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FC Chelsea kämpft gegen das Trauma von Moskau

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Chelsea-Stars kämpfen für ihr Happy-End

17.05.2012, 12:46 Uhr | t-online.de

FC Chelsea kämpft gegen das Trauma von Moskau. Das verlorene Finale von 2008 wird zum Trauma für den FC Chelsea. (Quelle: imago)

Das verlorene Finale von 2008 wird zum Trauma für den FC Chelsea. (Quelle: imago)

Eine Kolumne von Jonny Giovanni

Die Wunden heilen langsam im Fußball – ganz besonders wenn es um den größten Traum eines Vereins geht: die kontinentale Krone.  Viele Bayern-Fans spricht man besser immer noch nicht an auf jene vermaledeite Nacht 1999 in Barcelona, und man möchte gar nicht wissen, zu welchem Trauma-Ungeheuer sich die späte Finalniederlage gegen Manchester United ausgewachsen hätte, wenn die Münchner nicht zwei Jahre später im Elfmeterschießen gegen Valencia das Schicksal auf ihre Seite gezwungen hätten. Die Chance zur Erlösung, die sich dem FCB damals in Mailand bot, ist ein Segen, der hart erkämpft werden muss. Manche Teams erholen sich von so etwas nie wieder.

Chelsea ist es gelungen. Auch die Londoner haben ihr Trauma gegen Manchester United erlitten, 2008 im Finale von Moskau. Wie die Bayern neun Jahre zuvor waren sie die bessere Mannschaft, wie die Bayern waren sie nur minimal entfernt vom Triumph. Wie die Bayern konnten sie nur von singulärer Dramatik in die Knie gezwungen werden. Was den Münchnern eine verrückte Nachspielzeit, war ihnen der fünfte Schuss des Elfmeterschießens. Wie oft kommt es schon vor, dass da einer ausrutscht?

Terry - der tragische Held

Der damalige Trainer Avram Grant hat jetzt im "Daily Mail" offenbart, dass John Terry ihn eigentlich gar nicht schießen sollte, diesen fünften Elfmeter. Ursprünglich war dafür Didier Drogba vorgesehen, doch der hatte die Rote Karte gesehen. Für ihn hätte Salomon Kalou nachrücken sollen, Terry stand gar nicht auf der Liste, aber, so Grant, "weil es der entscheidende Elfmeter war, wollte ihn JT". Es entsprach wohl dessen Ethos und Eitelkeit als Kapitän: Terry, "Mr. Chelsea", verwandelt den Elfmeter zum Champions-League-Sieg – ein Bild für die Götter, eine Legende für die Ewigkeit.

Terry richtete sich die Binde, als er im strömenden Regen zum Punkt schritt, er lief an, dann rutschte ihm das Standbein weg. Trotzdem bewegte sich der Ball durchaus vielversprechend in Richtung der freien Torecke, nur um dort, wie zum Hohn, gegen den Pfosten zu klatschen. Manchester, für das zuvor Cristiano Ronaldo vergeben hatte, war so auf den letzten Drücker zurück im Spiel. Zwei Schützen später vergab Chelseas Anelka, und Manchester gewann. Fast unnötig zu erwähnen, dass zwischen Terry und Anelka der vom Kapitän degradierte Kalou souverän verwandelte.

Gegen das Trauma von Moskau

Terry, Drogba, Kalou – bis auf Anelka sind die Protagonisten dieses Dramas vier Jahre später alle noch an Bord.  Cech, Cole, Essien, Malouda, Mikel, Lampard – auch sie standen in Moskau schon im Kader. Es sind Namen, die zum Einmaleins des europäischen Fußballs der letzten Jahre zählen. Zahllose große Schlachten haben sie geschlagen, immer wieder um den Champions-League-Titel mitgespielt. Aber was in dieser Ära des Klubbesitzers Roman Abramowitsch selbst einem Klub wie dem FC Porto gelang, ihnen blieb es immer verwehrt. Chelsea hat die Champions League noch nie gewonnen. Umso größer das Trauma von Moskau. Umso bedeutender jetzt die Chance zur Erlösung.

"Das ist ein enormes Spiel für den Verein, eines, das seine Geschichte verändern kann", sagt Trainer Roberto Di Matteo, früher schon Aktiver bei Chelsea. Dass dieses Spiel ausgerechnet in dieser Spielzeit kommen würde, damit war allerdings nicht unbedingt zu rechnen. Chelsea hat eine schlimme Ligasaison hinter sich, mit Platz sechs wurde erstmals seit der Übernahme Abramowitschs (2003) die Qualifikation für die Champions League verpasst. Das Projekt eines Generationenumbruchs unter Di Matteos Vorgänger André Villas-Boas scheiterte fulminant, inzwischen wird wieder weitestgehend auf Bewährtes gesetzt. Auf die "senior player", wie man auf Englisch mit schöner Doppeldeutigkeit sagt. Drogba, 34 Jahre alt, Lampard, 33, Terry, der allerdings gegen Bayern gesperrt fehlt, 31, Cole 31, Cech immerhin erst 29.

Letzte Chance für die alte Garde

Mit Ausnahme des Torwarts haben diese Spieler ihre besten Jahre naturgemäß eher hinter sich. Chelsea war gewiss schon mal stärker als jetzt – diese Mannschaft kann die Gegner nicht mehr so planieren wie noch 2008. Sie ist auf ein Bündnis mit dem Glück angewiesen wie im Halbfinale gegen Barcelona, als den Blauen über zwei Spiele vier Torversuche zu drei Treffern reichten, dem Gegner aber 47 nur zu zwei. Oder soll man statt Glück sagen: Schicksal? Sich mit diesem alliiert zu fühlen, kann einer Mannschaft ähnlich viel Stärke geben wie überragendes Talent, dafür kennt der Sport hunderte und tausende von Beispielen – nicht zuletzt das der Bayern von 2001.

Ähnlich wie damals die Überlebenden von Barcelona fühlen sich jetzt die Überlebenden von Moskau auf einer Art Mission. Es ist wohl ihre letzte Chance auf den großen Coup. Sie waren schon fast Vergangenheit, und sind doch noch da. Sie wurden verhöhnt, sie wirkten melancholisch, und sie haben doch den Glauben wiedergefunden. Ist der Fußball dieser Generation den Titel nicht irgendwo schuldig? Diesen einen Champions-League-Titel für Lampard, Drogba, Terry, Cole und Cech?

Der Kopf sagt vor dem Finale von München: Bayern hat ein Heimspiel und die stärkere Mannschaft. Das Gefühl sagt: Chelsea ist verdammt gefährlich.


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