
19.02.2013, 11:33 Uhr | Markus Roman
Knapp unter der Wasseroberfläche zeichnet sich der verrostete alte Eisenkörper ab, die Bootsform ist noch klar erkennbar. Anderswo wäre das Wrack der "Sweepstakes" nur Schrott, doch im Fathom Five National Park in Kanada zieht es jedes Jahr viele Besucher an. Überhaupt gibt es weltweit einige Strände, an denen Schiffswracks ihre Geschichten erzählen. An vielen dieser Orte wurden die Wracks über die Jahre Teil der Landschaft, geben den ohnehin oft schon schönen Stränden und Buchten eine ganz besondere Note. Wir zeigen Ihnen auch in unserer Foto-Show faszinierende Wracks, die auch vom Land sichtbar sind.
Das Wrack der "Sweepstakes" ist schon deshalb etwas Besonderes, weil es nicht im Meer gesunken ist. Das Schiff liegt etwa sechs Meter tief unter der Wasseroberfläche des Huron-Sees in der Nähe des Hafens Tobermory in der kanadischen Provinz Ontario und ist ein beliebtes Ausflugsziel von Schnorchlern, Tauchern oder Tourbooten. Selbst vom Ufer kann man die Umrisse des Wracks unter Wasser erkennen, das schon 1885 versank. Trotz seinem Alter ist es recht gut erhalten und vermittelt ein Gefühl für die traditionellen Transportboote, die auf den Great Lakes kreuzten.
Die griechische Insel Zakynthos nennt nicht nur einige der schönsten Buchten Europas ihr eigen, auch ein besonders malerisches Wrack findet sich hier. In der Bucht Navagio (dt.: Schiffswrack) liegen die Überreste der "Panagiotis" inmitten türkisblauem Wasser und 100 Meter hoher Klippen. Die am häufigsten erzählte Geschichte des Wracks ist ebenso abenteuerlich wie der Anblick: 1980 sollte das Schiff Zigaretten und Schnaps schmuggeln, als es von der Griechischen Marine aufgebracht wurde und in stürmischem Wetter strandete. Die Crew floh, die Ladung blieb. Einheimische sollen das Wrack geplündert haben, für die nächsten vier Jahre wurden angeblich keine legalen Zigaretten auf der Insel verkauft. Es gibt allerdings auch eine unspektakuläre Version der Geschichte: Einige Ortsansässige glauben, das Tourismusministerium hätte das Wrack hier als Sehenswürdigkeit platziert. Egal, welche Version stimmt: Zur "Schmugglerbucht" zieht es jährlich tausende Schaulustige.
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Das Wrack eines echten Megaliners war lange Zeit vor der Küste Fuerteventuras zu sehen. Die 1940 erbaute "America" strandete 1994 vor der Playa de Garcey vor der Westküste der Insel. Bis 2005 ragte der Bug des 220 Meter langen Schiffs aus dem Wasser, bis die unbarmherzigen Gezeiten das Schiff Stück für Stück zerlegten. Heute sind zumindest bei Ebbe noch die Trümmer des früheren Kreuzfahrtschiffs zu erkennen. Masse statt Klasse gibt es dagegen etwas weiter südlich an der afrikanischen Küste Mauretaniens in der Bucht von Nouadhibou. Mehr als 100 Schiffe verrotten auf dem Schiffsfriedhof. Hauptsächlich Fischer ließen hier ihre defekten Boote verrosten, während die Behörden weg sahen - und selbst die Marine des Landes ihre schrottreifen Schiffe hier sich selbst überlies. Berühmter als noch zu ihren aktiven Zeiten wurde das frühere Frachtschiff "Plassey" in Irland, genauer auf Inisheer, der kleinsten der Aran Inseln an der Westküste des Landes. 1960 strandete das Schiff vor der Insel und wurde auf den Felsstrand gespült. Das Wrack ist nicht nur Attraktion, sondern diente auch als Kulisse für den Vorspann einer irischen Fernsehserie.
Ein ähnliches Schicksal wie die "America" teilt die "Peter Iredale" im Fort Stevens State Park vor der US-Nordwestküste im Bundesstaat Oregon. Schon 1906 verunglückt, nagten die Gezeiten am Schiffskörper. Heute ist fast nur noch ein großes Metallteil übrig, dem Besucher bei Ebbe ganz nah kommen können. Im kalifornischen Schutzgebiet Point Reyes National Shore strandeten immer wieder Schiffe - trotz des 1870 erbauten Leuchtturms. Recht gut erhalten ist die "Point Reyes", die auf einer Sandbank nahe des Orts Inverness liegt. Vor der Ostküste der Dominikanischen Republik bei Punta Cana strandete 1978 der 120-Meter-Frachter "Astron". Noch sind die Überreste sichtbar, doch jedes Jahr versinkt das Wrack ein bisschen mehr.
Die Geschichte des Walfangs erzählen die Wracks der "Petrel", "Albatross" und "Dias" auf der Insel Südgeorgien vor der Südspitze Südamerikas. Bis 1966 blühte die Walfangindustrie im britischen Überseegebiet auf, die stummen Zeugen verrotten jetzt an der Küste. Eine ganz andere Geschichte hatte die "Maheno". Der ehemalige Luxusliner strandete 1935 an der Küste der australischen Insel Fraser Island, der größten Sandinsel der Welt. Eine Zeitlang diente sie der australischen Luftwaffe als Zielobjekt, heute schießen sie Touristen ab - per Kamera. Ein Schiff an einem ungewöhnlichen Ort gibt es in der namibischen Skelettwüste zu bestaunen. Die mehr als 100 Meter lange "Eduard Bohlen" strandete schon 1909 an der namibischen Küste. Über die Jahre veränderte sich die Küstenlinie, heute liegen die Überreste von Sand bedeckt etwa 400 Meter im Landesinneren - ein Schiff mitten in der Wüste. Einen ähnlich skurrilen Anblick bieten die Wracks von Moynaq im Westen Usbekistans. Einst wichtiger Fischerort am Aral-See, verwaisten Stadt und Schiffe, als sowjetische Bewässerungsprojekte den See ab Mitte des 20. Jahrhunderts austrockneten. Heute liegt Moynaq mehr als 150 Kilometer vom Aral See entfernt.
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Quelle: Markus Roman
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