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Dr. Karl Gabl: Bergsteiger vertrauen auf seine Wettervorhersage

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Der Mann hinter Messner, den Huberbaum & Co: Wetterpapst Dr. Karl Gabl

22.05.2013, 11:25 Uhr | HP, KGK

 Dr. Karl Gabl: Bergsteiger vertrauen auf seine Wettervorhersage. Meteorologe Dr. Karl "Charly" Gabl. (Quelle: Dr. Karl Gabl)

Wettergott Karl "Charly" Gabl kennt die Berge nicht nur vom Schreibtisch aus, sondern ist selbst leidenschaftlicher Bergsteiger. (Quelle: Dr. Karl Gabl)

Er ist der Mann hinter den Großen des Extremberg- steigens! Ob die Huberbuam, Gerlinde Kaltenbrunner und Ralf Dujmovits oder Reinhold Messner: Sie alle vertrauten bei ihren Unternehmungen auf Dr. Karl Gabl. 2011 ging die Wetterikone in den Ruhestand - und wurde von den Profi- Alpinisten nur ungern ‚entlassen’. Mit trax.de sprach Charly im Interview über das „Leben danach“, seine beruflichen Highlights... und natürlich über das (Berg-)Wetter. Sehen Sie den Mann, dessen Wettervorhersage die Bergsteiger vertrauen, Dr. Karl "Charly" Gabl, in unserer Foto-Show.

Der Meteorologe, von seinen Freunden Charly genannt, war Leiter der Regionalstelle der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Innsbruck und galt bis zu seiner Pensionierung als erster Ansprechpartner für die Bergsteigerszene. Zu seinem Erfolg hat sicherlich auch beigetragen, dass Gabl selbst leidenschaftlicher Bergsteiger ist und dadurch ein ausgeprägtes Gespür für die alpinen Besonderheiten hat.

Wie funktionieren Ihre Prognosen, wie kann man sich das vorstellen?

Wenn jemand eine Prognose braucht, ruft er mich an. Dann muss ich wissen, wie es derzeit aussieht. Wie kalt es beispielsweise dort ist, schneit es gerade? Denn im Himalaja gibt es ja keine Stationen, die alle paar Stunden Wettermeldungen abgeben. Satelliten, Wetterballone, Wetterkarten und der regionale Wetterbericht helfen bei der Einschätzung der Bedingungen. Wenn das dann mit den Modellergebnissen übereinstimmt, ist das gut. Wenn das Modell schon am Anfang nicht stimmt, dann ist auch die Simulation danach oft schwierig.

Anschließend schaue ich in den verschiedenen Modellen, wie sich der Wind, die Bewölkung und die Niederschlagszonen entwickeln. Die Wetterfronten sieht man sehr schwer. Man kann nicht den Qualitätsstandard erheben, den man hier in Mitteleuropa hat. Wichtig sind beim Höhenbergsteigen zunächst der Wind und die Niederschlagstätigkeit. Und die sehe ich im Modell eigentlich recht gut. Der Wetterbericht ist ein Baustein und da muss man beobachten, ob der auch zutrifft. 

Sie wollten erst dann in den Ruhestand gehen, wenn Gerlinde Kaltenbrunner alle 14 Achttausender geschafft hat?

Ja, das habe ich immer gesagt und so war es auch. Ich habe Gerlinde über neun Jahre begleitet und es war für sie schon der siebte Versuch am K2. Ich war immer dabei: Zum Beispiel als die Gruppe umkehren musste, weil sie bis zum Bauch im Schnee steckten, als das Weitergehen unmöglich war, weil der Wind zu stark war... und als 2010 ihr Begleiter Frederik Ericsson abstürzte. 

2011 hat sie es endlich geschafft. Da sind die Emotionen in mir hochgekommen, weil ich dabei sein durfte, als die Gerlinde am Ziel ihrer Träume angekommen war. Das war eines der aufregendsten, aber auch aufreibendsten Erlebnisse meiner Karriere. 

Ich habe 2011 aufgrund der Modellaussagen eine Fehlprognose gemacht. Beim Aufstieg hat das Modell 3-5 Zentimeter Schnee gezeigt, aber dann hat Ralf (Gerlinde Kaltenbrunners Ehemann und Begleiter auf der Besteigung) angerufen und gesagt, dass sie fast 30 Zentimeter Neuschnee haben. Natürlich war mir klar: Das sind 30 Zentimeter mehr zum Spuren, 30 Zentimeter mehr für eventuelle Lawinenabgänge...

Ein Modell ist eben nur ein Modell, aber es ist besser, einen Bericht zu haben als gar nichts zu wissen. Wenn das Wetter von der Prognose abweicht, dann müssen die Leute vor Ort die Entscheidung treffen. Für 300 Höhenmeter hat das Team dann unglaubliche 13 Stunden gebraucht. Ich habe alle zwei Stunden mit Ralf telefoniert, der bereits umgekehrt war. Die restliche Gruppe bahnte sich ohne ihn den Weg. Man weiß vom Schreibtisch aus nicht, wie die Verhältnisse sind. Das ist dann schon eine Belastung. Und dann stand Gerlinde am Gipfel, circa eine Viertelstunde vor den anderen und hat mit ihrem Walkie Talkie erst Ralf verständigt, der mich dann anschließend rasch mit dem Satellitentelefon informierte. 

War das die Expedition, als Sie Gerlinde Kaltenbrunner um ihre Gesichtscreme gebeten haben, weil sie sogar am Gipfel noch so frisch aussah?

(Lacht) Nein, das war am Everest! Die Falten sind aber durch die Creme nicht weggegangen. Die habe ich schon sehr lange. Da hab ich schon ein Copyright drauf. Man muss eigentlich neben jedes Foto eine Sprechblase machen mit CR... 

Ende 2011 sind Sie in den Ruhestand gegangen – mit dem Ziel viel zu sehen und viel zu genießen. Ist die Rechnung aufgegangen?

Auf jeden Fall. Im Oktober 2012 habe ich den Daulaghiri 7 bestiegen. Der ist 7246 Meter hoch. Außerdem war ich wegen Schneelasten für das Normungsinstitut in Montenegro – da möchte ich noch einmal hin. Und in den Kaukasus... Zudem habe ich ein paar Ziele in den Alpen. 

Beraten Sie weiterhin enge Freunde wie Gerlinde Kaltenbrunner, Simone Moro et cetera? 

Ja, ich mache jetzt deutlich weniger Beratungen, aber ich mache sie noch. Zum Beispiel die Huberbuam als sie letzten Sommer die Südwand des Mount Asgard in Baffin Island (Huberbuam am Mount Asgard hier im Video) geklettert sind. 

Also mehr ein (Un-)Ruhestand?

Nein, es ist schon ruhiger geworden. Aber wenn ich nicht gerade ein Buch schreiben würde, wäre es tatsächlich ein schöner Ruhestand. Ich sitze nämlich im Moment an einer praktischen Wetteranleitung für Bergsteiger. Arbeitsmäßig eine echte Herausforderung für mich. Man muss so viel recherchieren, schließlich soll es dem Leser einen Mehrwert geben. Es ist spannend, aber es ist auch mühsam. Ich rekonstruiere beispielsweise auch den Mallory-Unfall am Everest 1924 nach. Und dann habe ich Internetadressen und Apps gesammelt, die dem Bergsteiger bei der Planung der Tour helfen. 

Außerdem bin ich weiterhin Präsident des österreichischen Kuratoriums für alpine Sicherheit. Die Bekämpfung der Kriminalisierung des Bergsteigens ist uns ein Anliegen und wir versuchen auch auf die verschiedenen alpinen Gefahren und Unfälle hinzuweisen. Prävention also. 

Welche Rolle spielt das Wetter für die Tourenplanung?

Der allgemeine Wetterbericht hilft im Alltag. Aber da sieht man oft nur die Symbole, keine Wetterkarten, nur noch Sonne, Wolken, et cetera. Das ist meiner Meinung nach ein gewaltiger Rückschritt, eine Verkindlichung des Wetters. Kindergarten-Niveau. Für den Weg zum Büro reicht das, aber nicht zum Bergsteigen. 

Und man muss seine Ziele an das Wetter anpassen. Eine Tour kann man immer machen. Man kann auch mit dem Regenschirm ganz gemütlich auf einem breiteren Weg auf eine Schutzhütte spazieren. Der Zeitplan und die richtige Einschätzung des Wetters gehören genauso zur Tourenplanung wie die Schwierigkeit. Wann muss ich wo sein, damit ich wieder sicher ins Tal komme? Kommt was dazwischen und braucht man zu lange, steckt man im Dilemma und im Wetterinferno. Wenn man am Everest erst um 14 Uhr beim Hillary Step ist, ist man zu spät dran und muss umdrehen. Das hat man früher so gemacht. Jetzt wird man sich wahrscheinlich nicht mehr so dran halten. 

Den Gipfel „auf Teufel komm raus“ zu bezwingen, ist das ein Problem unserer Gesellschaft?

Nicht bei den Profis. Aber bei kommerziellen Expeditionen schon. Bei einem Achttausender hat man zwei Gipfelversuche, wenn man sechs Wochen unterwegs ist. Gerade beim Höhenbergsteigen ist ja das Problem, dass die Psyche und der Wille stärker sind als die körperliche Leistungsfähigkeit. Wenn man zum Beispiel aus Polen anreist, dann geht man am Sonntag den Großglockner, das ist eben so, denn am Montag muss man ja wieder auf der Arbeit sein. 

1987 haben Sie den "Alpenvereinswetterbericht" mit ins Leben gerufen...

Ja, da war ich der Initiator. Mittlerweile hat sich viel geändert. Ganz am Anfang gab es noch kein Internet, aber die telefonische Beratung – und die war hervorragend. Da haben schon immer exzellente Leute beraten. Doch wegen der Kapazität war der Zugang etwas limitiert. Dort saß nur eine Person, halbtägig, es gab also nur eine Telefonleitung, eine telefonische Beratung. Dann habe ich den Telefonbanddienst ins Leben gerufen. Aber heutzutage schaut jeder ins Internet. Da ist die Info viel besser. Wenn ich nach Chamonix fahre, hole ich mir den Wetterbericht direkt aus Chamonix für den Mont Blanc, auch der Schweizer Wetterbericht ist hervorragend. 

Dennoch: Gerlinde Kaltenbrunner, die Huberbuam und so weiter haben auf SIE vertraut auch als Person. Gibt es da einen „neuen Charly Gabl“? Einen Nachfolger?

Was in Zukunft passiert, das wird sich herauskristallisieren. Wir haben tolle Privatfirmen, zum Beispiel in der Schweiz, die haben auch eine ganz ausgezeichnete Internetseite fürs Expeditionsbergsteigen. 

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