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Forelle: Fisch des Jahres 2013 ist gefährdet

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Die geheimnisvolle Gefleckte

05.03.2013, 13:42 Uhr | Kurt de Swaaf, trax.de

Forelle: Fisch des Jahres 2013 ist gefährdet. Bachforelle (Salmo trutta fario): Milchner. (Quelle: imago/blickwinkel)

Die Färbung von Forellen kann stark variieren und verändert sich im Laufe ihres Lebens. (Quelle: blickwinkel/imago)

Forellen sind nicht nur bei Anglern begehrt, sondern auch wissenschaftlich gesehen faszinierende Fische. Leider haben sie hierzulande viele ihrer Lebensräume verloren. Nicht umsonst wurden die variationsreichen Forellenarten vom Verband Deutscher Sportfischer (VDSF) in Abstimmung mit dem Deutschen Anglerverband (DAV) zum Fisch des Jahres 2013 erklärt. Wir beleuchten die Lebensweise der Forelle und warum ihr natürlicher Bestand stark gefährdet ist.

Die Forelle ist flexibel

Meistens lebt sie im Verborgenen. Ihre Verstecke liegen zwischen Baumwurzeln, in ausgehöhlten Uferpartien oder unter Felsblöcken. Dort lauert sie auf Futter, welches das fließende Wasser heranträgt. Streifzüge werden bevorzugt in der Dämmerung und nachts unternommen. Wenn man sie schon zu Gesicht bekommt, dann oft nur als huschender Schatten. Doch die Tiere können auch anders. Manchmal stehen sie mitten im Bach oder Fluss, die Nase in der Strömung, geduldig auf treibende Insekten wartend, und lassen sich von Spaziergängern am Ufer nicht stören. Salmo trutta, die Europäische Forelle, ist eben eine eigensinnige Fischart. Und eine sehr flexible.

Lebensraum der Forelle bedroht

Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom Nordkap über ganz Europa bis hin zum marokkanischen Atlas-Gebirge und Anatolien. Ursprünglich kamen Forellen überall dort vor, wo das Wasser kühl und sauerstoffreich war und es saubere Kiesböden zum Laichen gab. Solche Bedingungen gibt es zwar noch immer in zahlreichen Gewässern, aber menschliche Eingriffe haben den natürlichen Lebensraum der Forellen vielerorts stark beeinträchtigt oder gar zerstört.

Forellenarten

Salmo trutta ist eine Spezies mit mehreren Gesichtern. Da gibt es zunächst die allseits bekannte Bachforelle, S. trutta fario, mit ihren hübschen roten Tupfen und ihrem meist bronzefarbenen Schuppenkleid. In vielen Küstenregionen Europas treffen Angler zudem auf die silberne Meerforelle, S. trutta trutta, die praktisch so groß wie der Lachs werden kann und für Laien auch kaum von diesem zu unterscheiden ist. Größere Bergseen dagegen sind die Heimat der Seeforelle, S. trutta lacustris. Sie erreicht ebenfalls stattliche Ausmaße, der Schweizer Rekord liegt bei 15,6 Kilo.

Diesen Unterschieden zum Trotz: Wissenschaftlich gesehen handelt es sich bei den drei beschriebenen Formen lediglich um so genannte Ökotypen ein und derselben Art. Wachstum und Aussehen werden von den Lebensbedingungen bestimmt. Aber was ist der Ursprung dieser Vielfalt? Warum besiedelt die Forelle so verschiedenartige Gewässertypen?

Zum Laichen auf Wanderschaft

Es ist wahrscheinlich eine Frage des Nahrungsangebots. Die Forelle und ihre Verwandten aus der Familie Salmonidae entstammen vermutlich den Oberläufen von Flüssen. Dort gibt es jenes klare, kalte Wasser, welches die Tiere brauchen. Diese Reviere haben jedoch auch ihre Nachteile. In den schmalen, flachen Fließgewässern ist der Raum eng bemessen und Nährstoffe sind meist Mangelware. Kein Platz für große Fische oder dichte Populationen. Die Folge: Auswanderung. Die Ur-Forellen und Ur-Lachse suchten ihr Glück in anderen Gefilden, zogen stromabwärts und erreichten schließlich das Meer. Im Salzwasser war der Tisch reich gedeckt – beste Voraussetzungen für ein schnelles Wachstum. Nur fortpflanzen konnten sich die Emigranten nicht im marinen Milieu, dazu mussten sie in ihre Heimat zurückkehren. So entstanden die Laichwanderungen von Lachs & Co.

Die Migration der Salmoniden hat sich als Erfolgsstrategie erwiesen, seit vielen Jahrmillionen bewährt. Bis heute ziehen alljährlich zahllose junge Europäische Forellen von ihrem Geburtsort weg und wandern in die Ostsee, den Atlantik oder die Nordsee. Diese Meerforellen kehren nach anderthalb bis drei Jahren zurück und paaren sich in Flüssen und Bächen, in der Regel genau dort, wo sie selbst zur Welt kamen. Oft jedoch lebt im selben Gewässer eine Population standorttreuer Bachforellen. Zwischen beiden Gruppen gibt es keine genetischen Schranken, sie können sich problemlos miteinander kreuzen. Die Flexibilität geht sogar noch weiter. Bachforellen wandern manchmal ins Meer ab, einzelne junge Meerforellen bleiben dagegen zuhause oder sie schwimmen nie weiter als bis zu den Flussmündungen. Variabilität ist für Salmo trutta offenbar Trumpf.

Bei den Seeforellen verhält es sich im Prinzip so wie bei ihren salzwasserliebenden Artgenossen: Sie ziehen in die Weite, wo das üppigere Futterangebot lockt. Auch in den großen Seen finden sie allerdings nur selten geeignete Laichplätze, also kehren diese Fische ebenfalls in ihre Geburtsgewässer zurück. Seeforellen aus dem Bodensee zum Beispiel wandern zur Fortpflanzung hauptsächlich den Alpenrhein hinauf, die aus dem Lago Maggiore unter anderem den Ticino.

Sauberes Wasser, aber verschlammte Böden

Die Mobilität der Forellen und ihr Bedürfnis nach sauberen Kiesböden zur Eiablage kann den Tieren leider auch zum Verhängnis werden – wenn der Mensch eingreift. Bis vor gut zwei Jahrzehnten stellte die Wasserverschmutzung die größte Bedrohung für Salmo trutta dar, heute sind es die Uferbegradigungen und vor allem die zahllosen Stauwehre. Letztere blockieren nicht nur die Wanderwege, sondern bremsen über weite Strecken hinweg auch die Fließgeschwindigkeit des Wassers. Dadurch verschlammt der Boden zusehends. Forellen und einige andere Fischarten vergraben ihren Laich im feinkörnigen Kies. Dort sind die Eier während ihrer Entwicklung vor Fressfeinden geschützt, werden aber vom durchfliessenden Wasser dennoch mit ausreichend Sauerstoff versorgt. Schlammablagerung dagegen lässt sie ersticken.

Die Wasserqualität hat sich in weiten Teilen Europas seit Ende der Achtziger erheblich verbessert, aber hinsichtlich ihrer Struktur befinden sich viele Fließgewässer noch immer in einem besorgniserregenden Zustand, vor allem in Deutschland. Hierzulande hat die Regulierungswut besonders schwere Spuren hinterlassen, und der Bau von Wasserkraftanlagen leider ebenfalls. Die Folgen: Dämme, Wehre und kanalisierte Ufer überall, und viel zu wenig gut konstruierte Fischtreppen. Für Forellen ein Alptraum.

Darf man Forellen überhaupt noch angeln?

Ohne natürliche Uferstrukturen fehlen den Forellen Schlupfwinkel, und auch das Nahrungsangebot sinkt. Zudem finden die Tiere kaum noch geeignete Laichplätze, oder sie können nicht mehr dorthin gelangen. Angesichts solcher Umstände verwundert es kaum, dass die Forellenpopulationen vielerorts nur durch Besatzmaßnahmen aufrecht erhalten werden. Man setzt künstlich vermehrte Fische aus und täuscht so praktisch einen gesunden Bestand vor. Mancher Angler mag sich damit zufrieden geben, doch eigentlich ist dies ein inakzeptabler Zustand.

Dort wo der Fortbestand der Population durch künstlichen Besatz gesichert wird, stellt sich die Frage, ob man überhaupt noch Forellen angeln sollte, natürlich nicht. In anderen Forellengewässern dagegen gibt es strenge Regulierungen. Auch hier ist aus ökologischer Sicht nichts gegen den Fang einzuwenden, solange Fangquoten, Schonzeiten und Mindestmaß eingehalten werden.

Trotzdem: Die Forelle steht auf der Roten Liste und das leider zu Recht. Laut EU-Vorschriften sollten sämtliche Flüsse, Bäche und Ströme bis 2015 in einem ökologisch „guten Zustand“ sein, aber diesbezüglich geschieht viel zu wenig viel zu langsam. Naturschützer und Petrijünger müssen gemeinsam Druck auf die Politik ausüben, damit Salmo trutta und andere Fischarten endlich wieder natürliche Lebensräume vorfinden. Es ist an der Zeit.

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