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Bayern - Porto: Für Thiago reichen Superlative nicht mehr aus

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Triumph für trotzigen Guardiola  

Für Thiago reichen die Superlative nicht aus

22.04.2015, 11:41 Uhr | t-online.de

Bayern - Porto: Für Thiago reichen Superlative nicht mehr aus. Bayern-Trainer Pep Guardiola herzt Thiago nach dessen toller Leistung gegen Porto. (Quelle: imago/BPI)

Bayern-Trainer Pep Guardiola herzt Thiago nach dessen toller Leistung gegen Porto. (Quelle: BPI/imago)

Aus München berichtet Marc L. Merten

Champions League oder nichts: Mit dieser Ansage war Trainer Pep Guardiola mit seinem FC Bayern in das Rückspiel gegen den FC Porto gegangen. Alles auf Rot. All in. Volles Risiko. Nach 90 atemberaubenden Minuten stand ein in diesem Ausmaß nicht für möglich gehaltener Triumph. Ein Triumph der "Mia-san-Mia"-Mentalität. Ein Triumph der "Ich-liebe-meine-Spieler"-Philosophie. Und ein Triumph der "Thiago-oder-nix"-Forderung. Denn ohne Thiago Alcantara wäre die 6:1-Gala gegen Porto nicht möglich gewesen.

Es lief die 90. Spielminute, als sich 70.000 Zuschauer in der Allianz Arena erhoben. Standing Ovations für den Spieler des Spiels: Thiago. Der kleine Spanier holte sich den verdienten Applaus des Publikums ab. Und eine innige Umarmung von seinem Trainer, seinem Mentor. Wie Vater und Sohn. Guardiola, stolz, mit einem erleichterten Lachen auf dem Gesicht, herzte den einen Spieler, den er gegen niemanden sonst eintauschen würde. Thiago, der vielleicht begnadetste Mittelfeldspieler, den man je bei einer deutschen Mannschaft hat spielen sehen.

Superlative reichen nicht aus

"Er hat so große Qualität", lobte Guardiola seinen Schützling hinterher. "Vor allem seine Mentalität. Er glaubt immer, dass alles möglich ist. Er hat keine Angst." Von der ersten Sekunde dieses denkwürdigen Abends im Münchner Norden hatte Thiago genau dies signalisiert: Alles ist möglich. Er erzielte das Führungstor, führte die Ecke vor dem 2:0 aus, leitete das 3:0 ein, legte das 4:0 auf, war auch am fünften Treffer beteiligt und holte den Freistoß zum 6:1 raus.

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Um seine Leistung auch nur ansatzweise zu würdigen, fehlten an diesem Abend die Superlative. Und was sagte der Matchwinner selbst? "Das war ein großer Tag für die Mannschaft", sprach der 24-Jährige nicht über sich, sondern über das Team. "Wir wussten, alles kann passieren. Aber wir mögen den Druck. Für diese Spiele sind wir geboren. Ich bin sehr stolz, für dieses Team zu spielen."

Guardiola weiß: Nur die Königsklasse zählt

Bis es zu diesem Gipfel fußballerischer Kunst kam, waren die Bayern allerdings durch ein tiefes Tal gewandert. Was war in den letzten Tagen nicht über den deutschen Rekordmeister hereingebrochen. Das 1:3 im Hinspiel hatte für harsche Kritik und gar Spott im In- und Ausland gesorgt. Die Spieler und auch Guardiola waren zu Recht kritisiert worden für einen der schlechtesten Auftritte auf internationalem Parkett der letzten Jahre. Garniert wurde die Porto-Blamage mit der peinlichen Posse um "Mull", Dr. Müller-Wohlfahrt, in der nun wirklich niemand bei den Bayern mehr gut aussah.

Guardiola, der zwar mantra-artig wiederholt, dass die Deutsche Meisterschaft für ihn der wichtigste Titel sei, musste eingestehen: "Nur das Triple ist genug." Die Liga ist nicht genug. Der Pokal ist nicht genug. Unter dem Strich definiert die Champions League beim FC Bayern, ob eine Saison erfolgreich war oder nicht. Wer in den letzten fünf Jahren dreimal im Finale stand, dem wäre das Aus im Viertelfinale wie das große Platzen aller Träume vorgekommen.

Der Coach wurde nicht verpflichtet, um Meisterschaft oder Pokal zu gewinnen. Er wurde geholt, um in der Europäischen Königsklasse zu triumphieren. Nichts anderes. Und mit dem Einzug in die nächste Runde ist Pep seiner Bilanz treu geblieben: Seit Beginn seiner Profitrainer-Karriere 2008 beim FC Barcelona hat der 44-jährige Spanier immer das Halbfinale der Champions League erreicht.

Guardiola: "Es ist einfach, die Spieler zu lieben"

Weshalb sich Guardiola genötigt sah klarzustellen, was für ihn wirklich wichtig ist. Pressekonferenzen? Lästige Pflicht. Müller-Wohlfahrt? Nicht sein Thema. Weshalb er in München sei? Wegen der Spieler. Und nur wegen der Spieler. Den Rest, darum sollen sich andere kümmern. Er nannte seine Spieler "Helden". Er hob sie trotz der Enttäuschung von Porto in den Himmel, lobte sie, machte klar: Egal, wer uns kritisiert, egal, was die Welt da draußen über uns denkt: Wir wissen, wer wir sind, was wir können und wie wir erreichen, was wir wollen. 90 berauschende Minuten später, sechs Tore inklusive, hat Guardiola das "Mia-san-Mia"-Gefühl neu erfunden.

"Es ist Wahnsinn. Ich bin ein glücklicher Mensch. Nach der Niederlage waren die Spieler meine Helden, jetzt ist es einfach, sie zu lieben", sagte Guardiola nach der Partie. Diese Liebe meint er ernst. Selten zuvor war während eines Fußballspiels die Verbindung zwischen Trainer und Spielern so zu spüren wie an diesem Dienstagabend in der Allianz Arena. Guardiola hatte seine Spieler nicht einfach nur heiß gemacht und taktisch herausragend eingestellt. Es herrschte auch während des Spiels eine kontinuierliche Bindung zwischen Coaching-Zone und Rasen, zwischen Thiago, Alonso, Müller, Lahm und wie sie alle heißen und ihrem Chef. Heraus kam eine katapultartige Leistungsexplosion im Vergleich zum Hinspiel und allem, was man im Laufe dieser Saison vom FC Bayern bis dato gesehen hatte.

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Das Lob wollte Guardiola trotzdem nicht annehmen. Ob ihn die erste Halbzeit mit den fünf Toren gefreut habe? "Ja, war gut", sagte der Katalane mit ernster Miene. "Ich bin zufrieden." Ob das Fußball in Perfektion gewesen sei, fragte ein anderer Journalist. Er hatte seine Frage noch nicht ausformuliert, da fiel ihm der 44-Jährige schon ins Wort. "Nein." Pause. Schweigen. Und dann: "Wir können besser spielen. In der Champions League kannst du nicht schlafen. Die zweite Halbzeit war nicht gut."

Während der gesamten Pressekonferenz war ein gewisser Trotz in Guardiolas Worten zu hören. Ein Gefühl, dass er die Kritik der letzten Tage nicht vergessen hat. Dass er sie sich womöglich zu Herzen genommen hat. In jedem Fall, dass er es nicht gut geheißen hat, dass seine Spieler angegriffen worden waren. Mehrfach bedankte er sich bei seinen Profis. "Wir haben schon nach dem Spiel in Porto gespürt, dass wir es schaffen können. Die Taktik ist das Eine. Aber der große Unterschied ist die Mentalität. Der Kopf."

Müller: "gutes Zahnfleisch"

Mit diesem Kopf waren seine Spieler zu einhundert Prozent bei der Sache gewesen an diesem Abend. Selbst wenn die Fitness aktuell nicht bei 100 Prozent liegt. "Wir haben immer davon gesprochen, dass wir ein wenig auf dem Zahnfleisch gehen", gab Müller mit einem Augenzwinkern zu. "Es ist wohl ein gutes Zahnfleisch."

Beim FC Bayern hoffen sie jetzt, dass dieser Sieg zum vielleicht entscheidenden Faktor der Saison wird. Zum vierten Mal in Serie stehen die Bayern im Halbfinale der Königsklasse. Am Freitag werden sie wissen, gegen wen es geht. Nach Dienstag aber wissen sie: Egal, was passiert: Alles ist möglich. Gegen Porto hatten sie das vor allem Ballzauberer Thiago zu verdanken. Insgeheim aber war es ein Triumph Pep Guardiolas. Oder wie es Sport-Vorstand Matthias Sammer ausdrückte: "Pep ist für den FC Bayern ein Segen. Ich bin stolz, dass wir auch in der kritischen Phase so zusammengehalten haben."

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