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Heilige Drei Könige: Sie waren weder Könige, noch Heilige

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Könige waren es nicht  

Das Geheimnis von Kaspar, Melchior und Balthasar

06.01.2017, 15:59 Uhr | Christoph Driessen, dpa

Heilige Drei Könige: Sie waren weder Könige, noch Heilige. Gemälde von J.de Bray, Anbetung der Könige (1674) (Quelle: dpa)

Gemälde von J.de Bray, Anbetung der Könige (1674) (Quelle: dpa)

Man kann es fast jeden Tag vor dem großen Goldschrein im Chor des Kölner Doms erleben: Kinder schauen mit zweifelndem Blick nach oben und fragen: "Sind da wirklich die Heiligen Drei Könige drin?" Vor über 850 Jahren, am 23. Juli 1164, brachte Erzbischof Rainald von Dassel die Gebeine nach Köln. Damals wurde die Echtheit von niemandem angezweifelt. Aber heute wollen es viele genau wissen.

Die erste Überraschung: In der Bibel steht fast nichts über die Könige. Drei der vier Evangelisten ignorieren sie. Nur bei Matthäus kommen sie vor. Aber der schreibt nicht von Königen, er schreibt von "magoi". Martin Luther hat daraus in seiner Bibel-Übersetzung die "Weisen aus dem Morgenland" gemacht. Eine korrekte Übersetzung ist das nicht – "magoi" sind Magier. Keine drei Könige ruhen also in Köln, nein, wenn schon, dann sind es Zauberer. Weil Magie zu Luthers Zeit aber etwas Böses war, wählte er eine unverfängliche Bezeichnung.

Als Matthäus sein Evangelium schrieb, verstand man unter "magoi" Mitglieder der persisch-babylonischen Priesterkaste, die sich mit Astronomie und Astrologie beschäftigten. Der Begriff "Sterndeuter" wäre deshalb auch recht passend. Erst seit dem 5. Jahrhundert wurden die Magier allmählich als Könige verehrt, wahrscheinlich deshalb, weil im Alten Testament eine Prophezeiung steht, wonach der Messias Geschenke von Königen erhalten wird.

Keine Könige, keine Heiligen

Tatsache bleibt: Es sind keine Könige. Sind sie dann wenigstens heilig? Nein, heiliggesprochen wurden sie nie. Sind es drei? Reine Spekulation – Matthäus nennt keine Zahl. Er erwähnt nur, dass die "magoi" dem Jesuskind Gold, Weihrauch und Myrrhe mitbrachten, und von diesen drei Geschenken leitete der frühe christliche Gelehrte Origenes (185 bis 254) ab, dass es dann auch drei Magier gewesen sein müssten.

Dafür erwähnt Matthäus ein anderes Detail: die Sache mit dem Stern. "Wir haben einen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen", erzählen die "magoi". "Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war. Dort blieb er stehen." Bei diesen Worten meint man herauszuhören, dass die Geschichte auf einem wahren Kern beruhen könnte. Das ist der Grund, warum der Stern von Bethlehem nicht nur die Theologen, sondern auch die Astronomen in seinen Bann zieht.

Sternenkonjunktion 7 Jahre vor 0

Viele Wissenschaftler sind heute davon überzeugt, dass es den Stern wirklich gegeben hat. Während er auf Bildern immer als Komet mit langem Schweif dargestellt wird, glauben die meisten Forscher, dass es sich bei der damaligen Himmelserscheinung um eine Konjunktion handelte – ein enges Nebeneinanderstehen der Planeten Saturn und Jupiter. Eine solche Annäherung, wie sie nur alle 800 Jahre vorkommt, hat nachweislich im Jahr 7 vor Christus stattgefunden. Was die Sache noch erstaunlicher macht: Nach heutigem Forschungsstand wurde Jesus nicht in dem Jahr geboren, das als Null den Beginn unserer Zeitrechnung markiert, sondern einige Jahre früher.

Eine Migrantenlegende

Keinerlei biblischen Ursprung haben die Namen der Heiligen Drei Könige. Erst im 6. Jahrhundert kommen allmählich die Bezeichnungen Kaspar, Melchior und Balthasar auf. Der englische Benediktinermönch Beda Venerabilis weiß um 725 zu berichten, dass Melchior ein Greis mit weißem Bart gewesen sei, Balthasar ein Mann mittleren Alters mit schwarzem Vollbart und Kaspar ein bartloser Jüngling. Dazu ordnete der Mönch die drei Könige den damals bekannten Kontinenten Europa, Asien und Afrika zu. Melchior wurde später meist als "Mohr" aus Afrika – und gleichzeitig Vornehmster der drei – dargestellt. Die Könige stehen damit für alle Menschen der Welt: alte und junge, schwarze und weiße. Eine schöne Geschichte, und wenn man so will: eine Migrantenlegende.

Gebeine sind Kriegsbeute Barbarossas

Liegen nun aber die echten "magoi" im Kölner Dom? Dazu muss man die Geschichte der Gebeine verfolgen. Aufgespürt hat sie angeblich Flavia Iulia Helena Augusta (250 bis 330), die Mutter des römischen Kaisers Konstantin I. Helena entdeckte die Gebeine der Überlieferung zufolge auf einer Pilgerfahrt in Palästina. Über Konstantinopel gelangten die Knochen nach Mailand. Mailand wiederum wurde 1162 von Kaiser Barbarossa erobert. Unmittelbar danach gelangte dessen Kanzler, der Kölner Erzbischof Rainald von Dassel, in den Besitz der Gebeine. Ob er sie vom Kaiser geschenkt bekam oder selber zugriff, ist unklar. Jedenfalls ließ er die Kriegsbeute 1164 im Triumphzug nach Köln schaffen.

Während die Gebeine zuvor gar nicht so viel Aufsehen erregt hatten, legte von Dassel auf seiner Reise immer wieder Zwischenstopps ein und ließ Messen lesen, was die Bekanntheit der kostbaren Reliquien enorm steigerte. So kam es, dass Sancta Colonia, das Heilige Köln, bald nach Ankunft der Knochen zum bedeutendsten Wallfahrtsort neben Rom und Santiago de Compostela aufstieg.

Ohne die Könige kein Kölner Dom

Um die Bedeutung der Knochen noch stärker herauszustellen, orderten die Kölner bei dem berühmtesten aller Goldschmiede, Nikolaus von Verdun, die größte aller Goldschmiedearbeiten. Es dauerte 40 Jahre, bis der Schrein fertig war. Doch auch der größte Schrein der Christenheit reichte nach Meinung der Kölner noch nicht, um ihrem Reliquienschatz Genüge zu tun. Es musste noch eine zweite Hülle her – ein neuer Dom. Der alte war zwar auch schon groß, aber noch nicht groß genug. Der neue Dom sollte die größte Kirche auf Erden werden. So begann der Bau des Kölner Doms. Ohne die Heiligen Drei Könige würde es ihn heute nicht geben.

Die Köpfe der Könige waren mittlerweile abgetrennt und – ohne Unterkiefer – auf ein sogenanntes Häupterbrett gestellt worden. Von 1322 bis 1794 standen sie unangetastet in der Achskapelle des halb fertigen Doms. Dann musste alles vor den heranrückenden französischen Truppen in Sicherheit gebracht werden.

Die Echtheit der Reliquien infrage zu stellen, war lange Zeit unvorstellbar. Erst im 19. Jahrhundert nahm das wissenschaftliche Interesse so weit zu, dass der Schrein wieder geöffnet wurde. Es war der 21. Juli 1864. Zu ihrem großen Erstaunen fanden die Forscher die fast vollständigen Skelette eines 12-jährigen Jungen und zweier etwa 30 und 50 Jahre alter Männer. Die drei Lebensalter, die auf zahllosen Darstellungen von den Heiligen Drei Königen symbolisiert worden waren, kamen also mit dem Alter der drei Toten überein.

Kleidung im Sarg stammt tatsächlich aus der Antike

Und das war nicht die einzige Überraschung. Mehr als hundert Jahre später, 1979, wurden auch die Stoffe untersucht, mit denen die Knochen umwickelt waren. Das Ergebnis: Es handelte sich um syrischen Damast, Purpur und Seide aus dem 2. oder 3. Jahrhundert nach Christus. Die Kleidung war damit älter als gedacht – sie stammte tatsächlich aus der Antike, aber eben nicht aus der Zeit von Jesus. Die Knochen selbst sind noch nie analysiert worden. Der Experte und Buchautor Manfred Becker-Huberti hat eine solche Untersuchung in den 90er Jahren angeregt. "Technisch wäre es möglich", sagt er. Aber das Domkapitel habe abgelehnt.

Der Vorsitzende des Domkapitels, Dompropst Norbert Feldhoff, bestreitet das. "Das ist gar kein Thema, und deshalb ist darüber auch nie entschieden worden", sagt er. Das sei eine "Frage der Frömmigkeit".

Wer wirklich im Kölner Goldschrein liegt, lässt sich also nicht sagen. Das ist vielleicht auch besser so. Für Goethe war es gerade der nicht zu entwirrende Mix aus Fakten und Legenden, der das Faszinierende ausmacht. Er schrieb an einen Kölner Freund: "Geschichte, Überlieferung, Mögliches, Unwahrscheinliches, Fabelhaftes mit Natürlichem, Wahrscheinlichem, Wirklichem bis zur letzten und individuellsten Schilderung zusammengeschmolzen, entwaffnet wie ein Märchen alle Kritik." Mag sein, dass der Goldschrein im Kölner Dom nicht die Heiligen Drei Könige bewahrt. Aber er bewahrt in jedem Fall ihre schöne Geschichte.

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