01.11.2012, 13:28 Uhr | ag
Sex nach dem Streit kann helfen, an Probleme entspannter heranzugehen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)
Erst streiten, dann streicheln, lautet die Devise. Versöhnungssex nach einem Streit, bei dem die Fetzen geflogen sind, empfinden viele Paare als besonders intensiv. Doch macht es wirklich Sinn, nach einer heftigen Auseinandersetzung, im Bett übereinander herzufallen? Ja, sagt Paarberater Christian Thiel aus Berlin. Der Sex danach könne tatsächlich wieder Frieden in die Beziehung bringen und sogar die Bindung festigen.
"Das beste am Streit ist der Sex danach. Das gilt tatsächlich für viele Paare", sagt Thiel. Das hat einerseits damit zu tun, dass im Streit bereits einige Dinge geklärt wurden, die zwischen dem Paar standen. Andererseits fühlen sich die Streithähne durch den Versöhnungssex wieder verbundener. Danach fällt es auch im Alltag leichter, entspannt miteinander umzugehen. Probleme lassen sich leichter lösen. Plötzlich ist der Knoten wie von selbst geplatzt - Gespräche allein hätten das möglicherweise nicht geschafft. Kein Wunder, sagt Thiel. Schließlich sei Sex auch nichts anderes als eine intensive Form der non-verbalen Kommunikation. Und wenn die gut funktioniert, läuft auch der Rest.
Dass sich Versöhnungssex positiv auf die Partnerschaft auswirkt, hat nicht nur psychologische, sondern auch hormonelle Gründe. Beim Sex wird nämlich vermehrt Oxytocin ausgeschüttet. Es wird auch als "Kuschelhormon" bezeichnet, da es für eine ausgleichende Stimmung sorgt und Stress reduziert. Zärtliche Berührungen und Küsse treiben außerdem den Oxytocinspiegel in die Höhe. Das tut nach einem Streit besonders gut. Zudem wird bei heftigen Auseinandersetzungen das Hormon Testosteron vermehrt ausgeschüttet. Dieses steuert auch die Libido und die Leidenschaft. Daher ist es nicht ungewöhnlich, dass sich Streit und Lust auf Liebe nahestehen.
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"Viele Menschen erleben, dass Versöhnungssex nach einem Streit besonders intensiv ist", sagt Thiel. Allerdings gelte das nicht für alle Paare. Denn schließlich gebe es auch Menschen, die nach dem Disput erst einmal einen gewissen Abstand vom anderen bräuchten. Langfristig jedoch wirkt sich eine gesunde Streitkultur in Kombination mit Sex positiv auf das Liebesleben aus. So gebe es viele Paare, die in Einklang und Harmonie zusammen lebten und dabei regelmäßig "seelenlosen Sex" hätten. Ihre Beziehung sieht der Paartherapeut sehr viel stärker gefährdet als diejenige von Paaren, die nach heftigen Auseinandersetzungen leidenschaftlichen Sex miteinander erlebten. Schließlich sei Langeweile der größte Beziehungskiller in der Partnerschaft.
Auch wenn sich eine gesunde Streitkultur belebend auf das Sexleben auswirken kann, ist Versöhnungssex nicht der Weisheit letzter Schluss. Besonders wenn tiefer gehende Probleme zugrunde liegen, sollten beide Partner nach der Versöhnung im Bett oder später noch einmal das Gespräch suchen. Denn die Ursache des Gefühlsausbruchs ist mit einem beglückenden Erlebnis in der Horizontalen nicht behoben, auch, wenn es sich zunächst so anfühlen mag.
Christian Thiel arbeitet als Single- und Partnerschaftsberater in Berlin. Nähere Infos unter http://www.singleberater.de.
Quelle: ag
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