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Gabriel verteidigt Steinbrück: "Clown" noch harmlos für Berlusconi?

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Clowns-Vergleich: Berlusconi sollte froh sein

04.03.2013, 09:11 Uhr | dapd, dpa

Gabriel verteidigt Steinbrück: "Clown" noch harmlos für Berlusconi?. Kanzlerkandidat Peer Steinbrück - geschätzt und gefürchtet für seinen Art, Klartext zu sprechen.  (Quelle: dpa)

Kanzlerkandidat Peer Steinbrück - geschätzt und gefürchtet für seinen Art, Klartext zu sprechen. (Quelle: dpa)

 

Die Debatte um Steinbrücks Clown-Äußerung über Beppe Grillo und Silvio Berlusconi hält an: Peer Steinbrück spricht von einem "faszinierenden" Spektrum an Reaktionen. Der Kanzlerkandidat gibt sich entspannt, fühlt sich im Recht und will sich immer noch nicht entschuldigen. Die SPD-Spitze findet die Äußerung noch harmlos.

SPD-Chef Sigmar Gabriel stützt den Kandidaten nach dessen "Clown-Affäre". "Ich glaube, Herr Berlusconi hat Glück, dass wir ihm eine so ehrenwerte Berufsbezeichnung gegeben haben."

"Mir fielen da ganz andere Vergleiche ein"

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel versuchte, die Gemüter zu beruhigen und das Thema von der großen politischen Bühne wegzuholen. Grillo "sollte stolz auf seinen ursprünglichen Beruf sein", schlug Gabriel vor. Und Berlusconi solle froh sein, dass er mit einem so ehrenwerten Beruf in Zusammenhang gebracht werde. "Mir fielen da ganz andere Vergleiche ein." Berlusconi war unlängst auch wegen sexistischer Bemerkungen in die Kritik geraten. Zudem wird ihm vorgeworfen, Politiker bestochen zu haben.  

Steinbrück selbst bezeichnet das Meinungsspektrum zu seiner Aussage als "faszinierend". Aber nach seinen Äußerungen gegenüber der Schweiz - der Drohung mit der "Kavallerie in Fort Yuma" - und nun Italien bleibt die Frage, ob er sich als Kanzler so unter Kontrolle hätte, dass er nicht für weitere diplomatische Flurschäden sorgen würde. 

SPD-Spitze findet "Klartext" sogar "ok"

Der italienische Wahlgewinner Grillo fühlt sich von Peer Steinbrück beleidigt. Der SPD-Kanzlerkandidat will seine Clowns-Äußerung über die italienischen Politiker Silvio Berlusconi und Beppe Grillo aber nicht zurücknehmen. Die SPD-Spitze findet dessen "Klartext" sogar "ok".

Steinbrück fühlt sich im Recht

Der Kanzlerkandidat fühlt sich auch von der deutschen Bevölkerung unterstützt. "Die Reaktionen aus der Bevölkerung unterscheiden sich erheblich von der Berichterstattung. Die meisten Leute sagen mir, dass es ja wohl noch erlaubt sein muss, das auszusprechen, was die Mehrheit der Bevölkerung denkt", sagte Steinbrück der "Bild am Sonntag".

Umfrage: Bürger wollen Entschuldigung

Nach einer Emnid-Umfrage für die Zeitung sind allerdings 72 Prozent der Befragten der Meinung, ein Kanzlerkandidat dürfe sich nicht so über Spitzenpolitiker befreundeter Staaten äußern. Unter SPD-Wählern sind es sogar 78 Prozent. 56 Prozent der Bundesbürger halten eine Entschuldigung für angebracht - 40 Prozent jedoch nicht. 

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Steinbrücks gefürchteter Klartext

Der italienische Komiker Beppe Grillo findet jedoch die flapsige Bemerkung des SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück über den Wahlausgang in seinem Land gar nicht komisch. Der Chef der Protestbewegung "5 Sterne", der bei der jüngsten Parlamentswahl in Italien einen großen Erfolg gefeiert hat, monierte in der "Bild am Sonntag", Steinbrück habe mit seiner Anmerkung, in Italien hätten "Clowns" gewonnen, "alle Italiener beleidigt" und sich "benommen wie ein Flegel". Von seiner Partei erhielt der so gescholtene Kandidat am Wochenende einmütige Rückendeckung. Grillo prognostizierte derweil den baldigen wirtschaftlichen Untergang seines Heimatlandes. 

Steinbrück hatte den Wahlausgang in Italien mit den Worten kommentiert: "Bis zu einem gewissen Grade bin ich entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben." Einer davon sei der Komiker Grillo. Der andere, fügte Steinbrück in Anspielung auf den ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi hinzu, sei "definitiv ein Clown mit einem gewissen Testosteron-Schub". 

"Ich bin ein Komiker, aber kein Clown"

Dazu merkte Grillo an: "Ich bin ein Komiker, aber kein Clown." Eine Entschuldigung erwarte er von Steinbrück jedoch nicht. "Die interessiert mich gar nicht." Ausdrücklich lobte er jedoch den italienischen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano, der Steinbrück wegen dessen "Clown"-Äußerungen unlängst von einem Abendessen in Berlin ausgeladen hatte: "Ich fühle mich da sehr gut in Schutz genommen von meinem Staatspräsidenten. Das hat er schon ganz richtig gemacht, dass er Steinbrück nicht empfangen hat", sagte Grillo. 

Reaktionen von Spitzenpolitikern

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) mahnte im "Tagesspiegel" mit Blick auf diese Debatte: "Wir müssen in Europa partnerschaftlich miteinander umgehen." Dieses Talent zur Diplomatie wird dem Kanzlerkandidaten der SPD inzwischen abgesprochen.

"Bezeichnung Clown in Bezug auf Herrn Berlusconi harmlos"

SPD-Vize Hannelore Kraft kann der "Clown-Affäre" keine Dramatik abgewinnen. Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung": "Ich finde die Bezeichnung Clown in Bezug auf Herrn Berlusconi harmlos." Sie habe nicht vergessen, dass Berlusconi den heutigen Präsidenten des EU-Parlaments, Martin Schulz (SPD), einst "mit einem Nazi und Chef eines Konzentrationslagers" verglichen habe. 

Klartext statt Worthülsen

Der baden-württembergische SPD-Vorsitzende Nils Schmid sagte, ihm sei ein Kanzler lieber, der "Klartext redet, anstatt sich hinter Worthülsen zu verbergen". Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig (SPD), früher Sprecher des Bundesfinanzministers Steinbrück, merkte an, Steinbrück werde immer einer sein, "der mit klarer Kante spricht". 



 
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