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Klettern in der Sächsischen Schweiz: Zwischen Lokomotive und Bastei

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Zwischen Lokomotive und Bastei: Klettern in der Sächsischen Schweiz

10.09.2012, 12:28 Uhr | Michael Juhran, dpa-tmn

Klettern in der Sächsischen Schweiz: Zwischen Lokomotive und Bastei. Einer der markantesten Gipfel der Sächsischen Schweiz: die Lokomotive. (Quelle: imago)

Einer der markantesten Gipfel der Sächsischen Schweiz: die Lokomotive. (Quelle: imago)

Die Felsformationen des Elbsandsteingebirges haben schon viele Kletterer-Generationen in ihren Bann gezogen. Lange Zeit galt das Klettern am Seil als ein sehr spezielles Hobby. Doch Klettern entwickelt sich mehr und mehr zum Breitensport. Als Revier ist die Sächsische Schweiz, das älteste deutsche Klettergebiet außerhalb der Alpen, perfekt dafür geeignet. Kletterkurse richten sich hier an Laien und Profis. Unsere Foto-Show durch das Elbsandsteingebirge entführt Sie in die atemberaubende Landschaft im Osten Sachsens.

Der Kletterpionier der Sächsischen Schweiz

Er ist überpünktlich: Bereits eine Viertelstunde vor der vereinbarten Zeit steht Bernd Arnold vor dem Bergsportgeschäft im sächsischen Hohnstein. Mit seiner Schiebermütze, dem Halstuch, der Brille und einer rauchenden Pfeife im Mundwinkel vermutet man in dem 65-Jährigen eher einen Maler als einen Kletterprofi. Doch mehr als 900 Routen erschloss Arnold in den 70er und 80er Jahren durch Erstbegehungen. Sein Hauptrevier: die Sächsische Schweiz. Dort gibt er heute sein Wissen an die Teilnehmer seiner Kletterkurse weiter.

Wind und Wetter haben die Lokomotive erschaffen

Zusammen mit einer kleinen Gruppe macht er sich auf den Weg zu einem der bekanntesten der etwa 1.100 Gipfel in der Sächsischen Schweiz: der Lokomotive. Sonne, Frost und Regen haben den Felsen zu einem kleinen Kunstwerk modelliert, das von fern wirklich wie eine Dampflok aussieht.

In der Nähe der "Hocksteinschänke" bleiben die Autos auf einem Parkplatz zurück. Von hier führt ein Wanderpfad zum Felsen. Das Gezwitscher der Vögel begleitet die Gruppe auf dem Weg durch den Wald. Mal geht es an moosbewachsenen Felswänden vorbei, mal an herrlich blühenden Fingerhut-Pflanzen.

Die Bastei beherbergte früher Raubritter

Über einen Bergrücken führt Arnold die Gruppe auf einen kleinen Felsen. Der Blick von oben ist atemberaubend. Direkt gegenüber liegt die Bastei - eine der bekanntesten Felsformationen der Sächsischen Schweiz. In der nahegelegenen Burg hatten sich im 15. Jahrhundert Raubritter verschanzt, die Handelsreisenden auflauerten und den Bauern der umliegenden Dörfer das Vieh raubten. Heute gehören die Bastei und das zu ihren Füßen liegende Rathen zu den touristischen Höhepunkten der Region.

Arnold klettert am liebsten barfuß

Bereits wenige Wanderminuten später stoppt Arnold wieder. "Von hier haben wir einen perfekten Überblick über die Kletterroute auf die Esse der Lokomotive", erklärt er und zieht sich die Schuhe aus. "Nur ohne Schuhe bekommt man ein Gefühl vom Fels", sagt der passionierte Barfußkletterer. Selbst einige seiner schwierigsten Routen hat er ohne Schuhe zurückgelegt.

Die Tour auf den Honigstein zählt sicher nicht zu den größten Herausforderungen des Spitzenkletterers. Der kleine Felsen muss vor der Lokomotive überwunden werden. "Für die Tour auf den Honigstein benötigen wir weder Seil noch Sicherungen", erklärt Arnold und fügt hinzu: "Diese Route hat selbst mein Hund schon geschafft."

An der Südwestwand der Lokomotive

Die kurze Kletterei lohnt sich. Jetzt liegt die Lokomotive direkt im Sichtfeld. Dann zeigt er auf die Südwestwand der Lokomotive: "Wir beginnen den Aufstieg rechts unten und queren links haltend zur Südkante. An der Kante geht es dann zum Gipfel." Mit dem Schwierigkeitsgrad VI in der von I bis XI reichenden sächsischen Skala gehört die Route nicht gerade zu den einfachen Wegen, doch Arnold beruhigt: "Die Kante gehört in ihrer Klasse zu den am besten gesicherten Routen."

Arnold ist diesen Weg schon oft durchstiegen und weiß genau, welche Schlingen und Karabiner er zur Sicherung benötigt. Am Fuß der Südwestwand streift er schnell seinen Klettergurt über, befestigt das Seil, rückt seine Ausrüstung zurecht und hat in Sekundenschnelle den überhängenden Einstieg gemeistert. Nach wenigen Zügen legt er eine erste Seilschlinge zur Sicherung.

Nur felsenfreundliche Sicherungsmethoden erlaubt

Im sächsischen Fels gilt eine naturschonende Kletterordnung, die Hilfsmittel mit Ausnahme von wenigen Sicherungsringen auf felsfreundliche Seil- und Bandschlingen beschränkt. Auf dem Weg zur Südkante bringt Arnold eine Bandschlinge an und zieht sie fest. Wenig später ist er bereits auf halber Höhe angelangt. Dort hängt er sich ein und sichert den nächsten Kletterer.

Nach und nach erklimmen die anderen die Lokomotive. Der Blick von oben schweift über den Amselsee und die umliegenden Felsgruppen. Nach einem kurzen Aufenthalt auf dem Gipfel geht es wieder ans Abseilen. Auf Arnold wartet unten schon die nächste Gruppe.

Weitere Informationen zur Sächsischen Schweiz:

Anreise: Mit der Bahn geht es über Dresden bis zum Bahnhof Rathen oder mit dem Auto über die Autobahn bis Pirna. Von dort führt eine Landstraße bis Hohnstein.

Kletterkurse: Bernd Arnold bietet von April bis Oktober Kletterkurse an, geführte Wanderungen durch die Region gibt es ganzjährig. Daneben gibt es zahlreiche weitere Kletterschulen.

Informationen: Tourismusverband Sächsische Schweiz, Bahnhofstraße 21, 01796 Pirna (Tel.: 03501/47 01 10, E-Mail: info@saechsische-schweiz.de)

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