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"Bei Union muss ein Trainer zwangsläufig ins Gras beißen"

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Entlassung trotz Platz vier  

"Bei Union muss ein Trainer zwangsläufig ins Gras beißen"

04.12.2017, 20:33 Uhr | David-Emanuel Digili, t-online.de

"Bei Union muss ein Trainer zwangsläufig ins Gras beißen". Musste nach anderthalb Jahren überraschend gehen: Jens Keller ist nicht mehr Trainer von Union Berlin. (Quelle: imago)

Musste nach anderthalb Jahren überraschend gehen: Jens Keller ist nicht mehr Trainer von Union Berlin. (Quelle: imago)

26 Punkte nach 16 Spielen, Platz vier in der zweiten Liga – trotzdem wurde Jens Keller bei Union Berlin völlig überraschend entlassen. Trainer-Boss Lutz Hangartner geht mit den "Eisernen" hart ins Gericht und kritisiert auch den 1. FC Köln...

Hangartner ist seit 2012 Präsident des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL). Die meisten Trainer aus dem Profibereich sind Mitglied des Interessenverbandes. Im Gespräch mit t-online.de erklärt Hangartner, warum Trainer im Jahr 2017 so schwach sind wie selten zuvor, was Vereine wie Union Berlin oder der 1. FC Köln falsch machen – und was ihn besonders erschreckt.

Ein Interview von David-Emanuel Digili

t-online.de: Herr Hangartner, Union Berlin steht aktuell auf Platz vier der 2. Liga und hat gerade den Trainer entlassen…

Lutz Hangartner (74): Wir als Bund stehen da immer mit Erstaunen davor, um es vorsichtig zu sagen. Man kann da nur den Kopf schütteln. Natürlich kennen wir da keine Interna, auf der anderen Seite aber plädieren wir immer wieder für Nachhaltigkeit, dass ein Trainer auch mal die Chance erhält, mal ein Tal mit einem Klub zu durchschreiten.

Seit 2012 Trainer-Boss: Lutz Hangartner. (Quelle: imago)Seit 2012 Trainer-Boss: Lutz Hangartner. (Quelle: imago)

Welcher Klub ist dazu heutzutage denn bereit?

Besonders das bemängeln wir ja, dass die Bereitschaft dazu bei den Vereinen heute gleich Null ist.

Dazu kommt dann auch noch mangelnde Geduld…

Union hat ja eine richtig gute Entwicklung genommen in den letzten Jahren, aber die Erwartungshaltung, die dort auch schon in der Vergangenheit an den Tag gelegt wurde, dass man unbedingt vorne mit dabei sein und um den Aufstieg mitspielen muss, die ist doch völlig überzogen. Und da muss dann ein Trainer zwangsläufig ins Gras beißen.

Union erklärte die Entlassung damit, dass die „Spielweise nicht den Anforderungen gerecht wurde“…

Solche Begründungen kann man nur noch mit Erschrecken zur Kenntnis nehmen.

Ein Zeichen der Zeit?

Leider Gottes ist es heute so. Die Verantwortung wird heute immer den Trainern zugeschoben, obwohl Manager natürlich auch beteiligt sind, weil sie die Kader zusammenstellen, aber keine Verantwortung übernehmen.

Stattdessen muss meist der Coach dran glauben…

Die Trainer werden damit zur Ausschussware degradiert. Da können und wollen wir nicht stillhalten, sondern den Finger in die Wunde legen, und das auch anklagen.

Was können Sie mit dem Bund Deutscher Fußball-Lehrer da tun?

Dagegen unternehmen kann man nichts, wir können den Vereinen ja nicht vorschreiben, was sie zu tun haben. Aber wir stellen schon fest, dass mit jedem Jahr die Zahl der entlassenen Trainer in Bundesliga und 2. Liga eher steigt als fällt.

Sie beobachten das genau?

Vor fünf, sechs Jahren gab es mal eine Untersuchung, einen Vergleich zwischen CEOs in der Wirtschaft und Cheftrainern in der Bundesliga. Die CEOs hatten eine Verweildauer von vier bis fünf Jahren, im Fußball waren es damals 1,3 Jahre!

Und das ist schon Jahre her…

Wenn man heute eine aktuelle Untersuchung machen würde, habe ich das Gefühl, dass diese Zahl noch nach unten tendiert. Das prangern wir natürlich an und sind unseren Trainern gegenüber in der Pflicht, die Stimme zu erheben.

Was können die Vereine tun?

Wir sind ja nicht so blauäugig, zu sagen: Trainerwechsel darf es nicht geben. Bundesligisten sind heute Wirtschaftsunternehmen, bei denen es um viel Geld geht. Dann versucht ein Verein im Abstiegskampf alles, da gehört ein Trainerwechsel auch mal dazu – obwohl es ja schon wissenschaftliche Untersuchungen gibt, die besagen, dass Trainerwechsel nur selten wirklich etwas bringen.

Für Peter Stöger war nach dem 2:2 auf Schalke Schluss als Köln-Trainer. (Quelle: imago)Für Peter Stöger war nach dem 2:2 auf Schalke Schluss als Köln-Trainer. (Quelle: imago)

Dazu kommt die oft ungeschickte Handlungsweise der Klubführungen – siehe gerade beim 1. FC Köln und Peter Stöger

In Köln kann man natürlich den Zeitpunkt kritisieren und offensichtlich auch die Art und Weise. So wie das da gelaufen ist, das war kein guter Stil.  Wenn man da früher mal gesagt hätte: Wir haben uns zusammengesetzt und uns darauf geeinigt, durch einen Trainerwechsel neue Impulse zu setzen – ob das dann nun funktioniert oder nicht. Aber eins muss man ja auch sagen…

Ja?

Es gibt natürlich immer Gegenbeispiele. Der SC Freiburg zum Beispiel, dem ich auch nahestehe, weil ich ihn selber mal trainiert habe. Freiburg sagt: Wenn wir von der Arbeit eines Trainers überzeugt sind und die Überzeugung haben, dass es nicht am Trainer liegt, wenn es mal nach unten gehen sollte – dann steigen wir mit dem Trainer ab und versuchen mit ihm, wieder aufzusteigen. Aber das ist sicher kein Beispiel, dem andere Bundesligisten folgen werden.

Und in Köln?

In Köln hätte ich mir genau das gewünscht, dass man sagt: Peter Stöger hat gut gearbeitet, das hat er nachgewiesen. Das kann nicht von heute auf morgen alles plötzlich schlecht sein. Dass man mit ihm dann notfalls eben auch in die zweite Liga gegangen wäre und versucht, wieder nach oben zu kommen. Stattdessen hat man rumgeeiert.

Spielt da nicht auch oft die unrealistische Erwartungshaltung eine Rolle? Köln ist in der Europa League, Union letzte Saison nur knapp am Aufstieg gescheitert…

Das ist ja eben das Unrealistische. Wieder das Gegenbeispiel Freiburg: In Freiburg muss man jedes Jahr damit rechnen, abzusteigen.  Letztes Jahr waren sie plötzlich auf einem Qualifikationsplatz für die Europa League. Das war im Grunde über den Möglichkeiten dieses Vereins.  Da wäre aber kein Mensch auf die Idee gekommen, zu denken: Jetzt sind wir Sechster, nächstes Jahr müssen wir dann Dritter oder Vierter werden. Bei Union sind offenbar Erwartungen da, die der Realität nicht entsprechen.

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