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Schwerer Kindesmissbrauch: Das Grauen im Breisgau

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Schwerer Kindesmissbrauch  

Das Grauen im Breisgau

13.01.2018, 07:50 Uhr | dpa

Schwerer Kindesmissbrauch: Das Grauen im Breisgau. Ein verlorenes Kuscheltiert auf einem Spazierweg: Das Leid des missbrauchten Jungen im Breisgau schockiert selbst erfahrene Ermittler (Symbolbild). (Quelle: imago)

Ein verlorenes Kuscheltiert auf einem Spazierweg: Das Leid des missbrauchten Jungen im Breisgau schockiert selbst erfahrene Ermittler (Symbolbild). (Quelle: imago)

Das Leid des Opfers ist kaum vorstellbar. Eine Mutter im Raum Freiburg bietet ihren Jungen im Internet an – wer zahlt, darf das Kind für sexuelle Gewaltfantasien missbrauchen. Niemand will etwas bemerkt haben.

Wie eine Ware soll ein kleiner Junge von seiner Mutter im Internet angeboten worden sein: für perverse Spiele, für jeden, der zahlt. Immer wieder reisen pädophile Männer in den Raum Freiburg. Was sie dem Neunjährigen seit 2015 angetan haben sollen, macht selbst erfahrene Ermittler sprachlos. Schier endlos müssen dem Opfer seine Qualen vorgekommen sein. Niemand hilft zunächst, niemand will das Leid des Schülers mitbekommen haben. Erst nach einem anonymen Hinweis kann das Martyrium des Jungen im vergangenen Herbst beendet werden.

Das eigene Kind beschützen, umsorgen, bedingungslos lieben: Was für viele Eltern selbstverständlich ist, scheint der 47-jährigen Mutter fremd. Auch die Frau lebt nach Angaben der Ermittler ihre schmutzigen Fantasien an ihrem Jungen aus – zusammen mit ihrem zehn Jahre jüngeren Partner. Der Mann ist einschlägig vorbestraft. Beide sollen das Kind sexuell misshandelt sowie Männern aus dem In- und Ausland für Vergewaltigungen überlassen haben. Für mehrere Tausend Euro konnte man das Opfer buchen, auch für mehrere Tage.

Der Lebensgefährte der Mutter war einschlägig vorbestraft

"Das Kind wurde im Internet europaweit angeboten für sexuelle Handlungen gegen Geld", sagt der Sprecher der Freiburger Staatsanwaltschaft, Michael Mächtel. Seine Behörde hat den Fall mit den erschreckenden Dimensionen am Donnerstag öffentlich gemacht. Acht Verdächtige, darunter die Mutter und ihr Lebensgefährte, sitzen in Untersuchungshaft.

Erst durch den anonymen Hinweis stießen die Ermittler nach eigenen Angaben auf internationale Geschäfte von Pädophilen. Zwar meldete die Polizei bereits im März 2017 dem Jugendamt, dass eine sexuelle Gefährdung des Kindes möglich sei – der Junge kam zeitweise sogar aus der Familie. Aber das Familiengericht schickte ihn nach Darstellung des Landratsamtes zurück nach Hause. Warum ist bislang unklar. Der Lebensgefährte war einschlägig vorbestraft, er hätte gar keinen Umgang mit Kindern haben dürfen, wie mehrere Medien nun übereinstimmend berichten.Erst im Herbst wurde der Junge endgültig aus der Hand seiner mutmaßlichen Peiniger befreit.

Über das Darknet angeboten wie Ware

Angeboten wurde das Kind wie Ware, so die Ermittlungen. Buchen, zahlen, vergewaltigen. "Die Täter reisten teilweise über mehrere Hundert Kilometer an, um die Verbrechen zu begehen", sagt Mächtel. Einer von ihnen kam aus Spanien, ein anderer aus Norddeutschland. Ihre perversen Taten im Großraum Freiburg sollen sie auch gefilmt haben.

Für die widerwärtigen Deals nutzen die Verdächtigen unter anderem das sogenannte Darknet, wie das Landeskriminalamt (LKA) in Stuttgart erklärt. Das ist ein verborgener Teil des Internets – womöglich blieben die Taten deshalb so lange unentdeckt.

Hat sich das Jugendamt schuldig gemacht?

Die Mutter, bestätigt die Freiburger Polizei, sei zuvor nicht mit dem Gesetz in Konflikt gekommen, war für die Behörden ein unbeschriebenes Blatt. Die Frage, ob das Jugendamt einen Blick auf die Familie hatte, ist bislang unbeantwortet. Die Behörde wolle sich zu dem Thema öffentlich derzeit nicht äußern, sagte ein Sprecher am Freitag. Der Junge ist nach den Festnahmen in staatlicher Obhut und damit in Sicherheit.

Anhaltspunkte für ein strafrechtlich relevantes Fehlverhalten der Behörde oder anderer Dritter gebe es nicht, sagt Staatsanwalt Mächtel. Doch das Jugendamt Breisgau-Hochschwarzwald stünde nicht zum ersten Mal in der Kritik. Im Januar 2015 war der drei Jahre alte Alessio in Lenzkirch im Schwarzwald von seinem Stiefvater zu Tode geprügelt worden. Die Behörde soll Warnungen ignoriert und Alessio nicht ausreichend geschützt haben. Der zuständige Sachbearbeiter im Jugendamt musste eine Geldstrafe zahlen.

Opferschützer fordern mehr Ermittler

Die Polizei untersucht nun die beschlagnahmten Filme und Datenträger, auch, um womöglich weitere Taten aufzudecken. "Über das Internet sind Pädophile gut vernetzt. Sie nutzen die Anonymität des Netzes, um sich auszutauschen", erklärt ein Sprecher der Zentralstelle für Internet-Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt am Main.

Immer wieder stoßen deutsche Ermittler auf systematischen sexuellen Missbrauch, der vor allem über das Internet verabredet wird. Im vergangenen Jahr war die Polizei gegen die europaweit größte Kinderporno-Plattform "Elysium" vorgegangen. Opferschutzverbände verlangen, dass der Kampf gegen Kindesmissbrauch verschärft wird. Sie fordern unter anderem mehr Ermittler.

Quelle:
- dpa

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