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Dudenhöffer zur Subventionsdebatte: „Diesel-Fahrer müssen bald mehr zahlen“

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Debatte um Diesel-Subventionen  

"Diesel-Fahrer müssen bald mehr für Sprit bezahlen"

12.12.2017, 16:58 Uhr | t-online.de, jasch

Dudenhöffer zur Subventionsdebatte: „Diesel-Fahrer müssen bald mehr zahlen“. Diskussion um Diesel-Subventionen: Ein Mann an der Zapfsäule einer Tankstelle. (Quelle: dpa/Tobias Hase)

Diskussion um Diesel-Subventionen: Ein Mann an der Zapfsäule einer Tankstelle. (Quelle: Tobias Hase/dpa)

Steuervorteile für Diesel sind umstritten. Jetzt plädiert sogar die Autoindustrie für teureren Diesel. Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer erklärt, was das für Diesel-Kunden bedeuten könnte.

Seit langem plädieren Umweltschützer dafür, die steuerlichen Erleichterungen für Diesel-Kraftstoff abzubauen. Überraschend hat sich nun auch VW-Vorstand Matthias Müller gegen die Subventionen ausgesprochen. Professor Ferdinand Dudenhöffer forscht an der Uni Duisburg zur Zukunft der Automobilbranche. Im Gespräch mit t-online.de erklärt er die Hintergründe und sagt, was Diesel-Besitzern nun bevorstehen könnte.

t-online.de: Herr Dudenhöffer, VW-Chef Matthias Müller hat in einem Interview gesagt, der Diesel könne nicht „auf alle Zeiten wie bisher subventioniert werden.“ Wird Diesel nun teurer?

Ferdinand Dudenhöffer: Ich denke, dass die neue Regierung in Berlin nicht darum herumkommen wird, diesen alten Zopf der Diesel-Subvention abzuschneiden. Diesel-Fahrer müssen bald mehr für Sprit bezahlen. Die Frage ist aber eigentlich, warum Diesel-Kunden so lange weniger bezahlt haben als Benzin-Käufer.

Diesel-Kraftstoff wird seit langem steuerlich begünstigt. Was steckt dahinter?

Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte man die Wirtschaft schonen, um den Aufschwung nicht zu gefährden. Dieselmotoren gab es nur in Nutzfahrzeugen. Um die Kosten für Logistik niedrig zu halten, hat man Dieselkraftstoff niedriger besteuert.

Rund 20 Cent kostet der Liter Diesel heute weniger als Benzin. Dem Staat entgeht dadurch viel Geld. Ist dieses Geld gut angelegt?

Jährlich entgehen uns dadurch rund acht Milliarden Euro. Wenn wir es von den 1950er Jahren bis heute durchrechnen, sind es sogar über 200 Milliarden Euro an Steuererleichterungen, die der Diesel erhalten hat. Wir haben Steuererleichterungen gewährt und haben davon keinen Nutzen, wenn wir ehrlich sind. Stattdessen haben wir eine Steuerwillkür, die zu Verzerrungen und Problemen geführt hat: Feinstaub, Stickoxide, Fahrverbote sind einige dieser Probleme. Durch die Subventionen geben wir Autofahrern an der Tankstelle ein falsches Signal. Diesel ist nicht billig. Bei Diesel ist nur weniger Steuer drauf. Diese Verzerrung muss man endlich beenden.

Was hat die steuerliche Förderung noch bewirkt?

Der Diesel ist ein europäisches Phänomen. Wir haben bis zum Schluss geglaubt, wir könnten damit die Welt erobern. In China gibt es überhaupt keine Diesel-Pkw. Wir haben jetzt erkannt, dass wir ohne gute Gründe den Diesel gefördert haben und dadurch Entwicklungen wie das E-Auto oder den Hybrid in Deutschland verschlafen.

Oft heißt es, die Diesel-Technologie sei nötig für den Klimaschutz. Sind Diesel-Autos denn umweltfreundlicher als Benziner?

Das ist eine Lüge. Diesel-Autos verbrauchen weniger Kraftstoff, weil sich aus Diesel mehr Energie erzeugen lässt. Eine Energieeinheit, die ein Benziner erzeugt, setzt aber weniger CO2 frei als eine Energieeinheit, die ein Diesel erzeugt. Es ist also ein Ammenmärchen, das uns die Politiker seit Jahren erzählen.

Die Autokonzerne haben sehr von der Diesel-Förderung profitiert. Warum schwenkt VW-Chef Müller nun um?

Man hat in der Autobranche  erkannt, dass die Dieseltechnologie bei Pkws am Ende ist. Die Abgasreinigung ist sehr komplex und teuer. Der Diesel wird eigentlich nur durch die Steuersubventionen am Leben erhalten. Zugleich wird deutlich, das Deutschland bei der Elektromobilität etwas tun muss. In China und anderen Ländern steht das Elektroauto vor dem Siegeszug. In Deutschland stecken wir beim Elektroauto in der Steinzeit, deutlich hinter China, hinter Kalifornien, Holland. Warum? Weil wir uns beim Diesel festgefressen haben und nun eine Zukunftstechnologie verpassen.

Wegen der Abgasschummeleien etwa von Volkswagen sind viele Diesel-Autos heute deutlich weniger wert. Würde der Sprit teurer, wären Diesel-Fahrer doppelt gestraft. Wie könnte man ein Aus der Subventionen kundenfreundlich gestalten?

Unser Vorschlag ist, jedem Diesel-Eigentümer 1500 Euro in die Hand zu drücken, wenn das Auto umgerüstet oder verschrottet wird. Das dafür nötige Geld könnten wir locker in weniger als einem Jahr wieder hereinkriegen, wenn wir die Subventionen für Diesel endlich stoppen. Zugleich muss man sagen: Mit einem Ende der Subventionen würden Diesel-Fahrer nicht schlechter gestellt. Stattdessen würden alle endlich gleichgestellt.

Der VW-Chef plädiert dafür, die Subventionen für Diesel umzuschichten in die Förderung der Elektromobilität. Wäre das klug?

Absolut. Wir müssen Deutschland endlich so ausbauen, wie ein modernes Industrieland aussehen muss. Wenn wir Norwegen, die Niederlande, China oder Kalifornien anschauen, sehen wir, dass wir immer weiter zurückfallen. Wenn die Elektroautos künftig in China gebaut werden, dem größten Markt der Welt, dann bekommen wir in Deutschland ein Problem. Wenn wir nun einen Teil der Milliarden nehmen, die Dieselfahrer bis heute geschenkt bekommen, dann können wir mit dem Geld eine Infrastruktur für Elektromobilität schaffen, mit der unsere Städte ganz anders aussehen würden.

Wie sollte der Staat Elektromobilität am besten fördern?

Erstens endlich die Ladeinfrastruktur in Deutschland so ausbauen, dass sie brauchbar ist. Zweitens Prämien für Elektroautos in einem größeren Maßstab fortführen. Drittens: Wenn die Dieselsubventionen wegfallen, dürften automatisch weniger Kunden einen Wagen mit Verbrennungsmotor kaufen. Diese drei Maßnahmen können schon helfen, die Elektromobilität in Deutschland vernünftig auszubauen. 

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