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Champions League: FC Bayern wackelt sich Richtung Titel

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Mühsam, glanzlos, erfolgreich  

Die Bayern wackeln sich Richtung Champions-League-Titel

14.04.2016, 10:42 Uhr | t-online.de

Champions League: FC Bayern wackelt sich Richtung Titel. Im Halbfinale: Manuel Neuer (grünes Trikot) und der FC Bayern (Quelle: dpa)

Im Halbfinale: Manuel Neuer (grünes Trikot) und der FC Bayern (Quelle: dpa)

Von Maximilian Miguletz

Es war "kein Zuckerschlecken", wie Thomas Müller feststellte. Doch am Ende stand der Erfolg: Durch das 2:2 (1:1) bei Benfica Lissabon ist der FC Bayern München zum fünften Mal in Folge ins Halbfinale der Champions League eingezogen. Eine beeindruckende Serie - doch keine allzu berauschende Leistung. Auch im vierten K.o.-Spiel dieser Königsklassen-Saison wackelten die Münchner. Die große Frage lautet: Folgt nun das Umfallen oder doch der ganz große Wurf?

"Ich bin sehr glücklich. Wir sind da, wo wir in den letzten zwei Jahren waren", freute sich Pep Guardiola, der in seinem siebten Jahr als Trainer zum siebten Mal unter Europas Top vier steht. Mit den Bayern war für ihn hier jedoch stets Schluss. "Ich hoffe, dieses Mal können wir einen Schritt mehr machen", sagte Guardiola.

Champions League 
FC Bayern zum fünften Mal in Serie im Halbfinale

Im Rückspiel gegen Benfica Lissabon reichte den Bayern ein 2:2. Video

Der Coach betonte aber auch mehrfach, "wie kompliziert dieser Wettbewerb ist". Genau das scheint der Münchner Weg in dieser Saison zu sein: überlegen und doch wankend. Mühevoll, aber erfolgreich. Eben kompliziert.

Slapstick in der Hintermannschaft

Für Philipp Lahm war es "ein hartes Stück Arbeit", für Arturo Vidal "ein sehr schwieriges Spiel". Der klare Außenseiter Benfica stellte den Favoriten erneut vor arge Probleme. "Natürlich hatten wir uns das nicht so vorgestellt, dass wir 1:0 in Rückstand geraten", beschrieb Müller den Schreck nach dem Führungstor der Portugiesen.

Etwa eine halbe Stunde, nachdem Benficas Adler Vitoria eindrucksvoll durch das Estadio da Luz geflogen war, segelte Manuel Neuer wegen einer merkwürdigen Fehleinschätzung an der Flanke vorbei, die Eliseu unbedrängt von Vidal aus dem Halbfeld schlagen durfte. Nutznießer war Raul Jimenez, bei dessen Kopfball David Alaba und Javi Martínez wie Ölgötzen Spalier standen. Eine Fehlerkette, die Bayerns große Schwachstelle offenbarte: die nach wie vor nicht sattelfeste Defensive.

Lahm: erst humorlos gut, dann zu Scherzen aufgelegt

Lahm sagte hinterher, "dass sowohl die Flanke als auch der Kopfball stark und schwer zu verteidigen" waren - nun ja. Der 32-Jährige war in der guten Laune des Weiterkommens ohnehin bereits zu Scherzen aufgelegt. Zuvor hatte der Kapitän nicht nur mit seinem 103. Champions-League-Spiel mit dem deutschen Rekordhalter Oliver Kahn gleichgezogen, sondern auch eine erstaunliche Leistung gezeigt.

Als umtriebiger Antreiber war er fast überall auf dem Platz zu finden, zwischenzeitlich sogar als verkappter Mittelstürmer im Eins-gegen-eins mit Benfica-Keeper Ederson. Sein Tordebüt in der Königsklasse gelang allerdings erneut nicht – und wird wohl auch nicht mehr folgen. "Wenn man in 103 Spielen kein Tor schießt, dann hat man sich nichts aufgehoben", sagte Lahm lachend im ZDF.

Vidal überragend - Jubel über Eckball-Variante

Dass die Stimmung nach Abpfiff derartig gelöst war, war zwei Dingen zu verdanken: Vidal und einem Ecken-Trick. Der Chilene ist der herausragende Akteur der letzten Wochen, machte auch in Lissabon durch seine Präsenz im Mittelfeld den Unterschied und brachte mit seinem satten Linksschuss zum 1:1 in der 38. Minute den Hexenkessel (Müller: "Das Stadion ist seinem Ruf gerecht geworden.") zum Verstummen.

Nach dem zweiten Treffer in der 52. Minute rannten die Spieler zur Bank, um wie Guardiola mit Domenec Torrent zu jubeln. Der Co-Trainer hatte die Idee zur erfolgreichen Standardsituation: Xabi Alonso schlug die Ecke auf den langen Pfosten, dort stieg Martínez am höchsten und legte per Kopf quer.  In der Mitte standen gleich drei FCB-Profis bereit zum Abstauben. "Eine einstudierte Variante", wie Lahm und Müller schelmisch zugaben.

Bayern nicht unfallfrei

Den Ball über die Linie drückte letztlich Müller, der in Abwesenheit von Robert Lewandowski als Mittelstürmer auflief. Der polnische Knipser saß überraschend auf der Bank. Die Maßnahme habe aber nichts mit dem kurz zuvor durch Berichte polnischer Medien bekannt gewordenen leichten Verkehrsunfall Lewandowskis am Sonntag zu tun gehabt, versicherte Sportvorstand Matthias Sammer.

Die elf Bayern auf dem Rasen konnten allerdings die Führung nicht über die Bühne bringen. Martínez unterstrich kurz vor Schluss noch einmal, dass er nach seiner langen Verletzungspause noch nicht zu 100 Prozent fit ist, und musste einen Benfica-Angriff als letzter Mann per Foul stoppen. Etwas glücklich blieb es bei einer Gelben Karte, danach folgte der sehenswerte Freistoßtreffer von Talisca.

"Wir müssen demütig bleiben"

"Gegen eine gute Mannschaft sind wir einen Tick besser gewesen. Vor allem sind wir in schwierigen Situationen ruhig geblieben, haben unser Spiel weitergespielt. Die Mannschaft hat Siegermentalität bewiesen", sagte Sammer. Der FC Bayern ist nun zweimal knapp weitergekommen. Nur knapp, aber eben weiter. Anders als beispielsweise Titelverteidiger FC Barcelona.

"Nicht immer gewinnt der Favorit, das ist ja das Schöne im Fußball", sagte Müller und gab die weitere Marschroute vor: "Wir müssen schön demütig bleiben und dürfen nicht denken, dass die Spiele schon vorher entschieden wären."

Arbeiten die Münchner weiter hart und bewahren sich diesen einen Tick und diese Siegermentalität, ist auch mit Wacklern drin, was Lahm will: "Mehr."

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