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Borussia Dortmund schreibt Champions-League-Märchen ohne Happy End

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Champions League  

Kein Happy End für das schwarz-gelbe Märchen

27.05.2013, 07:56 Uhr | t-online.de

Borussia Dortmund schreibt Champions-League-Märchen ohne Happy End. Jürgen Klopp und seine Spieler am Boden zerstört. (Quelle: dpa)

Jürgen Klopp und seine Spieler am Boden zerstört. (Quelle: dpa)

Aus London berichtet Patrick Brandenburg

Am Ende war Borussia Dortmunds Vollgasfußball doch noch im Museum angekommen - trotz der bitteren 1:2-Niederlage im Finale der Champions League gegen den FC Bayern München. Allerdings nicht im vereinseigenen Borusseum im früheren Westfalenstadion, in dem Trainer Jürgen Klopp seiner leidenschaftlichen Mannschaft so sehr einen Ehrenplatz gewünscht hätte. Sondern vorerst nur im Natural History Museum in London.

Im romanischen Prachtbau aus dem 19. Jahrhundert wollte der BVB eine "schwarz-gelbe Night" feiern. Stattdessen war Wunden lecken angesagt, trösten und Kummer ertränken. Zwischen Saurier-Skeletten und Fossilien versuchten die müden BVB-Helden, nicht selbst wie eine aussterbende Art zu wirken. Eine bedrohte Spezies sind sie aber vermutlich doch.

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Großkreutz spielt mit Mittelfußbruch

"Wir werden auch nächste Saison eine Mannschaft haben, die mindestens ebenso gut ist und wieder ganz massiv angreifen", versprach Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke der Trauergemeinde trotzig. Wie die Westfalen das hinbekommen wollen, noch einmal so unbeschwert und eindrucksvoll durch Europa zu pflügen und ein Happy End für ihr Fußballmärchen zu finden, dürfte eine der spannendsten Fragen der näheren Zukunft werden. Die Aufgaben scheinen jedenfalls enorm.

Nach dem Abgang von Jungstar Mario Götze wird auch der vorzeitige Wechsel von Topstürmer Robert Lewandowski immer akuter. Bayerns Trainer Jupp Heynckes hatte noch nach Spielschluss angedeutet, diese Personalie werde vermutlich sehr bald zugunsten der neuen Könige Europas geklärt. Außenverteidiger Lukasz Piszczek wird um eine Hüftoperation nicht länger herumkommen und einige Monate ausfallen. Wann Allzweckwaffe Kevin Großkreutz wieder zur Verfügung steht, der sich ab der 70. Minute gegen die Münchner mit einem Mittelfußbruch durchs Spiel quälte, steht noch nicht fest.

Hummels macht den Fans Angst

Während ein künftiger Regisseur - ob aus dem existierenden Kader kommend oder von außen - in jedem Falle erst wirksam ins Team implantiert werden muss, wollen die Europapokal-Helden, die in Wembley vermutlich eine historische Chance vergaben, mit ihren gewachsenen eigenen Ansprüchen bei der Stange gehalten werden. "Dieses Jahr ist nicht der richtige Zeitpunkt zu gehen", sagte etwa der angeblich vom FC Barcelona umworbene Nationalverteidiger Mats Hummels nach dem verlorenen Finale in der Mixed Zone, fügte dann aber den furchtbaren Nachsatz an, der jedem BVB-Fan Angstschweiß auf die Stirn treibt: "Vielleicht kommende Saison." Schwarz-gelb ist europaweit begehrt und die Konkurrenz bleibt auf der Jagd. Auch Trainer Klopp ist trotz seines Vertrages bis 2016 längst in Fokus der Topklubs geraten. Der Fluch der guten Tat.

Zur neuen Saison muss sich der BVB beinahe neu erfinden. Der Umbruch ist jedenfalls enorm und er drängt. "Wir werden in den nächsten Wochen erst einmal viel Arbeit haben, ein neues Team zu bauen, bevor es in den Urlaub geht", kündigte Jürgen Klopp an, der wohl vor seiner schwierigsten Saison beim Revierklub steht. "Wir müssen Spieler kaufen, weil viele andere Teams unsere Spieler kaufen wollen." Der Wechsel des Defensiv-Allrounders Sokratis von Werder Bremen gilt als sicher, dazu mehren sich die Hinweise, dass auch Mittelfeld-Hoffnung Kevin de Bruyne den Weg von der Weser nach Westfalen findet. Gesucht wird mit Hochdruck ein Topstürmer. Aber da muss der BVB warten, bis die Geldklubs Europa das Transfer-Karussell lostreten und welche Optionen den Dortmundern dann bleiben. 

Der BVB ist erwachsen geworden

Geld dürfte nicht das Problem sein, davon ist wieder genug da in Dortmund. Der Triumphzug in der Champions League sowie die Abgänge von Götze und Lewandowski allein füllen die Kriegskasse mit schätzungsweise 130 Millionen Euro. Vielmehr steht der BVB vor der strategischen Entscheidung, welcher Weg künftig eingeschlagen werden soll. Wenn die Borussia wirklich "massiv investieren wird diesen Sommer", wie Watzke das im Übrigen schon vor einigen Monaten ankündigte, wird das BVB-Projekt schlicht ein komplett anderes. Die jugendliche Rasselbande ist passé. Dortmund ist erwachsen geworden und will offenbar mit aller Macht seinen Platz als Nummer zwei im deutschen Fußball konsolidieren und auch international nun regelmäßig Fußballfeste feiern. Dazu braucht es aber auch einen Kader, der qualitativ deutlich breiter aufgestellt ist als der aktuelle. Sprich: weitere drei, vier neue Spieler von Format werden bestimmt geholt. 

Noch während die geknickten Dortmunder auf dem Rasen des englischen Fußball-Mekkas  Wembley mit Tränen in den Augen ansehen mussten, wie sich die anderen den silbernen Henkelpott schnappten, hatte Berufsoptimist Klopp seinen Spielern schon versprochen: "Wir werden bald wieder in einem europäischen Finale stehen."

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