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Der Wilpena Pound: Aborigine führt durch die Wildnis Australiens

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Mit einem Aborigine durch die Wildnis Australiens

13.08.2012, 16:53 Uhr | Karsten-Thilo Raab, SRT, srt

Der Wilpena Pound: Aborigine führt durch die Wildnis Australiens. Ein Flug über den Wilpena Pound zeigt die endlose Schönheit der Landschaft. (Quelle: SRT /South Australian Tourism)

Ein Flug über den Wilpena Pound zeigt die endlose Schönheit der Landschaft. (Quelle: South Australian Tourism/SRT )

Ein erloschener Vulkan? Nein. Der Wilpena Pound gehört zu den spektakulärsten Landschaften Südaustraliens und ist entstanden als sich die Erde vor geraumer Zeit abgesenkt hat. Seitdem ist dort die Zeit wie stehengeblieben. Am besten erkundet man sie an der Seite eines Aborigine, der erklärt, wie man am besten in der Wildnis überlebt. Und zwar mit Ameisen und Maden als kleinen Snack zwischendurch und Nüssen gegen die starke Sonneneinstrahlung. Sehen Sie die spektakulären Bilder auch in unserer Foto-Show.

Ein natürliches Amphitheater

Ein seltsames Ding erhebt sich da. Steinern. Majestätisch. Ein wenig bizarr und gigantisch groß. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein erloschener Vulkan mit riesigem Krater. Ein Krater, umgeben von hoch aufragenden Gipfeln. Das ist es also, das bekannteste Naturdenkmal Südaustraliens. Mitten in der schroffen Gebirgslandschaft der Flinders Ranges erstreckt sich der Wilpena Pound über eine Länge von 17 mal sieben Kilometer. Umrahmt wird er von einer riesigen Wanne von Bergketten, bis zu 1170 Meter hoch ragen sie auf. Und doch ist in diesem natürlichen Amphitheater nicht alles so, wie es auf Anhieb wirkt.

Eine riesige Untertasse

"Nein, das ist kein Vulkan", lacht Haydyn Bromley. Und er muss es wissen. Schließlich ist er ein Adnyamathanha. Sein Aborigines-Stamm lebt seit 45.000 Jahren im Gebiet der Flinders Ranges. Der Name bedeutet übersetzt etwa so viel wie Felsenmenschen. Haydyn Bromley trägt Wanderschuhe, Shorts, ein Polohemd und eine Schirmmütze und sieht damit gar nicht aus, wie man sich einen Nachfahren der australischen Ureinwohner so vorstellt. "Der Wilpena Pound ist eine sogenannte Geo-Synklinale, also ein Art Senkungsraum der Erdkruste, der vor 1,6 Milliarden Jahren entstanden ist", erläutert Haydyn fachmännisch. Ein Blick auf die uralten Gesteinsformationen macht schnell klar, warum die Aborigines die Flinders Ranges gerne als "Land, das die Zeit vergessen hat", bezeichnen. Inmitten des kargen, faszinierenden Nationalparks aus roter Erde, trockenen Flussbetten und Eukalyptusbäumen wirkt der Wilpena Pound wie eine überdimensionierte Untertasse mit Erosionsschäden.

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Versammlungsplatz seltener Tierarten

Seine inneren Wände sind mit üppiger Vegetation ausgestattet, wie sie sonst nur viel weiter im Süden Australiens vorkommt. Möglich machen das die geschützte Lage und das mildere Klima im Inneren des kraterähnlichen Gebildes. Hier haben farbenprächtige Papageien, Kängurus, Emus und Australiens größte Raubvögel, die Keilschwanzadler, ihr Zuhause. Und in den engen Schluchten tummeln sich die scheuen, nachtaktiven Gelbfuß-Felsenkängurus. Die Adnyamathanha nennen den Wilpena Pound schlicht "Ikara", was so viel wie Versammlungsplatz bedeutet. Gemäß ihrer Mythologie wurde er von zwei riesigen Akurra-Schlangen geformt, deren Leiber noch heute die Felswände des Kessels bilden. "Geschichten wie diese sind ein wichtiger Teil unserer Kultur. Doch die ist leider akut gefährdet", berichtet Haydyn und fährt fort: "Viele Adnyamathanha haben die traditionelle Lebensweise aufgegeben. Und so ist auch die Erzählkultur mehr und mehr in Vergessenheit geraten."

Die heiligen Stätten der Aborigines

Mit seinen Führungen bemüht er sich, die Kluft zwischen Aborigines und Weißen zu verkleinern und das Verständnis für die jeweils andere Kultur zu fördern. Daher scheut er sich auch nicht, Touristen zu den Geburtsstätten seines Stamms zu führen. Außerdem zeigt er ihnen hier, rund 450 Kilometer nördlich von Adelaide, Höhlenmalereien aus den Generationen seiner Vorfahren und verrät seinen Gästen, wie man in der Wildnis überleben kann. "Einige meiner Stammesbrüder sind vehement dagegen, dass wir den Weißen unsere heiligen Stätten zeigen", macht Haydyn keinen Hehl daraus, dass seine Touren nicht bei allen Mitgliedern seines Stammes auf Begeisterung stoßen. Er sieht das anders: "Die Höhlenmalereien und die Geschichten aus der Traumzeit sind Teil unserer Kultur. Wenn wir die nicht weitergeben, dann werden die Ideen dahinter für immer verschwinden", ist er überzeugt.

Der Anfang eines langen Entwicklungsprozess

"Zwei Generationen zurück kannten wir Aborigines keine Plastikflaschen, Teebeutel, Dosen oder Verpackungen", erinnert sich Haydyn auf der Tour mit seinen Gästen an längst vergangene Zeiten. Damals war es alles andere als einfach, mit simplen Mitteln in der bisweilen harschen Natur zu überleben. Zudem brachte die voranschreitende Integration viele Probleme mit sich. "Meine Vorfahren haben zwar dankbar die Erleichterungen der Nahrungsbeschaffung angenommen. Den Unrat warfen sie aber vielfach einfach in den Wald oder Busch", ist Haydyn überzeugt, mit seinen Stammesbrüdern erst am Anfang eines langen Entwicklungsprozesses zu stehen. Gleichwohl will er sicherstellen, dass vieles von dem, was seine Väter und Vorväter praktizierten und vorlebten, auch für künftige Generationen nicht verloren geht. Dazu gehört auch das Wissen darüber, wie in der Wildnis überlebt werden kann.

Maden und Ameisen als Snack zwischendurch

Schon dreht sich Haydyn um und pflückt ein paar Blätter des Soap Bush. Er zerquetscht das Laub in den Händen und zeigt, wie mit ein paar Tropfen Wasser ein Seifenschaum für die Körperhygiene hergestellt werden kann. Als kleine Stärkung dienen ihm ein paar Minuten später fette, weiße Maden, die sich im Stamm des Grass Tree finden lassen. Höflich bietet Haydyn etwas von dem eiweißhaltigen Leckerbissen an. Doch alle lehnen dankend ab. Als ein weiterer kleiner Snack zwischendurch müssen kurz darauf grüne Ameisen herhalten. Die sind besonders reich an Vitamin C, schmecken nach Zitrone und werden gerne gegen Erkältung eingesetzt, fördern aber auch den Milcheinschuss bei jungen Müttern. Etwas gewöhnungsbedürftig ist der Griff in die Ameisenstraße auf dem Ast. Noch mehr Überwindung kostet das Zerquetschen der Insekten mit den bloßen Fingern, ganz zu schweigen von dem Moment, wenn der Ameisenklumpen in den Mund gesteckt wird.

Sonnencreme aus Nüssen

Beim folgenden Stopp demonstriert Haydyn, wie mit einem Stück Hartholz und einem Stein Feuer gemacht werden kann. Das nächste Pflanzenwunder, das er den verblüfften Hobby-Naturkundlern in seinem Schlepptau vorstellt, sind ein paar Nüsse, aus denen sich mit wenigen Handgriffen eine Sonnencreme zaubern lässt. Dann fällt der Blick auf ein mächtiges, drei, vielleicht sogar vier Meter großes Spinnennetz, in dessen Mitte eine fette Goldene Seidenspinne thront.
"Früher haben die Aborigines die Spinnen getötet, die Netze eingerollt und daraus Fischfangnetze geflochten", erläutert Haydyn mit Blick auf die extrem hohe Reißfestigkeit der Spinnweben, während er unvermutet stehen bleibt. Er greift nach einem Blatt an einem Busch und träufelt etwas Wasser aus seiner Trinkflasche darauf. Dann kniet er sich nieder und reicht einer kleinen Echse eine willkommene Erfrischung.

Zeichnungen aus einer längst vergangenen Zeit

Nun folgt der Höhepunkt der Tour: Die Wände des Arkaroo Rock und an der Moonarie Gap sind mit Felsenmalereien der Aborigines verziert. Einige zeigen Reptilien und menschenähnliche Figuren, andere Vogelspuren, schlangenartige Linien und blattförmige Darstellungen in roten, gelben, weißen und schwarzen Pigmentfarben. Im Sacred Canyon, einer engen Schlucht, die in den Wilpena Pound mündet, finden sich weitere, eher abstrakte Felsritzungen. Die Zeichnungen zeugen von einem Leben aus längst vergangenen Zeiten. Doch dieses Leben hat sich massiv gewandelt. Nicht nur im Flinders Range Nationalpark stehen die australischen Ureinwohner vor einem schwierigen Spagat: Einerseits wollen sie Teil der Welt von heute sein, auf der anderen Seite ihre Kultur und Tradition erhalten. Menschen wie Haydyn Bromley tragen das Ihre dazu bei.

Weitere Informationen:

Südaustralien: Unter www.southaustralia.com/de erfährt man Näheres über die touristischen Highlights des australischen Bundesstaats. Von den 1,5 Millionen Einwohnern Südaustraliens leben rund eine Million in der Hauptstadt Adelaide.
Nationalpark Flinders Ranges: Touren mit Haydyn Bromley können unter Tel. 00618/8285/5033, per Mail unter info@banksia-adventures.com.au oder online unter www.bookabee.com.au reserviert werden.
Tipp: In Port Augusta empfiehlt sich ein Besuch des Wadlata Outback Centre, das einen Einblick in Aborigine-Mythologien, die Besiedlung durch die Europäer, Geologie und Bergbau gewährt. Auch der Royal Flying Doctor Service hat seinen Hauptstützpunkt in Port Augusta. Die Zentrale der fliegenden Ärzte kann wochentags besichtigt werden.

(Erstmals veröffentlicht am 13. August 2012)


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