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Starke Schmerzen: Das steckt hinter dem Fibromyalgiesyndrom

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Starke Schmerzen  

So tückisch ist das Fibromyalgie-Syndrom

03.01.2013, 15:24 Uhr | dpa

Starke Schmerzen: Das steckt hinter dem Fibromyalgiesyndrom. Fibromyalgiesyndrom: Der Körper schmerzt an verschiedenen Stellen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Beim Fibromyalgiesyndrom schmerzen verschieden Stellen des Körpers. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Menschen mit dem sogenannten Fibromyalgie-Syndrom (FMS) sind organisch gesund, doch ihr Körper schmerzt stark. Besonders betroffen sind Rücken, Arme, Beine und Bauch. Heilen lässt sich das, auch als Muskel-Faser-Schmerz bekannte, Leiden nicht. Auch die Ursache ist unbekannt. Die Betroffenen können aber einiges tun, um besser mit den Schmerzen klar zu kommen. Bewegung spielt dabei eine zentrale Rolle.

Krankheit setzt schleichend ein

Das FMS ist eine Erkrankung des Stütz- und Bewegungsapparates mit Schmerzen und Ermüdungserscheinungen in Muskeln, Bändern und Sehnen. In den westlichen Industrieländern leiden rund ein bis zwei Prozent der Bevölkerung daran. Meistens trifft es Frauen im mittleren Alter, heißt es in der kürzlich aktualisierten Leitlinie zum Fibromyalgie-Syndrom, die Ärzten Behandlungsempfehlungen gibt. Die Krankheit setzt in der Regel schleichend ein. "Manche Betroffene hatten schon als Kinder häufiger Schmerzen", sagt Winfried Häuser von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Schmerztherapie. Häufig schmerzt am Anfang nur ein Körperteil. Erst nach und nach breitet sich der Schmerz über den weiteren Körper aus.

Diagnose häufig erst nach Jahren

Der schleichende Verlauf ist ein Grund dafür, dass das Fibromyalgie-Syndrom häufig erst nach Jahren diagnostiziert wird. "Bei vielen Betroffenen schmerzt am Anfang das untere Kreuzbein. Dann geht man zum Arzt, bekommt eine Spritze, und das hilft erstmal", erzählt Margit Settan, Vorsitzende der Deutschen Fibromyalgie Vereinigung in Seckach (Baden-Württemberg). "Irgendwann werden die Schmerzabstände geringer, die Spritze hilft nicht mehr, und der Schmerz tritt an mehr Körperstellen auf." In der Vergangenheit hat es im Schnitt sieben bis neun Jahre gedauert, bis Patienten die Diagnose Fibromyalgie-Syndrom bekamen. Jahre, in denen sie von einem Facharzt zum nächsten gingen, weil ihnen keiner die Schmerzen nehmen konnte. Heute bekommen Betroffene im Schnitt nach drei bis fünf Jahren die richtige Diagnose.

Schlafstörungen und Erschöpfung sind Symptome

Damit das noch schneller geht, müssen sich Patienten öffnen. "Beim Fibromyalgie-Syndrom ist es besonders wichtig, dass der Patient beim Arzt alle Beschwerden schildert", erklärt Häuser. Dazu gehören neben den Schmerzen zum Beispiel auch Schlafstörungen, Erschöpfung oder seelische Beschwerden wie Unruhe und Niedergeschlagenheit.

Blutuntersuchung schließt andere Ursachen aus

Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte den Arzt darauf hinweisen. Die diffusen Schmerzen können auch eine Nebenwirkung bestimmter Arzneien sein, etwa der weit verbreiteten Cholesterinsenker, sagt Bernhard Arnold von der Deutschen Schmerzgesellschaft in Berlin. Über eine Laboruntersuchung des Blutes lässt sich klären, ob der Schmerz körperliche Ursachen hat und zum Beispiel auf eine rheumatische Erkrankung oder eine Schilddrüsenfehlfunktion zurückzuführen ist. Das FMS lässt sich durch solche Untersuchungen nicht nachweisen. Der Arzt schließt lediglich aus, dass die Schmerzen andere Ursachen haben.

Bewegung lindert Beschwerden

Das Fibromyalgie-Syndrom ist nicht heilbar. Treten die Schmerzen auf, bleiben sie in der Regel ein Leben lang. Angst vor Invalidität oder einem vorzeitigen Tod müssen Betroffene aber nicht haben. Und es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Beschwerden zu lindern: Menschen mit einer leichten Form des FMS empfiehlt die Leitlinie regelmäßige Bewegung. "Es ist egal, ob die Patienten Samba tanzen, an Fitnessgeräten trainieren oder walken. Wichtig ist, dass sie Spaß dabei haben", sagt Arnold, der an der Schmerztagesklinik am Klinikum Dachau tätig ist. Nur so bleiben sie regelmäßig dabei. Um einen Trainingseffekt zu haben, sollten sich die Betroffenen dauerhaft zwei- bis dreimal pro Woche bewegen.

Austausch mit anderen Betroffenen hilft

Die Leitlinien-Empfehlungen beruhen auf den Ergebnissen großangelegter internationaler Studien. Doch nicht zu jeder Therapie liegen aussagekräftige Untersuchungen vor. Winfried Häuser hat deshalb gemeinsam mit Kollegen FMS-Patienten zu Nutzen und Schaden bestimmter Behandlungen befragt. Besonders hilfreich empfanden die Befragten Wärmeanwendungen, Thermalbäder und Schulungsprogramme zum FMS. Als schädlichste Therapie beziehungsweise mit besonders vielen unerwünschten Nebenwirkungen nannten sie Medikamente wie Opioide, Antiepileptika und Antidepressiva sowie die Kältetherapie. Margit Settan von der Deutschen Fibromyalgie Vereinigung rät Patienten, sich regelmäßig mit anderen Betroffenen auszutauschen. "Wir haben Schmerzen, aber es sieht uns keiner an. In einer Gruppe bekommt man viele Informationen." Und man werde akzeptiert, ohne viel erklären zu müssen.

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