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Lufthansa fliegt nicht mehr nach Venezuela

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"Geisterflughafen" Caracas  

Auch Lufthansa fliegt nicht mehr nach Venezuela

16.06.2016, 19:29 Uhr | Georg Ismar, dpa

Lufthansa fliegt nicht mehr nach Venezuela. Lufthansa fliegt ab 17. Juni nicht mehr nach Venezuela. (Quelle: dpa)

Einer der letzten Lufthansa-Flüge ist in Caracas gelandet. Ab 17. Juni fliegt die Airline nicht mehr nach Venezuela. (Quelle: dpa)

Jetzt gibt auch die Lufthansa auf. Ab 17. Juni stellt sie ihre Flüge nach Venezuela ein – wie schon viele Airlines zuvor. Der verwaiste internationale Flughafen "Simón Bolívar" ist ein Symbol für die dramatische Krise in dem Ölstaat. 

Beim Landeanflug auf Caracas fällt auf: Kein einziges Containerschiff liegt vor Anker, nur wenige Container stapeln sich im Hafen. Willkommen in Venezuela, im Land mit der höchsten Inflation und einer sozialistischen Regierung, die ihre Bevölkerung kaum noch ernähren kann. 

Am Gepäckband warten nur ein paar Dutzend Leute, Flug LH 534 ist gerade gelandet. "Vielleicht waren 40, 50 Personen an Bord", meint Mary Mujica. Sie und ihr Mann haben Venezuela schon vor einigen Jahren Richtung Spanien verlassen, nun wollen sie mitten in der Krise die Familie besuchen. Mit einem mulmigem Gefühl. Der Lufthansa-Pilot kommt vorbei, will aber lieber nichts sagen.  

Gespenstische Stimmung auf dem Flughafen

"Es traut sich kaum noch einer hierhin", sagt Mujica. Sie sind mit einem der letzten Lufthansa-Flüge nach Caracas gekommen. Die Stimmung am Flughafen ist fast schon gespenstisch. Drei Verkäufer des Duty-free-Shops drehen sich auf Drehstühlen um die eigene Achse und daddeln auf Handys herum. Kunden? Fehlanzeige. Bei zwei Autovermietern warten zwei Männer, die Koffer in Plastikfolien einwickeln, vergeblich auf Kundschaft. Der Tourismusschalter ist verwaist. Dafür gibt es viel Militär.

Lufthansa macht in Venezuela enorme Verluste 

Lufthansa stellt den Flugbetrieb vorerst ein, bietet aber Zubringerflüge mit den Partner-Airlines Avianca und Copa Airlines von Kolumbien und Panama an. 

Das Lufthansa-Büro in Caracas bleibt geöffnet. Das Unternehmen hofft auf einen Umschwung. "Die schwierige wirtschaftliche Lage und die fehlende Möglichkeit, lokale Währungsbestände in US-Dollar zu transferieren, haben zu diesem Schritt geführt", sagt Sprecher Thomas Jachnow.

Schuld ist ein abenteuerliches Wechselkurssystem. Der Staat legt die Kurse fest. Die sind aber viel niedriger als die Schwarzmarktkurse. So können Airlines zum Beispiel kaum Gelder erlösen mit Tickets, die in Bolívares verkauft werden - das Land leidet unter der höchsten Inflation weltweit. Lufthansa hat in Venezuela Forderungen im dreistelligen Millionenbereich offen.  

Immer mehr Airlines streichen Venezuela aus ihrem Netz

Auch die chilenisch-brasilianische Airline Latam wird ab August ihre Flüge nach Venezuela einstellen. Getan haben dies bereits unter anderem Alitalia, Gol (Brasilien) und Tame aus Ecuador. Da Einnahmen zum sehr schlechten Zentralbank-Kurs gewechselt werden müssen und Geldüberweisungen der Airlines wiederholt blockiert wurden, gibt es immer weniger Flüge. Touristen kommen fast keine mehr. Nach Angaben des Portals Aerotelegraph ist Venezuela mit 3,78 Milliarden Dollar an Außenständen bei Airlines weltweiter Spitzenreiter, gefolgt von Nigeria, dem Sudan und Ägypten. 

Es brodelt in Venezuela 

Am Einreise-Schalter empfängt ein überdimensionales Bild von Hugo Chávez, dem Begründer des "Sozialismus des 21. Jahrhunderts", die Ankommenden. Venezuela ist reich an Naturschätzen und Schönheitsköniginnen, und es verfügt über die größten Ölreserven der Welt. Doch das Sozialismusprojekt ist gescheitert, die Einnahmen aus dem Ölgeschäft sind weggebrochen. 

Die Opposition will den amtierenden Präsident Nicolás Maduro per Referendum schnellstmöglich absetzen lassen. Der hat daher den Ausnahmezustand verhängt. Viele fürchten eine Gewaltexplosion im Land. Caracas ist jetzt schon eine der gefährlichsten Städte der Welt. So wird die Ankunfttafel am Flughafen immer überschaubarer. 

"Viele wollen einfach nur noch weg"

Kurz vor dem Flug LH 534 ist ein Air-France-Flug aus Paris gelandet. Mit knapp 80 Leuten an Bord, wie eine Stewardess sagt. "Dafür ist die Maschine auf dem Rückweg rappelvoll", berichtet sie. "Weil viele einfach nur noch weg wollen."   

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