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Anschlag von Sankt Petersburg: Attentäter soll Kirgise sein

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Anschlag in Stankt Petersburg  

Um 14.40 Uhr bricht das Chaos los

04.04.2017, 17:27 Uhr | Claudia Thaler, dpa

Anschlag von Sankt Petersburg: Attentäter soll Kirgise sein . In diesem zerfetzten Metro-Wagen explodierte die Bombe. (Quelle: imago)

In diesem zerfetzten Metro-Wagen explodierte die Bombe. (Quelle: imago)

Dicker Rauch hängt in der Luft, Menschen liegen blutüberströmt auf dem Bahnsteig. Alles scheint wirr: Menschen, die es sonst so eilig haben, bleiben mitten in der Metro-Station stehen, reiben sich die Augen, halten sich einen Schal schützend vor den Mund. Andere versuchen, den regungslosen Menschen zu helfen und Erste Hilfe zu leisten. Doch in vielen Fällen vergeblich.

Sankt Petersburg, die beliebte russische Touristenmetropole und moderne Stadt an der Ostsee, ist gerade Ziel eines Terroranschlages geworden. Genau in dem Moment, als sich auch Kremlchef Wladimir Putin in der Stadt aufhält.

Um 14.40 Uhr zerreißt eine Explosion den Alltag

Es hätte für Putin ein Tag mit viel Routine werden können. Bei einer Konferenz am Stadtrand seiner Heimatstadt spricht er über die russische Wirtschaft, danach ist noch ein Treffen mit seinem weißrussischen Kollegen Alexander Lukaschenko angesetzt. Doch etwa um 14.40 Uhr Ortszeit zerreißt eine Explosion den Alltag in Sankt Petersburg. Zwischen den U-Bahn-Stationen Sennaja Ploschtschad und Technologisches Institut explodiert eine Bombe.

Der Fahrer bringt den Zug noch in die nächste Station, dann wird das Ausmaß der Explosion sichtbar: Eine Tür des Waggons ist zerfetzt, am Rand klebt das Blut von getöteten und verletzten Menschen. "Ich war mit meinen Freunden unterwegs. Plötzlich dieser Knall", sagt eine junge Frau im Fernsehen. Aus Angst habe sie sich nicht umgedreht und sei einfach ins Freie gelaufen.

Die zweite Bombe explodiert nicht

Eine zweite Bombe, direkt platziert in einer Metrostation unter dem größten Bahnhof der Stadt, explodiert nicht. Ermittler finden sie und machen sie unschädlich. Doch mindestens elf Menschen sterben, Dutzende kommen mit schweren Verletzungen in die Krankenhäuser. Die zweitgrößte Stadt Russlands befindet sich im Ausnahmezustand.

Das komplette Metro-System wird evakuiert, in Teilen der Stadt bricht der Verkehr zusammen. Hubschrauber kreisen über dem Flüsschen Fontanka, das sich durch das Stadtzentrum schlägelt.

Anschlagsziel im Herzen von St. Petersburg

Sennaja Ploschtschad liegt im Herzen Sankt Petersburg, hier zieht es Einwohner wie auch Touristen hin, die nach den Schauplätzen von "Schuld und Sühne" suchen - dem Sankt Petersburg-Epos von Fjodor Dostojewski. Es ist einer der belebtesten Orte in der ganzen Stadt.

Nicht nur Sankt Petersburg, sondern ganz Russland wirkt wie in Schockstarre: Jahrelang wähnten sich das Land und seine Millionenstädte in einer relativen Ruhe.

Anschläge in Moskau vor sieben Jahren

Viele Terroranschläge, Bomben und Geiselnahmen hatten die Menschen nicht nur in Moskau miterlebt. Die Szene in Sankt Petersburg erinnert vom Ablauf her genau an die Anschläge in Moskau vor sieben Jahren: Zwei Sprengsätze gespickt mit Schrauben und Nägeln explodierten am Morgen in den Metro-Stationen Lubjanka und Park Kultury im Zentrum der Hauptstadt - und töteten 38 Menschen.

Der tschetschenische Guerillakämpfer und Terrorist Doku Umarow übernahm damals die Verantwortung. In der Fünf-Millionen-Stadt Stankt Petersburg war es immer sehr ruhig, in den vergangenen 20 Jahren gab es keinen Anschlag oder Angriff.

Kurz nach der Explosion versuchen helfen Passagiere den Verletzten. Andere versuchen sich in Sicherheit zu bringen. (Quelle: Reuters) Kurz nach der Explosion versuchen helfen Passagiere den Verletzten. Andere versuchen sich in Sicherheit zu bringen. (Quelle: Reuters)

Ermittlungen in alle Richtungen

Stecken auch hinter dem Anschlag in Sankt Petersburg wieder tschetschenische Terroristen? Putin ließ kurze Zeit nach der Explosion wissen, man ermittle in alle Richtungen. Die Staatsanwaltschaft bestätigte kurz darauf den Verdacht, es handle sich um einen Terrorakt.

Seit Russland Lufteinsätze gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien fliegt, gerät auch die Heimat in deren Visier. Erst Ende März kamen bei einer Attacke auf eine Kaserne in der Unruheregion Tschetschenien sechs russische Soldaten der Nationalgarde ums Leben. Der IS reklamierte die Tat für sich. Sollte das Bekenntnis stimmen, war es der bislang schwerste Anschlag der Terrormiliz auf russischem Gebiet.

Jeder Winkel wird beobachtet

Überwachungskameras geben erste Spuren preis: Eine Person soll in einer Aktentasche die Bombe platziert haben. Sogar Fotos der verdächtigen Person sollen im Internet kursieren, berichteten Sender.

Seit den Anschlägen in der Moskauer Metro wird in den U-Bahn-Stationen jeder Winkel beobachtet, Mülltonnen wurden aus Sicherheitsgründen entfernt. Regelmäßig patrouillieren Polizisten mit Spürhunden durch die Bahnhöfe und Stationen - und kontrollieren auch verdächtig aussehende Menschen.

Bislang ist nicht bestätigt, wer hinter dem Anschlag in der beliebten Touristenmetropole steckt. Doch es ist klar: Die Explosion hat nicht nur Sankt Petersburg aufgeschreckt.

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