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Borneo, das bedrohte Paradies: Kann der Tourismus die Insel retten?

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Borneo, das bedrohte Paradies  

Kann der Tourismus die Insel retten?

29.11.2013, 12:32 Uhr | Anne Jäger

Borneo, das bedrohte Paradies: Kann der Tourismus die Insel retten?. Während der Fütterung lassen sich auch die besonders herzerweichenden Orang-Utan-Kinder blicken. (Quelle: A. Jäger)

Während der Fütterung lassen sich auch die besonders herzerweichenden Orang-Utan-Kinder blicken. (Quelle: A. Jäger)

Im Herzen Kalimantans, dem indonesischen Teil Borneos, liegt der Tanjung Puting Nationalpark. Hier können Abenteuerlustige und Weltenbummler eine der sicherlich außergewöhnlichsten Reisen unternehmen: Auf einem traditionellen, indonesischem Hausboot, einem Klotok, geht es durch dichten Dschungel und dampfende Sümpfe zu den "Menschen des Waldes", den Orang-Utans. Eindrücke dieser spannenden Reise sehen Sie auch in unserer Foto-Show.

Borneo ist mit rund 736.000 Quadratkilometern nicht nur die drittgrößte Insel der Welt, es zählt mit seinem tropischen Regenwald, der klimaschädliches Kohlenstoffdioxid speichert und Sauerstoff produziert, auch zur Lunge der Erde. Doch die Insel ist nicht nur mit einer faszinierenden Landschaft gesegnet, sondern auch reich an Bodenschätzen: Erdgas und -öl, Gold und auch Palmöl werden hier gewonnen. Doch dieser Reichtum ist Segen und Fluch zugleich, denn nicht selten müssen Flora und Fauna dem wirtschaftlichen Erfolg des Landes weichen. Eine letzte Hoffnung der betroffenen Menschen: Den Tourismus so ausbauen, dass er wichtiger wird, vielleicht sogar mehr Profit einbringt als der Raubbau an der Natur. Eine solche Möglichkeit bietet "Trans Borneo Adventures". Der Tourenveranstalter schickt abenteuerwillige Touristen mit einem traditionellen Hausboot auf Reisen und bringt sie ganz nah an die bedrohten Orang-Utans.

Eine Begegnung mit Gondol, dem respekteinflößenden Waisen

Nur einen Meter breit ist der Trampelpfad, der mitten durch den Dschungel des Nationalparks Tanjung Puting führt. Ringsherum Wildnis. Abseits des Weges geht der eigene Blick nur wenige Schritte weit, bis er sich im dichten Geäst verirrt. Touristen müssen sich darauf verlassen, dass Guide Joe Bowo weiß, wo es lang geht. Das Ziel ist Tanjung Harapan, eine Auswilderungsstation für semi-wilde Orang-Utans. Solche, die in Gefangenschaft als Haustier und Statussymbol für den Besitzer aufgewachsen sind, bevor sie hier her kamen. Die Fütterung ist die beste Möglichkeit, die Menschenaffen aus nächster Nähe zu beobachten und genau zu dieser führt Joe seine Gruppe.

Plötzlich versperrt ein großer, rot-brauner Menschenaffe den Weg. Er wartet ebenso auf die Fütterung wie die neugierigen Touris. "Das ist Gondol," erklärt Joe. Der Orang-Utan sei 22 Jahre alt, Waise, seine Eltern wahrscheinlich umgebracht, erzählt Joe weiter. Gondol ist semi-wild, wie alle Menschenaffen hier. Sie haben sich an den Menschen gewöhnt, doch trotzdem sind sie nicht berechenbar. Und dieser Gedanke lässt einem in Gegenwart der bis zu 100 Kilo schweren Männchen eine gewisse Ehrfurcht durch Mark und Bein fließen. Joe erkennt Gondol an seinem Gang und seinem Gesicht, denn der Waise trägt eine Narbe am Mundwinkel.

Auf Tuchfühlung mit den "Menschen des Waldes"

Während der Fütterung lassen sich neben Gondol noch viele weitere Orang-Utans blicken, Männchen, Weibchen und auch die besonders herzerweichenden Orang-Utan-Kinder. Stundenlang könnte man diesem tierischen Schauspiel zusehen. Ein Affenbaby zieht heimlich einen erwachsenen, männlichen Orang-Utan am Fell und versteckt sich dann in den schützenden Armen seiner Mutter. Das Verhalten der zotteligen Affen erinnert auf eine merkwürdig bekannte Weise an die eine oder andere Situation, die man vielleicht selbst schon erlebt hat. Kein Wunder, denn die Orang-Utans gehören mit einer zu 97 Prozent identischen DNA zu unseren nächsten Verwandten.

Weiter geht es mit Klotok "Mama 4", einem traditionellen indonesischen Hausboot, den Kumai River flussaufwärts. Bei 16 Kilometern pro Stunde Maximalgeschwindigkeit, kann man sich nicht nur einen angenehmen Fahrtwind um die Nase wehen lassen, sondern weiterhin wilde Affen am Flussufer und ab und an auch ein Krokodil entdecken. Weitere Anlaufstationen sind Pondok Tanggui, wo Besucher den Tieren ebenfalls bei der Fütterung zusehen können und Camp Leakey, das 1971 von Birutė Galdikas gegründet wurde. Galdikas gilt als Koryphäe in der Verhaltensforschung der Orang-Utans von Borneo.

Natur versus Wirtschaft

In einer Flussabzweigung verändert sich schlagartig die Farbe des Wassers. Statt milchig-braun wird es plötzlich dunkelbraun bis fast schwarz. "Das ist die natürliche Farbe des Flusses", erklärt Guide Joe, "das Schwarz stammt vom Humus, der Erde." Das Flusswasser zuvor verdankt seine Trübung einer Goldmine, die rund drei Stunden entfernt vom Nationalpark liegt. Hier wird das Gold mit Chemikalien wie Quecksilber ausgewaschen, das Abwasser landet im Fluss. Der Fluss fließt durch den Nationalpark und die Affen wiederum trinken daraus. Dass das nicht gesund sein kann, ist logisch. Den Nationalpark unterstützen und gleichzeitig die Goldmine weiter betreiben "macht keinen Sinn," schlussfolgert Guide Joe. Seine persönliche Meinung: "Mir ist der Wald wichtiger als Geld." Seit mehr als 26 Jahren lebt der heute 47-Jährige auf Kalimantan, vor seiner Arbeit als Guide war er als Ranger tätig und noch stärker mit Flora und Fauna des Regenwaldes verbunden.

"Die Wirtschaft geht leider vor", erklärt Joko Purwanto, Direktor des Tourenveranstalters "Trans Borneo Adventures". Mit der Wirtschaft meint er den Profit, den die Goldmine abwirft. Seine Hoffnung: Dass mehr und mehr Touristen den Nationalpark besuchen und der Umweltschutz auf diesem Weg eine wichtigere Bedeutung für die indonesische Regierung einnimmt.

Weitere Informationen:

Unterstützung für die Orang-Utans: Die Borneo Orangutan Survival Foundation (BOS) ist eine indonesische Stiftung und Nichtregierungsorganisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, zusammen mit der indonesischen Bevölkerung die letzten Orang-Utans und ihren Lebensraum zu schützen. Weitere Infos unter www.bos-deutschland.de.
Tourenbeispiel: Mit "Trans Borneo Adventures" drei Tage und zwei Nächte auf dem Klotok, inklusive Guide, Verpflegung und Eintrittsgeldern kostet umgerechnet rund 315 Euro pro person bei einer Mindestbelegung von zwei Personen. Weitere Tourenbeispiele unter www.borneo-indonesia.com.
Anreise: Zum Beispiel mit Singapore Airlines (www.singaporeair.com) aus Frankfurt über Singapur nach Jakarta (Hin- und Rückflug ab 939 Euro) und von dort weiter mit Garuda Indonesia (www.garuda-indonesia.com).
Reisezeit: Juli und August eignen sich für eine Reise nach Kalimantan am besten.
Währung: Die Währung in Indonesien ist die Indonesische Rupiah (IDR), ein Euro entspricht dabei 15.399 Rupiah (Stand November 2013).
Fremdenverkehrsamt: Infos unter www.tourismus-indonesien.de

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