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Trotz feinsandiger Strände wartet Sierra Leone auf Touristen

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Paradies am Scheideweg  

Trotz feinsandiger Strände wartet Sierra Leone auf Touristen

30.03.2014, 15:15 Uhr | Philipp Laage, dpa

Trotz feinsandiger Strände wartet Sierra Leone auf Touristen. Sierra Leone verdankt seinen feinsandigen Stränden die Bezeichnung "Karibik Afrikas". (Quelle: dpa/Philipp Laage)

Sierra Leone verdankt seinen feinsandigen Stränden die Bezeichnung "Karibik Afrikas". (Quelle: Philipp Laage/dpa)

Vor zwölf Jahren endete der Bürgerkrieg in Sierra Leone, heute ist das westafrikanische Land befriedet. Nun warten exotische Strände und gastfreundliche Menschen auf die ersten Touristen. Doch die Probleme, die noch bewältigt werden müssen, sind gewaltig. Sehen Sie Sierra Leone auch in unserer Foto-Show.

"Die Touristen wollen Tänze sehen", erklärt die Frau vom Fremdenverkehrsbüro dem Dorfältesten. Kochen wollten sie und werkeln und nicht nur herumsitzen. Sengbeh Sannoh lächelt. Dann erklärt der Mann, der von sich behauptet, 100 Jahre alt zu sein: "Ich bin ein guter Tänzer." Man hat den Eindruck, dass er keinen Schimmer davon hat, was diese Frau aus der Stadt eigentlich von ihm will. "Mögen wir uns bei bester Gesundheit wiedersehen. Dann werde ich für euch tanzen", sagt er zum Abschied und humpelt davon.

Insel soll Zentrum für nachhaltigen Tourismus werden

Bisher sind noch nie Touristen nach Jene gekommen, in das kleine Dorf am Fluss Moa mitten in Sierra Leone. Doch das soll sich ändern. Gegenüber auf Tiwai Islands leben seltene Zwergflusspferde, Rote Stummelaffen hangeln sich durch die Tropenbäume. Geht es nach dem Tourismusministerium, wird die zwölf Quadratkilometer große Insel in den kommenden Jahren ein Zentrum für nachhaltigen Tourismus. Um herauszufinden, wie man mit den acht Dörfern an den Grenzen des Reservats zusammenarbeiten könnte, spricht die Regierung mit Männern wie Sengbeh Sannoh.

Auf Tiwai selbst gibt es allerdings noch kaum Infrastruktur. Die Besucher schlafen in feuchten Zelten unter offenen Wellblechhütten. Der nächtliche Gewitterregen hört sich an, als fielen faustgroße Steine auf das Dach. Dafür fließt kein Wasser aus den Duschköpfen. Die Solaranlage funktioniert nicht, abends verschluckt Finsternis die Insel. Das Pilotprojekt Tiwai zeigt: Die Erwartungen an den Tourismus sind in Sierra Leone ebenso groß wie die Hindernisse.

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Bekannt aus Blockbuster mit di Caprio

Die meisten Europäer verbinden mit dem westafrikanischen Staat ohnehin noch kein Reiseland, sondern den Film "Blood Diamond" mit Leonardo di Caprio, der vom grausamen Bürgerkrieg erzählt. Sierra Leone erschien damals als afrikanisches Schreckgespenst schlechthin: Kindersoldaten, Blutdiamanten, Massaker, ein Land voll Anarchie und Gewalt. Es ist ein Image, das nur schwer zu zerstreuen ist, obwohl das Land seit mehr als zehn Jahren verändert ist.

Sierra Leone lebt vor allem von den Rohstoffen, die es exportiert. Doch davon hat die arme Bevölkerung kaum etwas. "Die Minenfirmen nutzen die Menschen aus und zerstören die Umwelt", beschwert sich der scheidende Direktor des Fremdenverkehrsbüros, Cecile John Williams. Eine Alternative zum Bergbau könnte der Tourismus sein, den viele als große Chance sehen, fast schon als Heilsbringer. Die Frage ist nur: Profitieren davon wieder nur ausländische Investoren? Oder kommt das Geld der Urlauber auch der Bevölkerung zugute? Sierra Leone steht am Scheideweg.

Die Karibik Afrikas

Eines lässt sich schon heute sagen: Der Kampf um die Touristen wird nicht auf der Dschungelinsel Tiwai entschieden, sondern an den Stränden des Landes. Auf der Freetown Peninsula reiht sich Bucht an Bucht. Der weiße Sand ist manchmal so fein, dass er unter den Füßen quietscht. Die Palmen wachsen schief in Richtung der untergehenden Sonne, das Meerwasser ist warm und klar. Im Hinterland erheben sich bewaldete Hänge. Sierra Leone wird manchmal die Karibik Afrikas genannt. Schon vor dem Krieg waren es die Badestrände, die Touristen aus dem Westen in die ehemalige britische Kolonie lockten.

Wer die Halbinsel entlang fährt, kann an den wenigen Hotels und Resorts bereits ablesen, in welche Richtung sich der Tourismus entwickeln könnte. Am Tokeh Beach, der noch ein kleines bisschen perfekter wirkt als die anderen Strände, haben libanesische Geschäftsleute einen Bungalow-Komplex hochgezogen.

Ein weißer Fleck auf der Landkarte

Aber da sind auch die kleinen Eco-Lodges, die sich einer nachhaltigen Entwicklung verschrieben haben. Die Herberge am John Obey Beach ist an ein Dorf angeschlossen, elf der Bewohner arbeiten fest in dem Backpacker-Camp mit. Sie lernen Englisch, wie man Müll trennt und das Haushalten mit einem bestimmten Budget. Ein Schild klärt auf über den CO2-Fußabdruck jedes Mitarbeiters - die Ambitionen sind groß.

Amara Bangura schaut skeptisch in die Zukunft. Der 58-Jährige arbeitet in einem Resort am Mama Beach. Kreisrunde Bungalows, hübsche Inneneinrichtung, saubere Badezimmer. "Es kommen fast nur Geschäftsleute und Mitarbeiter von NGOs", erzählt Bagura. Auf der touristischen Landkarte ist Sierra Leone noch ein weißer Fleck.

Ein Paradies mit schlechter Infrastruktur und zu hohen Preisen

So gibt es überall auf der Peninsula ein kollektives Warten darauf, dass Urlauber die einsame Postkartenkulisse mit Leben füllen. Aber noch hat das Land vor allem zwei Probleme: schlechte Infrastruktur und zu hohe Preise. Die Straße aus Freetown zu den Bilderbuch-Buchten ist so zerfurcht, dass der Geländewagen bei tiefen Pfützen bis über den Kühlergrill ins Wasser eintaucht. Und weil die Gäste von Hilfsorganisationen und Unternehmen fast jeden Hotelpreis zahlen, kostet eine hölzerne Hütte ohne Strom bis zu 45 Euro pro Nacht.

Joseph Pierce glaubt an die Zukunft Sierra Leones. Pierce führt ein Resort am Tokeh Beach. Zwischen den Palmen stehen noch die Ruinen aus der Zeit, als zum Beispiel der spätere französische Präsident Jacques Chirac an den Strand von Tokeh kam. 600 Betten hatte die Anlage und einen Hubschrauberlandeplatz. Die verfallenen Häuser sehen aus wie ein Seeräuber-Versteck. Die neuen Bungalows sind bald fertig, dann könnten mehr Gäste kommen. Die Sonne versinkt im Ozean, Kellner servieren fangfrische Krebse. Manch einem käme hier das Wort "Paradies" über die Lippen. Pierce ist nicht euphorisch. "Am meisten fürchte ich Stillstand."

Weitere Informationen:

Anreise: Mehrere Airlines fliegen die Hauptstadt Freetown mit einem Zwischenstopp von Deutschland aus an.
Einreise: Deutsche Urlauber brauchen ein Visum, das vor der Reise bei der Botschaft von Sierra Leone in Berlin beantragt werden muss.
Reisezeit: Das Klima in Westafrika ist tropisch feucht. Am besten ist die Trockenzeit von Oktober bis März.
Geld: Kreditkarten werden fast nirgendwo akzeptiert, US-Dollar und Euro dagegen ohne Probleme getauscht. 1 Euro entspricht etwa 5860 Leones (Stand: Dezember 2013).
Informationen: Visit Sierra Leone (Tel.: 00232/76/25 82 58, E-Mail: service@visitsierraleone.org).

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