fertig ausgebaut sein. Bis dahin werden die Riesenschiffe jedes Mal beim Anlegen am Markusplatz Venedigs Untergrund gefährlich schwanken lassen.

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