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Berti Vogts kritisiert Videobeweis: "Machen den Fußball kaputt"

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Berti Vogts schlägt Alarm  

"Das darf nicht wahr sein! Wir machen den Fußball kaputt"

28.08.2017, 15:22 Uhr | Berti Vogts, t-online.de

Berti Vogts kritisiert Videobeweis: "Machen den Fußball kaputt". Schiedsrichter Harm Osmers bemüht im Spiel Leverkusen gegen Hoffenheim den Video-Schiedsrichter. Berti Vogts findet das unsäglich. (Quelle: imago)

Schiedsrichter Harm Osmers bemüht im Spiel Leverkusen gegen Hoffenheim den Video-Schiedsrichter. Berti Vogts findet das unsäglich. (Quelle: imago)

Welt- und Europameister als Spieler und Co- bzw. Chef-Trainer, Träger des Bundesverdienstkreuzes erster Klasse, Weltnationaltrainer – die Liste seiner Titel und Auszeichnungen ist unendlich lang. In seiner neuen Kolumne bei t-online.de kritisiert Berti Vogts den Videobeweis aufs Schärfste. Nach zwei Spieltagen sagt er: "Wollen wir das so? Ich will es nicht. Weil ich den Fußball liebe."

Die Kolumne von Berti Vogts bei t-online.de.

Was haben wir uns nach dem Confed Cup auf die neue Bundesliga-Saison gefreut! Auf die Spiele, auf Bayern München, auf RB Leipzig und und und. Doch nach zwei Spieltagen gibt es aus meiner Sicht vor allem eine große Enttäuschung: Den Videobeweis.

Denn so wie er jetzt umgesetzt wird, ergibt er keinen Sinn.

Wir machen diese schöne Sportart kaputt

Ich freue mich doch, wenn meine Mannschaft ein Tor erzielt. Nun geht aber gleich die eine Hand des Schiedsrichters hoch und die andere aufs Ohr – dann dauert es ewig und irgendwann gibt es eine Entscheidung, ob das Tor überhaupt zählt. Der Fußball lebt von Emotionen. Jetzt muss ich mit meinem Jubel warten. Oder soll ich nochmal jubeln, wenn das Tor wirklich gilt? Das kann doch nicht wahr sein! Es kann doch nicht wahr sein, dass wir uns diese schöne Sportart kaputt machen!

Der Fußball lebt doch von Überraschungen, von dem Schönen, dem Spiel – und nicht von den Schiedsrichtern.

Der Fußball verliert seine Zuschauer

Das tolle Tor von Lewandowski gegen Bremen, die tolle zweite Halbzeit von Leipzig gegen Freiburg – darüber soll man sich doch am Arbeitsplatz unterhalten. Aber niemand redet darüber aktuell. Nur auf die Video-Schiedsrichter wird man angesprochen. Hat man das gewollt?

Wenn wir so weitermachen, wird der Fußball enorm bei den Fans im Stadion und auch bei den Menschen vor dem Fernseher verlieren. Die Leute werden sich das nicht lange anschauen. Wir brauchen uns nicht zu wundern, wenn in fünf, sechs Jahren niemand mehr die Bundesliga einschaltet.

Bitte nicht noch ein Schiedsrichter im Studio

Wir sind sogar auf dem Weg, dass der Fußball der Lachhaftigkeit preisgegeben wird. Das ist ein Unding!

Man will das immer gleich mit dem amerikanischen Sport vergleichen. Aber wir spielen kein American Football! Wir spielen Fußball! Fußball bedeutet, dass der Schiedsrichter die Entscheidungen fällt, und zwar auf dem Spielfeld. Er hat nun schon Assistenten an den Seiten, den vierten Offiziellen und im europäischen Vergleich noch die Tor-Assistenten. Aber doch bitte nicht noch einen, der aus dem Studio etwas entscheidet!

Früher gab es kein großes Theater

In den USA wird Werbung eingeblendet beim Videobeweis – das haben wir hier wahrscheinlich auch bald. Dann dauert es noch länger…

Nehmen wir die Papadopoulus-Schwalbe. Früher hat sich das der DFB am Montag angeschaut und den Spieler für ein Spiel gesperrt. Da gab es kein großes Theater und vor allem ging das Spiel weiter.

Ich will das nicht. Weil ich den Fußball liebe

Was ich mir vorstellen könnte: dass die Trainer jeweils dreimal die Möglichkeit haben, einzuschreiten und den Videobeweis zu verlangen. Das müsste dann aber am Spielfeldrand passieren, dürfte nicht länger als 45 Sekunden dauern und der Trainer müsste einen Spieler einwechseln, um nicht noch mehr Zeit zu verschwenden. Damit das Spiel im Fluss bleibt. Von mir aus kann auch der Schiedsrichter sagen: „Das muss ich mir unbedingt nochmal anschauen.“

Aber wie es jetzt ist, da ist der Schiedsrichter auf dem Platz gar nicht mehr der entscheidende Mann.

Wollen wir das so? Ich will es nicht. Weil ich den Fußball liebe.

Weil sonst niemand drüber spricht, möchte ich noch ein paar andere Themen aufgreifen.

► Mit Hannover steht ein Aufsteiger mit sechs Punkten vorne. Trainer André Breitenreiter hat meiner Meinung nach schon auf Schalke gute Arbeit geleistet. Ich mag seine Art, wie er die Mannschaft führt. Das ist total untergegangen. Wie sie gespielt haben, das war allerhöchstes Niveau. Im Norden muss wieder etwas entstehen, wir brauchen da eine starke Mannschaft. Ich hoffe, dass sie einen richtig guten Mittelfeldplatz erreichen.

Umso enttäuschender waren beispielsweise die ersten beiden Spiele von Werder Bremen. Man kann gegen Bayern verlieren, aber man kann nicht im eigenen Stadion nur verteidigen. So mutlos darf man nicht spielen. Einfach darauf warten, dass man sein Gegentor bekommt – das geht gar nicht. Entweder gehe ich mit fliegenden Fahnen unter oder ich erreiche etwas.

► Noch ein Thema, das sonst zu kurz kommt: Thomas Müller. Ich kann den Ärger um ihn allerdings nicht nachvollziehen. Ancelotti ist so ein erfahrener Trainer. Er hat einfach seine Gründe, warum er ihn nicht von Beginn an spielen lässt. Vielleicht wollte er Müller einfach nochmal kitzeln. Vielleicht denken manche Nationalspieler, die schon so lange dabei sind, dass sie einfach locker vom Hocker in die Spiele gehen können. Aber der Trainer sieht: Hier muss er noch etwas mehr tun.

Thomas Müller (2.v.l.) auf der Bayern-Bank beim Spiel in Bremen. (Quelle: imago/Lackovic)Thomas Müller (2.v.l.) auf der Bayern-Bank beim Spiel in Bremen. (Quelle: Lackovic/imago)

Er weiß, was er an Müller hat – da braucht niemand etwas anderes zu erzählen. Bayern braucht ihn für die Champions League, Joachim Löw für die anstehenden Länderspiele. Das ist das Recht des Trainers, ihn von der Bank zu bringen. Jeder Trainer weiß, was er an so einem Spieler hat, der so schwer auszurechnen ist für eine gegnerische Abwehr. Kein Trainer wird ihn links liegenlassen.

► Jetzt geht es weiter mit der Nationalmannschaft in der WM-Quali. Jetzt wird man sehen, wie wichtig der Confed Cup war. Die Weltmeister müssen jetzt Flagge zeigen – gerade in diesen Spielen. Eine Mischung aus Weltmeistern und Confed-Cup-Siegern – da wird es jetzt ein schönes Gerangel um die Plätze geben. Joachim Löw hat sich das erarbeitet.

Das ist Berti Vogts: Geboren in Büttgen (heute: Kaarst) in Nordrhein-Westfalen, legte Hans-Hubert "Berti" Vogts eine unglaubliche Spielerkarriere hin. 419 Bundesliga-Spiele für Mönchengladbach, 96 für die deutsche Nationalmannschaft – er wurde Weltmeister 1974, Europameister 1972, fünfmal Deutscher Meister, zweimal Uefa-Pokalsieger, DFB-Pokalsieger, Fußballer des Jahres. Als Trainer führte er die DFB-Elf 1996 zum Europameister-Titel, 1990 wurde er als Co-Trainer von Franz Beckenbauer Weltmeister. 1996 wurde er auch als Weltnationaltrainer und mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse ausgezeichnet.

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