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"Tatort" Münster: Wie gefährlich ist Botox wirklich?

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Tatort "Feierstunde"  

Wie gefährlich ist Botox wirklich?

26.09.2016, 12:12 Uhr | Ann-Kathrin Landzettel

"Tatort" Münster: Wie gefährlich ist Botox wirklich?. Ein mit Botox vergiftetes Häppchen kostete den Pathologen fast das Leben.  (Quelle: ARD)

Ein mit Botox vergiftetes Häppchen kostete den Pathologen fast das Leben. (Quelle: ARD)

Beim Tatort "Feierstunde", der am Sonntagabend in der ARD ausgestrahlt wurde, kam es zu einem skurrilen Mordversuch auf Professor Karl-Friedrich Boerne: Ein Blätterteig-Häppchen "garniert" mit Botulinumtoxin, umgangssprachlich Botox, kostete den Pathologen fast das Leben. Doch ist das Nervengift wirklich so gefährlich? Wir haben eine Expertin gefragt.

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Nachdem Boerne, gespielt von Jan Josef Liefers, das vergiftete Häppchen verzehrt hatte, traten Lähmungserscheinungen bei ihm auf und es kam fast zum Atemstillstand. "Theoretisch ist es möglich, einen Menschen mit Botulinumtoxin umzubringen", sagt Dr. Dorothee Bergfeld, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Ästhetische Botulinumtoxin Therapie (DGBT). "Allerdings bräuchten Sie extrem hohe Dosen, um Muskellähmungen oder gar einen Atemstillstand auszulösen."

100 Falten-Spritzen können einen Menschen töten

Ein Beispiel: Die Spritzen, die etwa für die Behandlung von Falten zum Einsatz kommen, enthalten das Nervengift in einer sehr geringen Dosierung. Dadurch wird sichergestellt, dass das Gift nur an der Stelle wirkt, in die es der Arzt injiziert. Um ein Häppchen mit tödlicher Wirkung zu kreieren, bräuchte man laut Bergfeld etwa 100 Spritzen.

Botox-Mord würde 30.000 Euro kosten

Um bei dem Beispiel zu bleiben: "Diese 100 Spritzen müssten zudem noch aufbereitet werden. Denn Botulinumtoxin ist als ganz dünner Pulverüberzug in der Spritze enthalten. Sie brauchen ein spezielles Lösemittel, um das Pulver verabreichen zu können", erklärt die Hautärztin mit dem Schwerpunkt ästhetische Dermatologie.

Zudem wäre ein solcher Mordversuch auch ein teures Unterfangen. Eine Spritze kostet laut Bergfeld um die 300 Euro. Bei der Dosis von 100 Spritzen käme der Mord auf 30.000 Euro.

Dosis einer Anti-Falten-Spritze im Häppchen: wird von der Magensäure aufgelöst

Und wie sähe es aus, wenn man die Dosis einer Spritze in ein Häppchen packt? Merkt der Esser etwas davon? "Nein", sagt Bergfeld. "Die Dosis ist so gering, dass sich keine körperlichen Symptome zeigen würden. Der Großteil wird von der Magensäure unschädlich gemacht."

Botox ist nicht nur im Kampf gegen Falten im Einsatz

Nimmt man von dem Mordgedanken einmal Abstand, ist Botulinumtoxin ein "segensreiches Präparat", findet Bergfeld. Neben der Faltentherapie findet es Anwendung im Kampf gegen übermäßiges Schwitzen oder chronische Migräne. Auch nach einem Schlaganfall oder bei Spastiken kommt das Nervengift zum Einsatz, um die Muskeln zu entspannen. In der Augenheilkunde hat es sich ebenfalls vielfach bewährt - etwa im Kampf gegen Augenzucken.

"Botulinumtoxin ist medizinisch betrachtet dann nützlich, wenn die Muskeln überreagieren. Dabei werden diese allerdings nicht gelähmt, sondern ihre Aktivität gedämpft", erklärt die Expertin. "Natürlich ist Botulinumtoxin ein Gift, aber in der richtigen Dosierung für viele Patienten ein echter Segen."

Nach einem halben Jahr lässt die Wirkung nach

Nach vier bis sechs Monaten lässt die Wirkung allerdings nach. Dann muss wieder gespritzt werden. Übrigens: Das Nervengift kommt in der Medizin nur in Form von Spritzen zum Einsatz. "Nur so hat man die Kontrolle darüber, dass es nur an der Stelle wirkt, an der es wirken soll und sich nicht im Körper ausbreitet. Die Dosierung der Spritzen ist so angepasst, dass sie etwa einen Zentimeter um die Einstichstelle herum ihre Wirkung entfalten", sagt Bergfeld. Ganz ohne Komplikationen kommt die Botox-Behandlung allerdings nicht immer aus. In manchen Fällen kann es zu Rötungen, blauen Flecken oder Juckreiz an der Einstichstelle kommen.

Wirkung des "Wurstgiftes" vor 100 Jahren erstmals beschrieben

Der Name Botulinumtoxin leitet sich übrigens von den lateinischen Begriffen "botulus" (Wurst) und "toxin" (Gift) ab. Der deutsche Arzt Justinus Kerner beschrieb vor mehr als 100 Jahren die Wirkung zum ersten Mal im Zusammenhang mit verdorbenen Würsten: Darin hatten sich die zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannten Clostridien-Bakterien vermehrt, die das giftige Eiweiß bilden. Der Verzehr der Wurst führte zu Muskellähmungen.

"Das heutzutage als Medikament zugelassene Botulinumprotein wird gentechnologisch gewonnen und ist durch Herstellung, Reinheit und Dosierung nicht mehr mit dem 'Gift' der Entdeckertage zu vergleichen", so Bergfeld. "Bei der medizinisch richtigen Anwendung in den zugelassenen Dosen sind wir meilenweit von Vergiftungserscheinungen entfernt."

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