30.01.2013, 11:46 Uhr | t-online
England im 19. Jahrhundert: Eine Mutter lässt sich mit ihrem verstorbenen Kind im Arm fotografieren (Quelle: London Media)
Gruselige Fotografien zeigen einen bizarren Trend aus dem viktorianischen England: Hinterbliebene ließen von ihren verstorbenen Verwandten Aufnahmen machen – posierend auf Sofas, in Särgen oder im Kreis der Familie.
Ein Gentleman sitzt in seiner besten Sonntagskleidung auf einem Stuhl. Seine Augen sind weit geöffnet, der Blick scheint in die Ferne zu schweifen. Vor ihm hat sich ein Fotograf mit einer Kamera in Stellung gebracht und richtete das Objektiv auf den Kopf des Mannes.
Was die Kamera wohl nicht mit einfängt: Die Arme des Mannes hängen seltsam schlaff herunter, die Beine sind weit nach vorne ausgestreckt und sein Kopf wird von einem Gestänge gehalten.
Die ganz Haltung des Mannes wirkt unnatürlich - und tatsächlich: Es handelt sich um einen Toten.
Einige der Toten haben auf den Fotos ihre Augen geöffnet, bei anderen gaukelt Schminke eine Rötung der Wangen vor. Die sogenannte Post-Mortem-Fotografie war in der englischen Mittelschicht um 1850 sehr populär.
Möglich machte den Trend die Erfindung der Daguerreotypie - ein frühes fotografisches Verfahren. Ab 1839 waren Porträt-Aufnahmen für viele erschwinglicher als ein gemaltes Porträt.
Manche Angehörige ließen sich gemeinsam mit ihren verstorbenen Lieben ablichten – oft Mütter mit ihren Kindern.
Im frühen 20. Jahrhundert wurden Fotografien immer billiger und alltäglicher. Schnappschüsse und Familienporträts lösten den morbiden Trend ab.
Quelle: t-online
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