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APOEL Nikosia macht Zypern stolz

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APOEL Nikosia macht Zypern stolz

01.11.2011, 08:59 Uhr | t-online.de

. APOEL Nikosia ist die große Überraschung dieser Champions-League-Saison.  (Quelle: dpa)

APOEL Nikosia ist die große Überraschung dieser Champions-League-Saison. (Quelle: dpa)

Eine Kolumne von Jonny Giovanni

Zyprer? Zyprioten? Zyprier? Deutsche Fußball-Kommentatoren konnten sich noch nie so recht einigen, wie sie denn nun zu nennen sind, die Abgesandten aus dem Zwergenstaat im Mittelmeer. Dabei hatten sich die, sagen wir mal, Zyprioten bei den seltenen Begegnungen oft durchaus eine nähere Betrachtung verdient. Die deutsche Nationalmannschaft konnte ihr letztes Gastspiel in Nikosia (Qualifikation zur EM 2008, 1:1) ebenso wenig gewinnen wie Werder Bremen eines der bislang einzigen Champions-League-Duelle deutscher Teams mit Vertretern des 700.000-Einwohner-Landes. Gegen Anorthosis Famagusta gab es in der Saison 2008/2009 zwei Remis.

Wo Anorthosis damals aufhörte, macht nun APOEL Nikosia weiter. Schon vor zwei Jahren verhinderte nur die Auswärtstorregel, dass die Hauptstädter im Rennen um den dritten Gruppenplatz den späteren Europa-League-Sieger Atletico Madrid hinter sich ließen. Nun haben sie als erste zyprische/zypriotische Mannschaft drei Champions-League-Spiele ohne Niederlage überstanden. Sieg gegen Zenit St. Petersburg, jeweils Unentschieden bei Schachtjor Donezk und dem FC Porto. Und sage keiner, diese Gruppe G sei besonders leicht – es ist die einzige der diesjährigen Königsklasse, in der ausschließlich Landesmeister spielen. Das war, der eine oder andere mag sich erinnern, früher mal die Voraussetzung für die Teilnahme am wichtigsten Europapokal.

Nicht nur eine Laune des Schicksals

Tabellenführung also für Nikosia, eine skurrile Laune des Schicksals im ansonsten immergleichen Champions-League-Programm? Nicht unbedingt, glaubt man den Trainern der Gegner. Mircea Lucescu von Schachtjor lobte APOEL als "gut organisierte Mannschaft mit hervorragendem Trainer", Portos Vitor Pereira befand, "die Abwehrarbeit von APOEL ist nahezu perfekt." Nun geht es wieder gegen Porto, den amtierenden Europa-League-Sieger und – zumindest entfernten – Geheimfavoriten des Wettbewerbs. Erneut soll, so der einheimische Mittelfeldspieler Konstantinos Charalambidis, "Zypern stolz gemacht werden." 

Den Sieg gegen St. Petersburg bejubelten die Anhänger bis in die Morgenstunden. Feste müssen gefeiert werden, wie sie fallen, zumal in so einem kleinen Land mit so komplizierter Politik, von der auch die Geschichte APOELs erzählt. Der Rekordmeister (21 Titel) wurde 1926 von den Griechen der Hauptstadt gegründet und galt als panhellenisch ausgerichtet, das heißt, auf eine Vereinigung mit dem "Mutterland". Als sich APOEL im griechischen Bürgerkrieg mit den rechten Kräften solidarisch erklärte, spalteten sich linke Anhänger 1948 ab und gründeten Omonia Nikosia, das zum anderen großen Hauptstadtklub heranwuchs (und heute bei 20 Meisterschaften steht). Die politischen Fronten von damals sind bis heute stabil geblieben. APOELs Anhänger gelten weiterhin als hellenistisch-nationalistisch, neben Griechenland-Flaggen sieht man dabei leider häufig auch Nazi-Symbole auf den Tribünen. 

Im Zentrum des Zypern-Konflikts

Immer wieder vermischten sich Sport und Politik. In den Jahren vor der Unabhängigkeit 1960 kämpften viele APOEL-Spieler an vorderster Front im Aufstand gegen die britische Kolonialmacht, weshalb der Klub in dieser Zeit zum einzigen Mal in seiner Geschichte gegen den Abstieg spielte. Später stand APOEL im Zentrum des Zypern-Konflikts zwischen dem griechisch geprägten Süden – dem Staat Zypern – und dem türkisch besetzten Norden der Insel. Als APOEL1986 gegen Besiktas Istanbul antreten sollte, verbot die zyprische Regierung dem Verein zu spielen, weshalb er von der UEFA für zwei Jahre aus dem Europapokal ausgeschlossen wurde. 

Zwar haben sich die Verhältnisse zwischen den beiden Volksgruppen mittlerweile etwas entspannt und die Politiker beider Inselteile verhandeln immer mal wieder über eine Vereinigung, doch noch läuft der Stacheldraht quer durch die Hauptstadt. Im türkischen Teil gibt es eine eigene Fußball-Liga, die indes von FIFA und UEFA nicht anerkannt wird (ebenso wenig wie der nordzyprische Staat von den UN).

Dritte Garde mit viel Qualität

Der griechische Teil Nikosias kommt gerade einmal auf 50.000 Einwohner, der Großraum auf 200.000, da sind die 23.000 Fans, die heute zum Rückspiel gegen Porto das Nationalstadion füllen werden, aller Ehren wert. Zypern ist fußballverrückt, aber das kleine Wunder dieser Tage kann es natürlich nicht aus eigenen Ressourcen stemmen. Wie viele der besseren Teams aus dem Südosten und Osten Europas lebt APOEL von dem schier endlosen Heer brasilianischer Fußballprofis. Auch wenn man nur die dritte Garde abbekommt, bringt das immer noch respektable Qualität auf den Platz.

In Porto standen fünf Brasilianer in der Startformation nebst einem Zyprioten, einem Griechen und drei Portugiesen. Damit spielten bei Nikosia, Kuriosität des globalisierten Fußballs, mehr Portugiesen als bei Porto. Bekannte Namen sucht man im Team gleichwohl vergebens. Stürmer Ailton, der einen wunderbaren Treffer erzielte, hat mit dem ehemaligen Bundesliga-Star nichts gemein, auch Kaka spielte nie beim AC Mailand oder Real Madrid, allerdings immerhin bei Hertha BSC. Zuletzt war der Abwehrmann allerdings nur Ersatz. Wer auch immer zum Rückspiel aufläuft – APOELs Stärken liegen in Kompaktheit und schnellem Konterspiel, ein Werk von Ivan Jovanovic, der wie so viele gute Trainer vom Balkan kommt, aus Serbien. "Wir sind nicht nervös, nur hoch motiviert", betonte der Coach vor dem Match gegen Porto. APOELs Ziel, das sagt er inzwischen offen, ist die Qualifikation für das Achtelfinale.

Sollte es soweit kommen und noch häufiger über den Klub berichtet werden, können die TV-Kommentatoren schon einmal beruhigt werden. Der Duden erlaubt alle drei Ausdrücke: Zyprer, Zyprier und auch Zyprioten.

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