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FC Hansa Rostock und FC St. Pauli treffen sich zum Schicksalsspiel

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Schicksalsspiel im Norden

18.11.2011, 14:57 Uhr | t-online.de

 FC Hansa Rostock und FC St. Pauli treffen sich zum Schicksalsspiel. 23. September 1995: Klaus Thomforde (links) beobachtet den Zweikampf zwischen André Hofschneider (Mitte) und Thomas Sobotzik. (Quelle: dpa)

23. September 1995: Klaus Thomforde (links) beobachtet den Zweikampf zwischen André Hofschneider (Mitte) und Thomas Sobotzik. (Quelle: dpa)

von Kieran A. Brown

Am Samstag um 13 Uhr steht in der 2. Fußball-Bundesliga die Begegnung zwischen dem FC Hansa Rostock und dem FC St. Pauli auf dem Programm. Allein die sportliche Situation der beiden Vereine sorgt für eine brisante Ausgangslage. Doch für die Verantwortlichen beider Klubs erzeugt wohl kein Spiel so viele Zusatzschichten wie dieses. Im Rahmen der Aufeinandertreffen des FC Hansa mit dem Klub vom Hamburger Kiez kommt es seit 1993 regelmäßig zu Ausschreitungen beider Fan-Lager untereinander und mit der Polizei. Ein Film aus dem Jahr 1993 hat viel damit zu tun.

Die Fan-Gruppen sind verfeindet, in den 20 Jahren seit der Wende hat sich Hass entwickelt. Doch woher kommt die Abneigung eigentlich? Das Duell zwischen Hansa Rostock und dem FC St. Pauli gab es im deutschen Profi-Fußball bislang lediglich 16 Mal. Vor der Wiedervereinigung war ein Aufeinandertreffen ausgeschlossen. Knapp 200 Kilometer liegen zwischen der DKB-Arena und dem Millerntor-Stadion. Trotz allem: Bei der Rivalität zwischen Hansa und St. Pauli handelt es sich wohl um eine der größten in ganz Deutschland.

Den einen Auslöser gibt es nicht

Schaut man in die Historie der Duelle, lässt sich kein Einzelereignis ausmachen, das als Auslöser angesehen werden kann. Im August 1992 trafen die beiden Klubs aus dem Norden zum ersten Mal aufeinander. Der Fanbeauftragte des FC Hansa Rostock, Joachim Fischer, sieht jedoch einige Schlüsselereignisse als ausschlaggebend an: "Die Medien haben die Vereine zu Beginn der 90er Jahre ein Stück weit stigmatisiert. Die Fankultur des FC Hansa wurde in die rechte, die des FC St. Pauli in die linke Schublade gesteckt. Fakt ist aber, dass weder im Verein noch im Stadion Platz für Politik ist. Das Image, welches uns in Teilen anhängt, wurde vom Verein noch nie bedient. Vielmehr zeigen wir mit Taten, dass wir uns von demokratiefeindlichen Ideologien distanzieren." Der Film "Schicksalspiel" aus dem Jahr 1993 spielt dabei nach Ansicht von Fischer eine bedeutende Rolle. Dort wird ein Bandenkrieg zwischen Hamburger und Rostocker Fußball-"Fans" dargestellt. Er stellt eine Form der Brutalität in Verbindung mit dem Sport dar, die durch politische Ideologien entsteht und in einer realitätsfernen Form eskaliert. Stefan Schatz, Fanbeauftragter des FC St. Pauli, wollte sich auf Nachfrage nicht äußern.

Klaus Thomforde als Symbol

Auch die Geschehnisse im und um die Stadien herum haben ihren Teil dazu beigetragen, den Konflikt zu steigern. Bleibende Eindrücke hinterließ die Bundesliga-Begegnung im September 1995. Klaus Thomforde, damaliger Kult-Keeper der Paulianer, ließ sich nach einem Rauchbombenwurf im Ostseestadion aufgrund einer Augenreizung auswechseln. Der DFB sprach eine Platzsperre sowie eine Geldstrafe gegen den FC Hansa aus. Dieses Spiel dient seitdem als ein Symbol der Feindschaft. Straßenschlachten zwischen Randalierern und der Polizei begleiteten stets die Begegnungen der beiden Klubs. Zu einer Entspannung des Verhältnisses trug auch nicht bei, dass es zwischen 1997 und 2008 nur zu zwei Begegnungen der beiden Klubs kam. Vielmehr wurde dem nächsten Duell sowohl von den "Fan"-Gruppen, als auch von den Medien, mit extremer Spannung entgegengesehen. Krawalle rund um mehrere Zweitliga-Partien führten letztlich dazu, dass das bislang letzte Spiel im März 2010 am Millerntor unter Ausschluss jeglicher Gäste-Fans stattfand.

Sportbühne wird missbraucht

In den Augen von Fischer liegt die Problematik aber auch darin, dass "die Spiele von Leuten besucht werden, die mit Fußball nichts zu tun haben. Sie nutzen aber speziell dieses Spiel als Bühne." Das Problem liegt letztendlich aber nicht links oder rechts der Mitte der Gesellschaft. Wie bei allen Gruppen, handelt es sich auch innerhalb der Masse von Fußballfans um ein Spiegelbild des Ganzen. Von denen einige wenige mit einem Image kokettieren, welches die Vereine nicht bedienen.

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Immenser Sicherheitsaufwand

Die Sicherheits- und Ordnungsdienste beider Vereine tun im Vorfeld der Partie in Zusammenarbeit mit der Polizei alles, um ein Aufeinandertreffen der Fangruppen auszuschließen. Schleusen an den Bahnhöfen, gesperrte Straßen, Videoüberwachung sind nur einige Mittel der Wahl. "Vom Gefühl her ist es im Vorfeld diesmal eigentlich nicht ganz so brisant wie sonst", sagte der Sicherheitsbeauftragte des Klubs vom Millerntor Sven Brux der "Morgenpost". "Aber der organisatorische Aufwand ist immens, für ein Fußballspiel. Das kostet ja auch alles eine ganze Menge Geld. Viel mehr kann man eigentlich nicht machen."

Gemeinsame Erklärung der Vereine

In einer gemeinsamen Erklärung rufen die Klubs dazu auf, für ein friedliches Fußballfest zu sorgen und "sich aktiv gegen diese Leute (Gewalttäter) zu stellen." Denn trotz der vielen Nebengeräusche soll der Fußball im Mittelpunkt stehen. "Es geht auch um ganz wichtige Punkte", erinnerte der Rostocker Trainer Peter Vollmann in der Pressekonferenz vor der Partie. Auf beiden Seiten hielten sich Verantwortliche und Spieler im Vorfeld der Partie mit Aussagen zurück, die mehr als die 90 Minuten auf dem Platz betrafen.

Sportliche Ausgangslage

Die beiden Ex-Rostocker in den Reihen der Hamburger, Kevin Schindler und Fin Bartels, erhielten für die Woche vor der Partie ein Interview-Verbot. Emotionen sollen nicht unnötigerweise erzeugt werden. Denn die Tabellensituation sorgt allein für ein emotionsgeladenes Spiel. Hansa möchte den knappen Vorsprung auf die Abstiegsplätze nach Möglichkeit ausbauen. St. Pauli muss punkten, um bis zum Winter an den Aufstiegsplätzen dran zu bleiben. Bei beiden Teams fehlt ein Leistungsträger, Regisseur Mohammed Lartey bei Hansa Rostock, der erfahrene Torjäger Marius Ebbers bei St. Pauli.

DFB: "Spiel mit erhöhtem Risiko"

Der Film von 1993 beanspruchte für sich, die realen Fußball-Randalen zwischen Ost und West Anfang der 1990er aufzugreifen. Mit der Folge, dass die beiden dargestellten Vereine in eine Ecke gedrängt wurden, aus der sie sich bis heute nicht haben befreien können. Ohne Zweifel gibt es darüber hinaus zahlreiche Faktoren, die zur extremen Form der Rivalität geführt haben. Und mit dem Filmtitel von 1993 kann und sollte man das Fußball-Spiel am Samstag nicht versehen. Der Wunsch nach Duellen, die ausschließlich von sportlicher Relevanz sind, bleibt auf beiden Seiten bestehen. Klaus Thomforde, als ehemaliger Hauptprotagonist, prophezeite im Jahr 2001 in einem Interview mit der "Welt", dass die Feindschaft zwischen den Vereinen wohl noch einige Jahre bestehen würde. "Zu viele haben schlimmen Ereignisse der Vergangenheit noch vor Augen. Wir brauchen ein paar positive Einflüsse. Zum Beispiel ein großes Spiel am Wochenende." Insbesondere letzterem ist auch zehn Jahre später nichts hinzuzufügen.


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