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Emden: DNA-Test soll Jugendlichen entlastet haben

30.03.2012, 18:36 Uhr | t-online.de, dpa, AFP

Emden: DNA-Test soll Jugendlichen entlastet haben. Der junge Mann war am Dienstag als Tatverdächtiger verhaftet worden. Neueste Ermittlungsergebnisse haben ihn nun komplett entlastet (Quelle: dapd)

Der junge Mann war am Dienstag als Tatverdächtiger verhaftet worden. Neueste Ermittlungsergebnisse haben ihn nun komplett entlastet (Quelle: dapd)

Spektakuläre Wende im Emder Mädchenmord: Drei Tage nach seiner Festnahme ist der bisher dringend tatverdächtige 17-Jährige wieder auf freiem Fuß. Er sei als Täter auszuschließen, hieß es. Die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" berichtete, dass der Vergleich von Tatortspuren mit der DNA des bisher Beschuldigten keine Übereinstimmung gebracht habe. Das niedersächsische Landeskriminalamt gab dazu keine Stellungnahme ab.

Die Ermittler betonten die Unschuld des jungen Mannes: "Wir haben Fakten vorliegen, die eine Täterschaft des Jugendlichen ausschließen", sagte Südbeck. Er ließ offen, ob es einen neuen Verdächtigen gibt und äußerte sich nicht dazu, welche Erkenntnisse den Tatverdacht entkräftet haben.

Bereits am Donnerstag hatte der Staatsanwalt darauf hingewiesen, dass weiter in alle Richtungen ermittelt werde. Es gelte immer noch die Unschuldsvermutung, sagte Südbeck und warnte vor einer Vorverurteilung des 17-Jährigen. Inzwischen befinde sich der junge Mann in polizeilicher Betreuung.

Foto-Serie: Kindermord in Emden

Hassparolen im Internet

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) warnte vor Vorverurteilungen in Sozialen Netzwerken im Internet. Nach Aufrufen im Netz war eine aufgebrachte Menschenmenge vor die Polizeistation in Emden gezogen, als die Festnahme bekanntgeworden war. Dort habe sie für eine zusätzliche, unnötige und nicht zu akzeptierende Störung gesorgt, kritisierte der GdP-Bundesvorsitzende Bernhard Witthaut. "Wer hinter den Lynchaufrufen steckt, muss die volle Härte des Gesetzes zu spüren bekommen."

Nach der Festnahme waren auch Hassparolen im Internet aufgetaucht und von Passanten aufgegriffen worden. "Wir werden Hetzaufrufen in Sozialen Netzwerken mit Nachdruck entgegentreten und dann auch gegebenenfalls Ermittlungsverfahren gegen Personen einleiten, die solche Aufrufe tätigen. Für die Sicherheit des Jungen ist gesorgt, dafür kann ich mich verbürgen", sagte Südbeck.

Staatsanwalt: Keine Alternative zur Festnahme

Südbeck verteidigte das bisherige Vorgehen der Ermittler. Es habe keine Alternative zur Festnahme gegeben. Nun habe sich aber eine neue Lage ergeben, sagte der Staatsanwalt. Gesucht werde weiter der Mann, der auf den beiden Videosequenzen der Überwachungskameras aus dem Parkhaus zu sehen ist.

Doch es gab auch kritische Stimmen: "Man hatte den Eindruck, dass sie einen Täter präsentieren wollten", sagte die Vizepräsidentin des Verbandes deutscher Strafrechtsanwälte und Strafverteidiger, Martina Renz-Bünning. "Die Polizei in Emden sollte sich ganz dringend Gedanken machen, ob das so richtig war, was sie getan hat." Der Kriminologe Christian Pfeiffer hatte beklagt, dass der 17-Jährige bei der Festnahme in Handschellen abgeführt worden sei, weil dies zur öffentlichen Vorverurteilung beigetragen habe.

Der Jugendliche war am Dienstag nach einem Hinweis aus der Bevölkerung festgenommen worden. Der Haftbefehl wegen Verdachts auf Mord an der elfjährigen Lena war am Mittwoch erlassen worden. Die Polizei hatte sich auf Indizien und widersprüchliche Aussagen des Schülers berufen, der die Tat aber bestritten hatte. Die Elfjährige war am Samstag in einem Parkhaus in Emden getötet worden.

Mit einer Trauerfreier verabschiedeten sich am Freitag die Angehörigen von Lena. In einem weißen Sarg wurde die Schülerin auf einem Friedhof in Emden beigesetzt. "Du bleibst in unserem Herzen", hieß es auf einer Trauerschleife.

Mordkommission arbeitet mit Hochdruck

Die Ermittler gehen rund 170 Hinweisen aus der Bevölkerung nach. Die mit 40 Polizisten besetzte Mordkommission arbeite mit Hochdruck an der Aufklärung des Falls. Bisher waren die Beamten davon ausgegangen, dass die Elfjährige zur Verdeckung eines vorangegangenen Sexualverbrechens getötete wurde. Die Tat sei "sexuell motiviert", hatte es geheißen.

Gesucht wird nun nach einem jungen Mann mit dunkler Bekleidung. Dazu wurde eine weitere Videosequenz aus den Überwachungskameras des Parkhauses im Internet veröffentlicht. Die Aufnahmen zeigen denselben jungen Mann, der auch auf den bisher bekannten Sequenzen zu sehen ist. "Wir sind nach wie vor sehr zuversichtlich, den Täter zu finden", sagte Südbeck.

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