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Ölpreise im Keller - sinken die Flugpreise?

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Ölpreis im Keller  

Sinken deswegen die Flugpreise?

23.12.2015, 13:04 Uhr | Tinga Horny/srt

Ölpreise im Keller - sinken die Flugpreise?. Betanken eines Airbus A321-231 der Lufthansa. (Quelle: dpa)

Betanken eines Airbus A321-231 der Lufthansa. (Quelle: dpa)

Niedriger Ölpreis, niedrige Flugpreise? "Abwarten", sagten die Fluglinien vor einem Jahr. Und jetzt heißt es: immer noch abwarten. Aber inzwischen halten andere Faktoren die Flugtarife in Schach.

Auf taube Ohren stieß der Bundesverband der Verbraucher, als er zu Anfang des Jahres die Airlines aufforderte, einen Teil der niedrigen Treibstoffkosten an die Passagiere weiterzugeben. Allenfalls Ende 2015 würden sich die günstigen Kerosinpreise auf die Tarife auswirken, hieß es unisono bei Lufthansa, Condor und Air Berlin. Fast ein Jahr später hat sich der Ölpreis um noch einmal zehn US-Dollar tiefer auf 40 US-Dollar pro Barrel eingependelt. Tendenz: eher fallend.

Profitieren die Fluggäste?

Aber bei der Frage, ob die Passagiere davon - wie einst angedeutet - davon profitieren, drehen die Fluglinien große Volten. Die Argumente, warum dies nicht so ist, sind immer noch die gleichen. Die Lufthansa rechnet geduldig vor, dass die Treibstoffkosten für 2015 bei 5,7 Milliarden Euro liegen, 2014 lagen sie noch bei 6,8 Milliarden Euro. "Aber damit liegen sie noch deutlich über den Kosten von vor fünf Jahren", sagt LH-Sprecher Boris Ogursky. 

Vor allem die Preissicherungsgeschäfte, Hedging, mit denen sich viele Unternehmen stabile Treibstoffpreise von bis zu einem Jahr sichern, werden angeführt, warum sich billige Energiekosten nicht sofort auf die Tarife niederschlagen. Hedging lohnt sich in Zeiten steigender Rohstoffpreise. Bei schnell fallenden Ölpreisen jedoch ist Hedging ein Verlustgeschäft, denn die Airlines muss Kerosin zu dem Preis abnehmen, den sie sich zu bestimmten Terminen gesichert hat. Die größte Fluglinie der Welt, American Airlines, hat dem Handelsblatt zufolge deswegen bereits 2014 das Hedging aufgegeben. Es wurde zu teuer. Die Konkurrenten Delta und United Airlines, die erst in diesem Jahr ihre Termingeschäfte reduzierten, haben Hunderte von Millionen US-Dollar durch Hedging verloren. 

Schwammige Aussagen der Airlines

In Europa gehen Airlines auf Nummer sicher. Bei der Thomas Cook Airlines, zu der auch Condor gehört, stammen dem Jahresbericht 2015 zufolge derzeit immer noch 91 Prozent des Treibstoffs aus Preissicherungsgeschäften und werden nur langsam auf 82 Prozent bis zum Winter 2016/17 gedrosselt. Zwar habe man durch die tiefen Ölpreise etwa 135 Millionen Euro gespart, aber die seien durch den teureren US-Dollar und nicht treibstoffbasierte Flugkosten "absorbiert" worden. Nur ein Teil wurde an die Passagiere weitergereicht, heißt es weiter in dem Bericht. Wie viel, darüber informiert er leider nicht. Bei Air Berlin argumentiert ein Sprecher so: "Wir nutzen jetzt die Arrangements (Hedging, Anm. d. Red.) vergangener Monate. Allerdings konterkariert die schwierige Lage im Währungsumfeld und der starke US Dollar diese Effekte." So viel bleibt klar: Wenn Flugtarife derzeit fallen, dann nicht nur wegen des niedrigen Ölpreises. 

Vor allem der scharfe Wettbewerb und die derzeitigen Weltkrisenherde sorgen dafür, dass die Airlines Preise zumindest nicht erhöhen können. Lufthansa gibt an, dass 2014 und 2015 die Passagiere im Schnitt 3,9 Prozent weniger je Ticket ausgegeben haben. Ein Blick in den Flugpreisindex des Bundesamtes für Statistik zeigt jedoch, dass die Flugtarife nicht flächendeckend gleichmäßig nachgeben, sondern immer etwas zeitverzögert regional schwanken und somit oft auch widerspiegeln, wo es kriselt oder boomt. 

Andere Gründe für sinkende Preise

So haben sich die Economy-Tarife in die Türkei seit 2010 um über 13 Prozent verbilligt. Die Flugpreise nach Ägypten haben sich nach dem arabischen Frühling erholt und legten stetig bis 2014 um 16,6 Prozent zu. 2015 jedoch sind die Preise eingebrochen, allein im November um 6,3 Prozent. Die Anschläge auf dem Sinai hinterlassen ihre Spuren. Dem Statistischen Bundesamt zufolge gehen auch die Flugraten nach Thailand zurück, besonders stark nach dem Anschlag im August. Economy-Flüge nach London jedoch haben sich in den letzten fünf Jahren um circa 30 Prozent, nach New York sogar um über 50 Prozent verteuert. 

Für die Preisentwicklung im nächsten Jahr geben die Fluggesellschaften nur ungern Prognosen ab. Tatsache ist jedoch, dass sie alle mächtig unter Druck stehen. Besonders die Billigflieger, allen voran Lufthansas Billig-Carrier Germanwings, konzentrieren ihren Kampf um Marktanteile auf populären Strecken. "In Verbindung mit den aktuell niedrigen Kerosinpreisen führt dieser Wettbewerb zu deutlichen Preisrückgängen", erklärt Peter Berster vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Passagiere können sich folglich sicher sein: Solange dieser Konkurrenzkampf in dieser Intensität stattfindet, bleiben also auch die Tarife günstig. 

Tipps: Flüge günstig buchen 

  • 1. Buchungszeitraum: Veranstalter belohnen Frühbucher mit Rabatten, wenn sie Monate im Voraus buchen. Bei Airlines aber lohnen sich lange Vorausbuchungen nicht. Allerdings: Je näher der Wunschtermin rückt, desto teurer wird der Tarif. Deshalb: Etwa drei Wochen vor dem Abreisetermin nach Schnäppchen suchen. 
  • 2. Wochentag: Wer flexibel ist, kann viel Geld sparen, wenn er nicht ausgerechnet zu Zeiten der Geschäftsreisenden unterwegs ist. Montagmorgen oder Donnerstagabend zum Beispiel. Am späten Samstagmorgen oder am Dienstagnachmittag sinken die Preise. 
  • 3. Abflugzeit: Die Sieben-Uhr-Flüge und die letzten zwei Abendflüge unter Woche sind innerdeutsch teuer wegen der Geschäftsreisenden. Aber um elf Uhr oder 14 Uhr fallen die Flugtarife, weil die Maschinen selten voll sind. Für Ferienziele lohnen dagegen Randzeiten wie frühmorgens oder spätabends. 
  • 4. Saison: Azyklisch reisen, ist ein Trick, den viele schon kennen. Er spart aber unverändert viel Geld. Also an alle ohne schulpflichtige Kinder oder Erwachsene, die keine Lehrer sind: Ferienzeiten vermeiden! 
  • 5. Flughafen: Flugtarife steigen zur Hochsaison, also Ferienzeiten. Deswegen: Flugpreise in benachbarten Bundesländern checken, wo keine Schulferien sind. 

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