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Mertesacker im Interview: Noch nicht ganz in England angekommen

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"Ich war nicht der Typ, der unbedingt aus der Bundesliga weg wollte"

22.10.2012, 16:20 Uhr | t-online.de

Mertesacker im Interview: Noch nicht ganz in England angekommen. Per Mertesacker ist von der Atmosphäre in deutschen Stadien fasziniert. (Quelle: imago)

Per Mertesacker ist von der Atmosphäre in deutschen Stadien fasziniert. (Quelle: imago)

Das Interview führte Bastian Ewald

Schon als Jugendlicher machte Per Mertesacker im Arsenal-Trikot die Bolzplätze Niedersachsens unsicher. Ein Geschenk seiner Tante, die in London lebte. Inzwischen trägt der 1,98-Meter-Hüne die Farben der Gunners täglich, denn Mertesacker spielt inzwischen für den Verein, für den er immer geschwärmt hat: Arsenal London. Um den nächsten Schritt seiner Karriere zu machen, wechselte der deutsche Nationalspieler 2011 von Werder Bremen in die englische Hauptstadt.

Im Interview mit t-online.de spricht der 28-Jährige über seinen Spitznamen "Big Fucking German", Lukas Podolskis Integration bei Arsenal sowie die anstehenden Spiele gegen Schalke 04 in der Champions League (24.10., ab 20.30 Uhr im t-online.de Live-Ticker).

t-online.de: Herr Mertesacker, seit rund einem Jahr spielen Sie bei Arsenal. Dort zwang Sie eine Verletzung zu einer längeren Pause. Sind Sie trotzdem im englischen Fußball angekommen?

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Schalke fährt voller Selbstvertrauen nach London.

Schalke fährt voller Selbstvertrauen nach London.


Per Mertesacker: Ich glaube, dazu benötigt man mehr als eine Saison. Trotzdem war es ein spannendes und interessantes erstes Jahr in der Premier League. Ich habe sehr viele neue Erfahrungen sammeln können, von denen ich schon jetzt oft zehren kann. Ich habe meine Mit- und Gegenspieler besser kennengelernt, weiß vieles genauer einzuschätzen. Aber um wirklich angekommen zu sein, sind noch zwei, drei weitere Spielzeiten nötig, in denen ich auf Topniveau spielen kann.

Und wie sieht es privat aus? Haben Sie sich mit Ihrer Familie gut in London eingelebt?

Nachdem mein Wechsel nach London feststand, war auch für meine Familie (Freundin Ulrike, 28; Sohn Paul, 18 Monate; Anm. d. Redaktion) schnell klar, dass wir diesen Schritt gemeinsam gehen. London ist eine sehr große Stadt, die viel zu bieten hat. Wir wollten versuchen, uns darauf einzulassen und möglichst viel davon mitzunehmen. Unsere Sprachkenntnisse zu verbessern und hier am sozialen Leben teilzunehmen, das ist uns sehr wichtig. Das klappt schon sehr gut. Wir fühlen uns im Ganzen sehr wohl.

Was war die größte Umstellung für Sie?

Klar war der Umzug eine große Umstellung. Du kommst in ein neues Land, kennst dich nicht mit den Gegebenheiten aus. Es gilt sich erst mal ein wenig unterzuordnen. Du fängst auf eine gewisse Weise ganz neu an. Du musst dir Anerkennung und Respekt aufs Neue erarbeiten, als Sportler und auch als Mensch.

Mussten Sie als Neuling im Team – und gerade als Deutscher – einiges über sich ergehen lassen? Das Verhältnis der Engländer zu uns Deutschen gilt ja als etwas speziell.

Es gibt schon viele Vorurteile. Ich habe aber festgestellt: Eigentlich mögen uns die Engländer. Sie schätzen unsere Effektivität, unsere Arbeitskraft und Verlässlichkeit. Insgeheim würden sie gerne selbst so sein. Das Team weiß inzwischen, dass es sich auf diesen Typen aus Deutschland verlassen kann.

Die Briten sind ja für ihren durchaus derben Humor bekannt: Die Arsenal-Fans nennen Sie den "Big fucking German". Hat Sie das zu Beginn irritiert?

(Lacht) Das ist mir schon recht. Ich wurde ja schnell darüber aufgeklärt, dass es sich um eine richtige Liebeserklärung handelt.

Gerade in Deutschland geriet die Fanszene zuletzt immer wieder in die Kritik: Aggressionen gegen Spieler, überhitzte Stimmung in den Fanblöcken. Erleben Sie in England ähnliches?

Es gibt schon Unterschiede: Du bekommst zum Beispiel Applaus von den gegnerischen Fans, wenn du ein gutes Spiel abgeliefert hast. In Deutschland ist das fast undenkbar. Die Engländer haben sehr viel weniger Fangesänge, Fahnen habe ich noch gar nicht gesehen. Die Atmosphäre in deutschen Stadien ist als Spieler schon faszinierend. Von Übergriffen auf Spieler von gegnerischen Fans habe ich hier noch nichts mitbekommen. Klar ist die Stimmung unter den Fans aufgeheizt, es herrscht ja auch hier eine gewisse Rivalität. Aber von Fällen wie dem von Kevin Pezzoni oder Michal Kadlec habe ich so noch nicht gehört – das ist auch ganz sicher die falsche Richtung.

Hand aufs Herz: Wo ist die Atmosphäre besser – in der Bundesliga oder der Premier League?

Da gibt es jetzt kein besser oder schlechter. Es ist einfach anders.

War es für Sie schon lange ein Wunsch in der Premier League zu spielen oder war es einfach eine Karriereoption unter vielen?

Als das Angebot von Arsenal kam, war mir schnell klar: Das willst du machen. Diese Auslandserfahrung ist schon sehr reizvoll, beruflich wie privat. Aber ich war nicht der Typ, der unbedingt aus der Bundesliga weg wollte. Das ist eine Top-Liga, in der ich gerne gespielt habe.

Was können Sie als Spieler mitnehmen, was Ihnen in der Bundesliga vielleicht verwehrt geblieben wäre?

Mit Arsene Wenger spiele ich schon unter einer außergewöhnlichen Trainerpersönlichkeit. Er setzt zum Beispiel auf sehr genaues, scharfes Passspiel – das ist alles sehr akribisch. Da kann man selbst als Spieler mit internationaler Erfahrung nochmal einen weiteren Schritt nach vorne machen. Ob Hannover, Bremen oder jetzt Arsenal, ich habe aus jeder Zeit viel Wichtiges herausziehen können.

Lukas Podolski ist Ihr neuer Mannschaftskollege. Die britischen Medien sind sich bereits sicher, er habe den "Killerinstinkt". Hat er sich tatsächlich so schnell eingewöhnt, um volle Leistung bringen zu können?

Es ist super, wie er sich schon ins Team einbringen kann. Dass es so schnell so gut funktioniert spricht für ihn. Er ist ein offener, lustiger Typ, was es ihm extrem erleichtert hat, sich zu integrieren. Dass er im Team super angenommen wird, zeigen auch seine bemerkenswerten Leistungen – egal ob er selbst trifft oder starke Vorlagen liefert. Einen Teil seines Potenzials ruft er sicher schon ab, auch wenn da noch mehr geht.

Sie beide kennen sich schon lange aus der Nationalelf. Haben Sie Poldi nach seiner Ankunft ein wenig an die Hand genommen?

Ja klar. Wir kennen uns schon seit acht Jahren aus der Nationalmannschaft, haben daher ein vertrauteres Verhältnis. Einige Probleme die ich selbst nach meinem Wechsel hatte, gilt es bei Lukas zu vermeiden. Sei es bei der Wohnungssuche, Behördengängen oder irgendwelchen Kleinigkeiten, die es in einem fremden Land zu beachten gilt. Bei dem einen oder anderen konnte ich ihm schon helfen.

Das heißt Per Mertesacker und Lukas Podolski gehen in der Freizeit auch mal zusammen an die Fish’n’Chips-Bude?

(Lacht) Das müssen wir mal sehen. Mal schauen, an welche Bude wir zusammen gehen. Sicher können wir uns jederzeit vorstellen, zusammen einen Abend zu verbringen. Aber wir verbringen allein im Training, an den Spieltagen und bei der Nationalmannschaft viel Zeit miteinander, das ist ja schon eine ganze Menge.

Der nächste Arsenal-Gegner in der Champions League heißt Schalke 04. Ist es der größte Brocken in der Gruppe?

Das wird sich noch zeigen. Schalke hat sicher das Potenzial über die Gruppenphase hinaus zu kommen, das haben sie in den letzten Spielen schon gezeigt. Wir aber auch! Damit werden wir wohl Platz eins und zwei unter uns ausmachen.

Ist es für Sie ein Vorteil, das Hinspiel im heimischen Stadion zu bestreiten?

Den stärksten Gegner zuerst zuhause zu besiegen, das ist natürlich optimal. Diesen Heimvorteil wollen wir nutzen. Wir setzen natürlich darauf, alle unsere drei Heimspiele der Gruppenphase zu gewinnen. Bei einem Auswärtspiel haben wir auch schon drei Punkte mitgenommen. Wenn das so klappt, ist das unser sicheres Ticket ins Achtelfinale.

Was erwartet uns in den Begegnungen Arsenal gegen Schalke?

Es stehen sich definitiv zwei Mannschaften gegenüber, die auf einem hohen technischen Niveau spielen können. Für uns gilt es, diese Spiele mit den Attributen zu füllen, die uns bislang ausgezeichnet haben: Dominanz, viel Ballbesitz und schnelle Aktionen nach vorne. Schalke hat aber durchaus ähnliche Möglichkeiten. Auch sie haben technisch versierte, temporeiche Spieler die vor unserem Tor gefährlich werden können. Und in der Defensive gehen sie immer rigoros zu Werke. Da ist es hart durchzukommen. Von Schalke habe ich in dieser Saison schon super Aktionen gesehen.

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