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Wird der FC Ingolstadt 04 zum nächsten Werksverein?

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Der nächste Werksverein?  

Das Erfolgsgeheimnis des Aufstiegsaspiranten FC Ingolstadt

06.02.2015, 07:28 Uhr | t-online.de

Wird der FC Ingolstadt 04 zum nächsten Werksverein?. Ingolstadts Trainer Ralph Hasenhüttl (re.) hält seine junge Truppe zusammen. (Quelle: imago/Eibner)

Ingolstadts Trainer Ralph Hasenhüttl (re.) hält seine junge Truppe zusammen. (Quelle: Eibner/imago)

Von Marc L. Merten

Die Zweite Liga nimmt ihren Betrieb wieder auf – mit einem Derby. Tabellenführer FC Ingolstadt und Greuther Fürth (heute, ab 18.15 Uhr im Live-Ticker von t-online.de) werden die letzten 15 Spielrunden eröffnen. Während es für die Kleeblätter im grauen Mittelfeld des deutschen Unterhauses diese Saison wohl nur noch darum geht, die Basis für eine erfolgreiche kommende Saison zu legen, können die Schanzer den nächsten Schritt machen hin zur Krönung einer Erfolgsgeschichte: den Aufstieg aus der Bayernliga in die Bundesliga in nur elf Jahren Vereinsgeschichte.

Denn wenn vom FC Schalke 04 die Rede ist, dann von dem Klub, der 1904 gegründet wurde. Wer über den FC Ingolstadt 04 spricht, meint den Verein, der 100 Jahre später, am 1. Juli 2004, gegründet wurde – durch die Ausgliederung der Fußballabteilungen der Vereine MTV Ingolstadt und ESV Ingolstadt.

In einer 130.000 Einwohner großen Stadt, die fast drei Jahrzehnte keinen Profifußball gesehen hatte. Eine Region, die von keinem anderen Arbeitgeber derart geprägt ist wie von eben jenem Unternehmen, das den FCI seit mittlerweile achteinhalb Jahren als Hauptsponsor, Anteilseigner und Stadionnamensgeber finanzkräftig unterstützt: Audi.

Kritik an Audi – aber wegen was? Nachhaltigkeit?

Die Kritiker des Investoren-getriebenen Fußballs sind auch in Ingolstadt schnell wieder zur Stelle. Es entstehe ein Verein wie Bayer Leverkusen oder der VfL Wolfsburg, ein von einem Großkonzern gesteuerter Klub, der sich alles leisten könne, was er wolle, weil Audi am Ende die Rechnung zahle, um sich selbst in ein besseres Licht zu rücken.

Die Kritiker haben in der Sache Recht: Audi hält knapp 20 Prozent am FCI. Audi zahlt pro Saison angeblich gut 8,5 Millionen Euro. Ohne Audi wären die Schanzer wohl sicher nicht dort, wo sie heute stehen: mit 40 Punkten nach 19 Spielen komfortabler Tabellenführer der Zweiten Liga.

Hört man sich in der Stadt aber mal um, erkennt man schnell: Die Ingolstädter schätzen es, dass Audi nicht nur Geld verdient, sondern das Geld an die Region zurückgibt. Mit umfangreichen infrastrukturellen Projekten, mit dem Bau eines der führenden Fußball-Nachwuchszentren in Deutschland, mit der Bereitstellung professioneller Trainingsbedingungen nicht nur für die Profis des FCI, sondern für viele hundert Kinder und Jugendliche der Region, die auch von den Kooperationen zwischen Verein und Schulen profitieren.

Zwei Jahre nach dem Zusammenschluss des MTV und des ESV war Audi beim neu gegründeten FCI eingestiegen. Das Ziel: mit nachhaltigem Investment nicht irgendein Marketinginstrument für Audi (Hauptsitz in Ingolstadt seit 1949) zu kreieren, sondern einen Fußballklub, der das sportliche Gesicht der Region werden sollte.  

Vom Tabellenletzten zum Aufstiegskandidaten in einem Jahr

Trotzdem sind Vergleiche zu anderen Vereinen mit Unternehmen im Rücken schnell an der Hand. Nicht nur Leverkusen, Wolfsburg und Hoffenheim. In dieser Saison und gerade in der Zweiten Liga vor allem Red Bull mit seinem Standort Leizpig.

Der Unterschied: In Ingolstadt spricht niemand bereits von der Deutschen Meisterschaft. In Ingolstadt kauft Sportdirektor Thomas Linke keine Spieler für acht Millionen Euro – der teuerste Transfer der Vereinsgeschichte war Mathew Leckie zu Beginn dieser Saison, der für 750.000 Euro vom FSV Frankfurt kam. Statt Sprüche bringt der FCI lieber Leistung. Man stellt den besten Angriff und die zweitbeste Abwehr der Liga, nur ein Punktspiel ging in dieser Saison verloren. Und nebenbei hat man einen Rekord überboten, der seit den 1980er Jahren Bestand hatte. 19 Mal blieb Ingolstadt auswärts ohne Niederlage.

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Vater dieses Erfolgs ist nicht Audi und auch nicht Sportchef Linke. Es ist Ralph Hasenhüttl, der zusammen mit seinem erfahrenen Co-Trainer Michael Henke, der früheren rechten Hand von Ottmar Hitzfeld, aus einem Abstiegskandidaten einen Anwärter auf die erste Liga formte. Denn mitnichten ging dank des Geldes aus den Autowerken mit den Schanzern automatisch alles bergauf.

Als Hasenhüttl im Oktober 2013 das Ruder übernahm, stand der FCI auf dem letzten Tabellenplatz. Seitdem hat er aus einem hoffnungslos unterlegenen Haufen Spieler ein brutal effizient agierendes Team gemacht, dem in der Liga niemand das Wasser reichen kann.

Angriff ist die beste Verteidigung

Mit einer Spielweise, die dem Spitznamen der Einwohner Ingolstadts eigentlich widerspricht. Der Name Schanzer stammt von den im 16. Jahrhundert errichteten Schutzwällen, hinter denen sich die Ingolstädter vor Angreifern verschanzen konnten. Hasenhüttl predigt hingegen die Devise "Angriff ist die beste Verteidigung". Mit Erfolg: Kein Team in der Liga verteidigt höher. Kein Team spielt ein aggressiveres Pressing. "Wir warten darauf, dass uns jemand die Grenzen aufzeigt", sagte Hasenhüttl jüngst der "Augsburger Allgemeine".

Das klingt erst einmal arrogant, gemeint ist es aber eher abwartend, beobachtend. Der FCI nimmt zur Kenntnis, dass er mittlerweile eine Spitzenmannschaft der Zweiten Liga ist. Ohne Überheblichkeit, ohne das Selbstverständnis, gedanklich eigentlich schon ein Erstligist zu sein. Dennoch: Die Vorbereitungen für die nächste Saison laufen bereits. Und bei sieben Punkten Vorsprung auf Rang zwei gehen sie natürlich eher in Richtung erste als zweite Liga.

Fürth, Braunschweig, Paderborn – nun Ingolstadt?

Es wird schon gerätselt: Welche Rolle kann der Verein, der in einem gerade einmal 15.800 Zuschauer fassenden Stadion seine Heimspiele austrägt, im Oberhaus spielen? "Wir sind von den Möglichkeiten wahrscheinlich schon wesentlich weiter als Paderborn", glaubt Hasenhüttl. "Es gab schon viele Paderborns vor Paderborn, die gezeigt haben, dass es gehen kann."

Nicht jedoch in jüngerer Vergangenheit: Eintracht Braunschweig bekam die erste Liga nicht. Auch Paderborn ist nicht erst seit Beginn dieser Rückrunde in argen Schwierigkeiten. Und Hasenhüttl wird sich am Freitagabend auch bei seinem Ex-Klub erkundigen können, wie sich die raue Erstliga-Luft anfühlt. Denn auch Fürth hatte es versucht und war nach 34 zumeist deprimierenden Runden mit gerade einmal 21 Punkten sofort wieder abgestiegen.

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