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Pest schon in Bronzezeit verbreitet: Erkenntnisse zum Schwarzen Tod

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Neue Erkenntnisse zum Schwarzen Tod  

Wie der Pest-Erreger so gefährlich wurde

27.10.2015, 12:41 Uhr | dpa

Pest schon in Bronzezeit verbreitet: Erkenntnisse zum Schwarzen Tod. Die Pest raffte im Mittelalter und der frühen Neuzeit alleine in Europa Millionen dahin. Holzschnitt aus dem 16. Jahrhundert. (Quelle: dpa)

Die Pest raffte im Mittelalter und der frühen Neuzeit alleine in Europa Millionen dahin. Holzschnitt aus dem 16. Jahrhundert. (Quelle: dpa)

Verheerende Pest-Epidemien suchten die Menschheit vom frühen Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert heim. Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass der Erreger schon viel länger unter den Menschen verbreitet war als bislang angenommen. Richtig gefährlich wurde er aber erst später.

Nach Erkenntnissen eines internationalen Forscherteams um Eske Willerslev von der Universität Kopenhagen plagte die Pest die Menschheit bereits vor knapp 5000 Jahren in der Bronzezeit und damit mindestens 3000 Jahre länger als bislang nachgewiesen. Erst deutlich später - im ersten Jahrtausend vor Christus - erwarb das Bakterium aber die Eigenschaft, Flöhe als Zwischenwirt zu nutzen und Pandemien der gefürchteten Beulenpest auszulösen, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt "Cell".

Die Pest wird durch das Bakterium Yersinia pestis ausgelöst, das den Menschen, aber auch viele Tiere infizieren kann. Flöhe übertragen die Erreger von infizierten Tieren wie Ratten auf den Menschen. Auf diesem Weg wird die am weitesten verbreitete Beulenpest aber auch die Pest-Sepsis hervorgerufen. Letztere entsteht durch das Eindringen der Bakterien in die Blutbahn. Bei der Lungenpest gelangen die Erreger zumeist von einem zum anderen Menschen.

Erste belegte Epidemie in Ägypten

Die Forscher um Willerslev hatten in den Zähnen von 101 Menschen, die großteils in der Bronzezeit in Europa und Asien gelebt hatten, nach genetischen Spuren des Pest-Bakteriums gesucht. Die Zähne stammten von Ausgrabungen oder aus Museen. Bei sieben Individuen, die zwischen 2794 und 951 vor Christus gelebt hatten, wurden sie fündig. Die erste historisch belegte Pest-Epidemie ist nach Forscherangaben die Justinianische Pest, die im Jahr 541 nach Christus in Ägypten begann.

Die Wissenschaftler untersuchten anschließend 55 Gene genauer, die für die krankmachenden Eigenschaften des Bakteriums von besonderer Bedeutung sind. So konnten sie die Entwicklung des Bakteriums nachverfolgen. Dabei zeigte sich, dass dem frühen Pest-Erreger das ymt-Gen fehlte. Das Gen schützt das Bakterium im Darm von Flöhen. Die Forscher nehmen deshalb an, dass das Pest-Bakterium in der Frühzeit seiner Entwicklung noch nicht über Flöhe verbreitet wurde.

Erst ab dem Jahr 951 vor Christus ist dieses Gen in den untersuchten Pest-Bakterien nachzuweisen. Es entstand spät und verbreitete sich dann schnell, folgern die Forscher. Somit seien erst die späteren Erreger in der Lage gewesen, die über Flöhe verbreitete Beulenpest hervorzurufen.

Erbgut der Erreger veränderte sich

Darüber hinaus veränderte sich das Erbgut der Erreger nach Angaben der Forscher im Laufe der Jahrhunderte so, dass sie dem Immunsystem ihrer Wirte immer besser entkommen konnten. Mit Beginn des ersten Jahrtausends vor Christus habe sich der Erreger von einem vergleichsweise harmlosen Bakterium zu einem der tödlichsten Keime verwandelt, auf den die Menschheit je getroffen ist, schreiben die Wissenschaftler. Allein im 14. Jahrhundert hat der Schwarze Tod nach WHO-Angaben schätzungsweise 50 Millionen Menschen das Leben gekostet.

Trotz ihrer vergleichsweise geringeren Gefährlichkeit waren die älteren Pest-Erreger nach Ansicht der Wissenschaftler möglicherweise für die in Europa und Asien jüngst festgestellten, großräumigen Bevölkerungsbewegungen in der Bronzezeit mitverantwortlich. Die Menschen könnten vor Pest-Ausbrüchen geflüchtet sein oder Gebiete neu besiedelt haben, in denen die Bevölkerung nach einer Epidemie stark dezimiert war.

"Die Studie ändert unsere Sichtweise darauf, wann und wie die Pest die menschlichen Populationen befallen hat und eröffnet neue Möglichkeiten, um die Evolution von Erkrankungen zu studieren", sagte Studienleiter Willerslev. "Die zugrundeliegenden evolutionären Mechanismen, die die Evolution von Y. pestis ermöglicht haben, sind heute noch wirksam. Und darüber mehr zu erfahren, wird uns helfen zu verstehen, wie künftige Erreger entstehen können oder wie ihre Gefährlichkeit zunimmt", sagt Simon Rasmussen von der Technischen Universität Dänemark in Lyngby, der ebenfalls an der Studie beteiligt war.

Krankheit kann heute behandelt werden

Auch heute ist die Pest noch nicht besiegt, obwohl sie - rechtzeitig entdeckt - mit Antibiotika behandelt werden kann. 2013 zählte die Weltgesundheitsorganisation WHO weltweit 783 Erkrankte, 126 davon starben. Die drei am stärksten betroffenen Länder sind Madagaskar, Kongo und Peru.

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