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Angeln: die Aalquappe - ein Dorsch im Süßwasser

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Jagd auf die Süßwasserdorsche

06.02.2013, 09:19 Uhr | Kurt de Swaaf / trax.de

Angeln: die Aalquappe - ein Dorsch im Süßwasser. Die Aalquappe. (Quelle: Kurt de Swaaf)

Die Aalquappe kann über einen Meter lang werden. Die Regel sind allerdings eher Größen um die 40 Zentimeter. (Quelle: Kurt de Swaaf)

Die Aalquappe (Lota lota), mancherorts auch Trüsche oder (Aal-)rutte genannt, ist ein vorzüglicher Speisefisch. Leider ist der vorwiegend in der Bodenregion von Flüssen und Seen lebende Raubfisch aus vielen deutschen Gewässern verschwunden. Überaus gesunde Aalquappen-Bestände dagegen finden sich unter anderem im mittleren Verlauf der Donau. Unser Autor hat sich auf den Weg gemacht und gibt Tipps zu Montage, Ködern und Angeltechnik. Außerdem verrät er, was die Aalquappe für den Biologen so bemerkenswert macht. Sehen Sie mehr auch in unserer Foto-Show: Ein Dorsch im Süßwasser - die Aalquappe.

Anglerparadies an der Donau

Sonnenuntergang. Über dem Horizont hängen leuchtende Wolkenbänder, eine Farborgie in Rot- und Goldtönen. In den Auwäldern der Donauinsel Szigetköz im Nordwesten Ungarns herrscht Stille. Seit Tagen rührt sich praktisch kein Wind, die Nacht verspricht wieder ruhig, aber kalt zu werden. Am Stauwehr in der Nähe von Dunakiliti stehen bereits ein paar einheimische Angler. Die Donau teilt sich in dieser Region in mehrere sehr fischreiche Arme auf und gilt als ein Paradies für Petrijünger. Aus gutem Grund. Von Welsen und Hechten bis hin zu Schleien und massenweise Rotaugen kann hier fast jede mitteleuropäische Fischart gefangen werden. Man muss nur wissen, wann und wie.

Der einzige Dorsch, der im Süßwasser lebt

Heute Abend soll es auf Aalquappen gehen. Diese äußerst wohlschmeckenden Flossenträger sind vor allem im Winter, nach Einbruch der Dunkelheit aktiv. Die auf den wissenschaftlichen Namen Lota lota getaufte Spezies ist zudem so etwas wie eine zoologische Rarität. Aalquappen sind nämlich die einzigen Vertreter der Dorschfamilie (Gadidae), denen es gelungen ist, im Süßwasser heimisch zu werden. Alle anderen Gadiden wie Kabeljau (Dorsch), Pollack, Schellfisch und viele mehr sind Meeresbewohner.

Ihre marine Herkunft spiegelt sich auch heute noch in der Biologie der Aalquappen wieder. Die Weibchen legen nach dorschüblicher Manier bis zu einige Millionen winzige Eier. Sie sind viel kleiner sind als die anderer europäischer Süßwasserfische. Die frischgeschlüpften Larven leben zunächst pelagisch – frei im Wasser schwebend und mitunter hilflos der Strömung ausgesetzt. Aalquappen laichen im Winter, bei Wassertemperaturen, die nur wenig über dem Gefrierpunkt liegen. Vielleicht lassen sich die Tiere kurz vor dem Ablaichen am besten fangen, weil sie dann ihre angestammten Reviere verlassen und größere Strecken zurücklegen.

In Deutschland nur vereinzelte Bestände

In Bezug auf ihren Lebensraum ist Lota lota eigentlich recht flexibel. Man findet sie in großen Strömen ebenso wie in kleinen Bächen und auch in kalten Bergseen. In Deutschland ist die Art allerdings nur lückenhaft verbreitet. Gute Aalquappen-Bestände gibt es zum Beispiel in der Oder oder in diversen Gewässern am Alpenrand. Im Rhein dagegen kommen diese hübschen Fische nur selten vor, und in einigen Flüssen wie dem Neckar sind sie offenbar komplett verschwunden. Ursache unbekannt. Fachleute vermuten, dass dies vor allem eine Folge der Verbauung und der Wasserverschmutzung in den Sechzigern bis Neunzigern ist.

In der ungarischen Donau jedoch gibt es nach wie vor reichlich Aalquappen. Der Pegel ist an diesem Abend etwas erhöht, ein Ergebnis der Schneeschmelze, die vor ein paar Tagen in den Alpen eingesetzt hat. Es herrscht eine kräftige Strömung, das Wasser ist milchig trüb – nicht die allerbesten Bedingungen. Im Dämmerlicht wird ein guter Angelplatz gesucht und an einem kleinen Sandstrand zwischen Schilf und jungen Weiden gefunden.

Montage, Köder und Technik

Jetzt schnell die Angelausrüstung zusammensetzen: Zwei kräftige Grundruten mit passenden Rollen, bestückt mit 0,15 Millimeter starker, geflochtener Schnur, daran zwei simple Laufblei-Montagen mit je einem 60 Gramm schweren Birnenblei, ein 0,23 Millimeter starkes, monofiles Vorfach sowie ein kurzstieliger No. 6 Haken. Letzterer wird mit dicken Tauwürmern beködert. Aalquappen-Angeln ist keine besonders raffinierte Fischerei. Man kann allerdings auch kleine tote Rotaugen, Ukeleie oder Kaulbarsche als Köder verwenden und so auf einen Zander als Beifang hoffen.

Die Montagen werden so ausgeworfen, dass sie am Rande der Hauptströmung liegen bleiben, dort, wo der Boden vom Flachwasser ins Tiefe übergeht. Wenn die Aalquappen auf Futtersuche sind, müssten sie da vorbeikommen. Inzwischen ist es stockfinster geworden. Ein Wolkenteppich verdeckt die Sicht auf die Sterne. Irgendwo im Uferdickicht raschelt es. Ein Biber vielleicht. Auch die kommen hier auf der Szigetköz wieder zahlreich vor. Der Fluss rauscht leise, kleine Wellen plätschern auf den Mini-Strand. Welch eine zauberhafte Atmosphäre.

Schlägt der Mond Aalquappen auf den Appetit?

Nach knapp einer Stunde der erste Biss: Das Lichtchen an einer der Rutenspitzen vibriert plötzlich leicht, und ja, am anderen Ende der Schnur zappelt tatsächlich etwas. Der Lichtkegel der Stirnlampe fällt auf einen knapp handlangen, schlanken Wasserbewohner mit braunen Streifen – leider keine Aalquappe, sondern ein "Streber", wissenschaftlich Zingel streber genannt. Normalerweise ein seltener Fang. Diese kleinen, barschartigen Fische kommen ausschließlich im Donausystem vor und sind in Deutschland überaus rar geworden. Das Tier darf umgehend wieder schwimmen. Kurz darauf geht erstaunlicherweise noch ein zweiter Streber an den Haken und wird ebenfalls zurückgesetzt. Die ungarische Donau ist eben immer für Überraschungen gut.

Die Wolkendecke reißt wieder auf, Frost hängt in der Luft. Jetzt zeigt sich auch der Vollmond. Die Auenlandschaft glänzt in gespenstischer Pracht, doch von Lota lota keine Spur. Starkes Mondlicht schlägt Aalquappen auf den Appetit, glauben viele Angler. Vielleicht haben die ungarischen Kollegen vorne am Stauwehr deshalb schon zusammengepackt. Eine weitere halbe Stunde vergeht. Der Mond steigt in den Nachthimmel, es ist so hell, dass man kaum noch eine Lampe braucht. Warten, und Tee aus der Thermoskanne trinken.

Der heißersehnte Anbiss kommt wie so oft unerwartet. Die beleuchtete Rutenspitze schlägt mehrfach aus, nicht heftig, aber doch unverkennbar. Ein schneller Anhieb, und der Haken sitzt. Kurz darauf windet sich ein Süßwasserdorsch an der Wasseroberfläche. Endlich Erfolg! Der Fisch ist 36 Zentimeter lang und wiegt gut ein halbes Pfund. Wahrlich kein Riese, denn Aalquappen können bis über einen Meter groß und etwa zehn Kilo schwer werden. Aber es hat geklappt, trotz schwieriger Umstände und vor Kälte steifen Fingern. Manchmal bereiten beim Angeln auch Alltagsfische größte Freude. Zum Glück.

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