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Stefan Effenberg: Die Trainerdiskussion schadet dem FC Bayern

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Stefan Effenberg  

Bayern wissen noch gar nicht, wer Trainer werden soll

04.12.2017, 18:26 Uhr | Stefan Effenberg, t-online.de

Stefan Effenberg: Die Trainerdiskussion schadet dem FC Bayern. Stefan Effenberg ist der Meinung, dass die Bayern-Bosse die Trainerdiskussion eindämmen müssen. (Quelle: imago)

Stefan Effenberg ist der Meinung, dass die Bayern-Bosse die Trainerdiskussion eindämmen müssen. (Quelle: imago)

Das 0:3 in Paris saß tief bei Bayern. Vor dem Rückspiel in München erklärt Stefan Effenberg, warum dieses Spiel so wichtig ist und welchen Fehler die Bayern gemacht haben – dazu schreibt er über Köln und Borussia Dortmund.

Die Kolumne von Stefan Effenberg bei t-online.de

Bayern gegen Paris, das ist ein Prestigeduell! Und es ist unglaublich wichtig für beide Mannschaften, obwohl sie schon für das Achtelfinale qualifiziert sind. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Bayern sagen, sie wollen das 0:3 aus dem Hinspiel drehen, noch 4:0 gewinnen und Erster werden. Aber es geht darum, den anderen Vereinen in der Champions League zu zeigen: „Dieses 0:3 ist uns passiert, aber das passiert uns nicht zweimal!“

Wichtig ist erstmal: Kein Gegentor

Du nimmst dieses Spiel mit in die K.o.-Runde, auch wenn die erst im Februar beginnt. Wenn Paris jetzt nochmal deutlich gewinnt, sagen alle: „Oh, da kommt Paris. Die haben den Mitfavoriten Bayern aus dem Stadion geschossen.“ Und bei Bayern hast du wieder Zweifel, ob das international reicht.

Wichtig ist erstmal, kein Gegentor zu kriegen. Wenn du doch eins bekommst, drohst du auseinanderzufallen. Denn dann spielt Paris wieder das, was sie im Hinspiel gemacht haben. Das kannst du nicht stoppen. Wenn das Spiel 0:0 ausgeht, dann ist das eben so.

Wo steht der FC Bayern nach fast zwei Monaten unter Jupp Heynckes?

Es war natürlich extrem wichtig, in der Bundesliga diesen Dortmunder Vorsprung von fünf Punkten zu drehen. Mit Heynckes kam das Selbstvertrauen zurück. Ich erinnere mich auch an ein paar  Spiele, die sie glücklich gewonnen haben, aber die Brust wurde dadurch breiter.

Bayern ist noch nicht bei hundert Prozent

Es läuft auf den ersten Blick alles optimal. Aber wenn man die Spiele im Detail analysiert, stellt man schon fest: Bei 100 Prozent sind sie noch nicht.

Als Trainer freut man sich natürlich, wenn die Mannschaft Chancen kreiert. Trotzdem haben sie zu viele liegen gelassen. Wenn die K.o.-Spiele kommen, darf das nicht in dieser Häufigkeit passieren.

Und sie müssen am Umschaltspiel arbeiten. Das wird elementar wichtig sein in der Rückrunde. Wenn du nach einem Ballverlust oder missglücktem Pressing-Versuch nicht schnell genug hinter den Ball kommst und Überzahl schaffst, dann wirst du auf hohem Niveau bestraft. Real Madrid hat das in den letzten Jahren vorgemacht, so waren sie erfolgreich in der Champions League, so haben sie die Bayern hier in München abgeschossen.

Jerome Boateng hat gerade kritisch angesprochen, was noch falsch läuft. Ich finde es gut, wenn mal der eine oder andere Spieler den Finger in die Wunde legt – weil es bedeutet, dass die Spieler selbst analysieren, nicht vom Platz gehen und sagen: „Wir haben 3:1 gewonnen – alles super.“ Ganz, ganz viele setzen sich damit nicht auseinander.

Für höchstes Niveau reicht es noch nicht

In der Champions League gibt es Vereine, die Bayern voraus sind. Da müssen sie zulegen, um eine wichtige Rolle in der K.o.-Phase zu spielen. Für das ganz hohe Niveau reicht es noch nicht. Wären wir jetzt im März oder April, bräuchten wir uns keine Gedanken darüber zu machen, ob Bayern München ins Champions-League-Finale kommt.

Aber: Wenn alles harmoniert, funktioniert, die Langzeitverletzten zurückkommen und sie sich verbessern, kann sich das ändern. Und vor allem: Wenn sie die Trainerdiskussion in den Griff bekommen.

Ich verstehe Jupp Heynckes nämlich sehr gut, wenn er genervt ist von der Frage nach seiner Zukunft.

Es gab zwei verschiedene Meinungen bei den Verantwortlichen und immer mal wieder Äußerungen zur Trainer-Diskussion. Das war unglücklich, dadurch kriegst du keine Ruhe rein. Deswegen ist es umso wichtiger, jetzt ein klares Statement abzugeben in Form einer Mitteilung: „Jupp Heynckes wird den FC Bayern nach der Saison verlassen. Das war unsere Abmachung und das steht. Im April oder Mai werden wir bekanntgeben, wer der Nachfolger wird – und bis zu diesem Tag bitten wir Sie, keine Fragen mehr zu dem Thema zu stellen.“ Dann hast du die Kuh vom Eis. Dann musst du nicht mehr jede Woche diverse Fragen zu dem Thema beantworten. Wenn man das nicht tut, wird wild weiterspekuliert. Das ist nicht gut für den Verein, das ist nicht gut für Jupp Heynckes, das ist nicht gut für die Spieler.

Dadurch gewinnen sie zudem Zeit, um diese wichtigste Personalie – viel wichtiger als ein 40-Millionen-Euro-Einkauf – zu entscheiden. Stand heute bin ich mir sehr sicher, dass der FC Bayern noch gar nicht weiß, wer in der nächsten Saison Trainer wird.

Sandro Wagner setzt die WM aufs Spiel 

Natürlich ist das auch wichtiger als die Personalie Sandro Wagner, weil es sich hier nur um einen Backup-Stürmer handelt.

Trotzdem möchte ich dazu sagen: Wenn Sandro Wagner im Winter wechselt, setzt er die WM aufs Spiel. Die Möglichkeit ist da, auf den Zug aufzuspringen und vielleicht Weltmeister zu werden. Ich habe Jogi Löws Worte noch im Ohr, der sagte, dass er nur Spieler mitnimmt, die permanent spielen. Das würde bei Bayern schwierig werden. Wenn Wagner weiterdenkt und sagt: „Das Risiko gehe ich ein und nehme einen Vertrag über drei oder vier Jahre – vielleicht auch aufgrund der familiären Situation“, dann spricht nichts gegen einen Wechsel. Aus meiner Sicht spricht aber auch nicht viel gegen einen Wechsel erst im Sommer. In Hoffenheim ist er nun mal Stammspieler und im Rhythmus. Auf jeden Fall gilt es, das auf beiden Seiten gut zu überlegen.

Es gibt noch zwei wichtige Themen in der Bundesliga.

Der 1. FC Köln hat sich von Trainer Peter Stöger getrennt. Ich habe mir ein klares Bekenntnis gewünscht, dass sie mit ihm in die zweite Liga gehen. Das ist jetzt hinfällig. Die Trennung ist ein Stück weit nachvollziehbar mit der katastrophalen Quote mit drei Punkten nach 14 Spielen. Aber es stehen noch Spieler auf dem Platz. Es hat nicht immer der Trainer Schuld. Die 90 Minuten auf dem Platz müssen die Spieler auf die Reihe bekommen.

Es gab Zeiten vor Stöger und Manager Jörg Schmadtke , in denen es drunter und drüber ging. Es ist ja auch nicht toll oder lustig, als „Karnevalsklub“ bezeichnet zu werden. Schmadtke war auch – im Zusammenspiel mit Stöger – extrem wichtig, um sich nach Spielen hinzustellen in der Öffentlichkeit und die Situation sportlich einzuordnen.

Jetzt ist der erste weg und der zweite auch – und jetzt stehen Präsident Werner Spinner und Geschäftsführer Alexander Wehrle an der Front. Die müssen sich mit den Medien auseinandersetzen – und jetzt verkaufen sie sich wieder so, dass man als Köln-Fan Angst haben muss, wieder dieser Klub zu werden, der man vor fünf, sechs Jahren war. Spinner und Wehrle gehören nicht in die erste Reihe. Sie sind nicht gemacht für Kommentare zur sportlichen Situation vor der Kamera. Dafür ist Schmadtke gemacht. Und Stöger auch. Spinner und Wehrle gehören in den Hintergrund, wo sie hervorragende Arbeit geleistet haben.

Es ist schade und traurig, dass man so abrutscht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie die Klasse noch halten.

Das zweite Thema: Borussia Dortmund. Ich finde es richtig, dass sie trotz der schwierigen Situation an Trainer Peter Bosz festhalten. Ich hoffe auch, dass sie das auch weiterhin tun. Man sollte die Leistungen zu Saisonbeginn nicht vergessen.

Für mich ist Aubameyang dabei ein ganz wichtiger Faktor. Er hat zu Saisonbeginn viel Lob bekommen für seinen Charakter, weil er trotz aller Gerüchte und Spekulationen um seine Zukunft immer abgeliefert hat. Und jetzt soll er ein Stinkstiefel sein? Nein. Das ist ein enorm wichtiger Spieler, den sich die Mannschaft einfach mal zur Brust nehmen muss.

Die Führungsspieler müssen sich Aubameyang packen und ihm den Kopf waschen. Sie müssen ihm erklären, welch enorme Bedeutung er für den Verein hat. Und wenn das passiert ist, wird er auch zu alter Stärke zurück finden.

Dafür sind nicht immer die Präsidenten oder Manager verantwortlich. Denn bei denen fühlen sich die Spieler gar nicht wohl, wenn sie da auf dem Sofa sitzen. Da wissen sie: Jetzt wird es unangenehm. Und ich weiß aus Erfahrung, dass dann die Gefahr besteht, dass der Spieler zumacht, aus der Tür geht und sagt: „Das macht mir hier nicht wirklich Spaß.“

Das kann eine Mannschaft auch mal selbst regeln, das ist viel effektiver. Aubameyang wird heiß geliebt. Jeder weiß, dass er wichtig ist. Er muss aber verstehen, dass andere auch wichtig sind und er für sie arbeiten muss.

Als Verein muss man vielleicht auch sagen: „Wir brauchen dich, du bist enorm wichtig. Komm wieder an deine hundert Prozent, dann machen wir die Tür im Sommer für einen Wechsel auf.“ Dann können sich alle auf das konzentrieren, was wichtig ist: Und zwar die 90 Minuten jede Woche!

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