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Hexenverfolgung: Trier distanziert sich von dunkler Vergangenheit

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Dunkles Kapitel deutscher Geschichte  

Trier distanziert sich von der Hexenverfolgung

27.04.2014, 12:25 Uhr | Birgit Reichert, dpa

Hexenverfolgung: Trier distanziert sich von dunkler Vergangenheit. Hexenverfolgung: Dieses Gemälde von 1860 zeigt eine Hexenverbrennung im 16. Jahrhundert. (Quelle: dpa)

Dieses Gemälde von 1860 zeigt eine Hexenverbrennung im 16. Jahrhundert. (Quelle: dpa)

Verstümmelt, verbannt, verbrannt: Rund 25.000 Frauen und Männer wurden in der frühen Neuzeit in Deutschland als Hexen und Hexer verfolgt und hingerichtet. Immer mehr Städte gedenken ihrer Opfer und distanzieren sich von der grausamen Geschichte. Jetzt auch Trier.

Besonders intensiv war die Jagd auf die zu Unrecht als Hexen verleumdeten Menschen in den drei Kurfürstentümern Mainz, Köln und Trier sowie in den fränkischen Hochstiften Eichstätt, Bamberg und Würzburg, wie die Historikerin Rita Voltmer von der Universität Trier berichtet.

Rehabilitation der "Hexen" ist ein "Gebot der Menschlichkeit"

Jahrhunderte danach distanzieren sich immer mehr Städte von jenem dunklen Kapitel der Geschichte, etwa Idstein (Hessen), Suhl (Thüringen), Lemgo, Köln (Nordrhein-Westfalen) und Osnabrück (Niedersachsen). Nun plant auch Trier in Rheinland-Pfalz einen Gedenkakt für die Opfer der Hexenverfolgungen.

Es sei "an der Zeit und ein Gebot der Menschlichkeit, sich von dem nicht ungeschehen zu machenden Unrecht öffentlich zu distanzieren", teilt Triers Oberbürgermeister Klaus Jensen mit. Am 30. April soll mit einer Veranstaltung an die Opfer erinnert werden. Zugleich wird des in Trier gestorbenen Jesuiten Friedrich Spee (1591 bis 1635) gedacht, der mutig gegen Hexenprozesse gekämpft hatte.

Geständnisse mit "extremer Folter" erzwungen

"Nach heutigem Verständnis waren alle Verurteilten unschuldig", sagt Voltmer, die sich seit vielen Jahren mit den europäischen Hexenverfolgungen des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit beschäftigt. Die meisten Prozesse hätten vor einem weltlichen und keinem geistlichen Gericht stattgefunden. Eine Verurteilung war nur nach einem erfolgten Geständnis möglich.

Um das zu erzwingen, setzten die Richter auch auf "extreme Folter", sagt Voltmer. Mit hinter dem Rücken gefesselten Armen wurden die Angeklagten, meist Frauen, an einem Seil in die Höhe gezogen. Eingesetzt wurden auch Schienbeinschrauben, Rutenschläge und das Verbrennen von Schwefel auf der Haut, um den Widerstand der Menschen "zu brechen". Nach damaligen Verständnis ging man davon aus, dass die Angeklagten einen Bund mit dem Teufel geschlossen hatten und eine Hinrichtung wenigstens deren Seele retten konnte.

Jedes auffällige Verhalten reichte als Vorwand

Warum wurde jemand als Hexe bezichtigt? "Im Prinzip konnte jedes als auffällig oder abweichend gedeutete Verhalten als Indiz für Hexerei gewertet werden", erklärt Voltmer. Wenn nach einem Streit einer der Beteiligten krank wurde, ließ sich dies als böser Fluch interpretieren. Oder wenn nach einem Krankenbesuch der Patient gesund wurde, dann hatte seine Besucherin ihn vom zuvor angehexten Übel wieder geheilt. Stand ein Mensch einmal im Verdacht, dann ließen sich alle seine Handlungen entsprechend deuten.

Trier war eine Hochburg der Hexenjagd

Ende des 16. Jahrhunderts galt die Region Trier wegen der Hexenverfolgung als "berühmt und berüchtigt". Im Territorium der Reichsabtei St. Maximin bei Trier wurden zwischen 1586 und 1596 rund 400 Menschen - ein Fünftel der Bevölkerung - hingerichtet.

"Hier fand eine der schlimmsten Hexenjagden in ganz Europa statt", sagt Voltmer. Vor dem städtischen Hochgericht in Trier, das damals 5000 Einwohner zählte, habe es zwischen 1580 und 1595 etwa 30 bis 40 Hinrichtungen gegeben, darunter etliche Bürgermeister und deren Frauen. Forscher gehen davon aus, dass zwischen der Mitte des 15. bis zur zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts europaweit 50.000 bis 60.000 Menschen als Hexen getötet wurden.

Formen von Hexenverfolgung gibt es noch in Afrika

Heute gebe es noch immer Hexenverfolgung, etwa in den afrikanischen Ländern Benin, Ghana, Südafrika und Tansania. Zwar nicht im Sinne christlicher Dämonologen wie in der frühen Neuzeit, aber angeblicher Schadenzauber spiele auch dort eine Rolle. Auch wenn keine exakten Zahlen vorliegen, schätzt die Historikerin, dass in afrikanischen Ländern bereits Tausende Menschen als vermeintliche Hexen ermordet worden seien.

Pfarrer setzt sich für Aufarbeitung der Hexenprozesse ein

In rund 25 deutschen Städten sind als Hexen und Hexer hingerichtete Frauen und Männer bereits rehabilitiert worden. "Ich hoffe sehr, dass noch andere Städte hinzukommen. Das Unrecht darf nicht das letzte Wort behalten" sagt der evangelische Pfarrer Hartmut Hegeler aus Unna. Er engagiert sich seit zwölf Jahren für eine Aufarbeitung der Hexenprozesse und für ein Gedenken an die Opfer.

Für den pensionierten Religionslehrer ist die Rehabilitation der Opfer "historisch überfällig". Ihnen müsse die Menschwürde wieder zugesprochen werden. Aber auch aus einem aktuellen Grund sei die Beschäftigung mit dem Thema wichtig: "Sie kann uns die Augen öffnen für Unrecht, das heute passiert."

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