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Real Madrid fordert Atlético Madrid: Aufeinandertreffen zweier Welten

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Städtefinale: Real fordert Atlético  

Aufeinandertreffen zweier Systeme und Welten

28.05.2016, 11:49 Uhr | t-online.de

Real Madrid fordert Atlético Madrid: Aufeinandertreffen zweier Welten. Real-Star Cristiano Ronaldo (re.) wird von Atléticos Gabi Fernandez unter Druck gesetzt. (Quelle: imago/BPI)

Real-Star Cristiano Ronaldo (re.) wird von Atléticos Gabi Fernandez unter Druck gesetzt. (Quelle: BPI/imago)

Von Florian Haupt

Es gab mal eine Zeit, da waren das Beste an Atlético Madrid seine Werbespots. Am berühmtesten ist einer aus dem Jahr 2001. Vater und Sohn sitzen im Auto, irgendwann kommt die Stimme von hinten: "Papa?" - "Ja, Sohn?" - "Warum halten wir zu Atleti?" Langes Schweigen, schließlich der Schriftzug: "Es ist schwer zu erklären. Aber es ist etwas sehr, sehr Großes." Damals spielte Atlético in der Zweiten Liga.

Heute (ab 20.30 Uhr im Live-Ticker von t-online.de) spielt Atlético in Mailand sein zweites Champions-League-Finale in drei Spielzeiten, wieder gegen den damals knapp erfolgreichen Stadtrivalen Real, und nach Siegen über Barcelona und Bayern gilt es nicht mal als Außenseiter. Atlético war in den letzten vier Jahren außerdem spanischer Meister, spanischer Pokalsieger und Europa-League-Sieger. Nur die Werbespots gibt es immer noch, der von damals ist aber vor einiger Zeit mit neuem Text versehen worden: "Papa?" – "Ja, Sohn?" - "Vielen Dank".

Wie dem kleinen Jungen geht es ausgewachsenen Männern und Frauen: das ganze Leiden bekommt endlich seinen Sinn. Wobei es lange selbst der Sinn war. Kein Verein Spaniens sudelte sich so lustvoll in seinen Schmerzen wie Atlético, das sich selbst ein "pupas" attestierte, ein "Aua".

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Fernando Torres, der Botschafter Atléticos

Besser ein Verliererimage als gar keines - es verlieh immerhin irgendeine Art von Würde, die man Real entgegen halten konnte. Und es lenkte trefflich davon ab, dass die Misere hausgemacht war. Man muss ja nur das Beispiel von Raúl erwähnen. Der spätere Weltstar von Real Madrid begann im Nachwuchs von Atlético. Und bei Atlético wäre er wohl für immer geblieben, hätte der damalige Präsident Jesús Gil nicht in einem umnachteten Anfall von Budgetsorgen die Jugendabteilung geschlossen.

Glücklicherweise war sie zumindest wieder geöffnet, als ein paar Jahre später Fernando Torres auf der Bildfläche erschien. "El Niño" sorgte dafür, dass Atlético nicht eine ganze Generation von jungen Fans verlor. Dank seines Wunderkinds blieb Atlético auch während der Zweitklassigkeit attraktiv. Später zog er ins Ausland und schoss Spanien zu internationalen Meisterschaften, die er mit der Fahne seines Herzensklubs um die Hüften zu feiern pflegte. Jahrelang verstand er sich als Botschafter Atléticos. Voriges Jahr kehrte er zurück. Heute spannt er den Bogen zur Vergangenheit. "Es ist das Spiel meines Lebens", sagt er, der Welt- und Europameister, der Champions-League-Sieger (mit Chelsea).

"Zu Atleti zu gehören, ist das Beste, was es gibt."

Dasselbe sagen auch die jungen Nationalspieler Koke und Saúl, die früher Torres bewunderten und jetzt mit ihm zusammenspielen. Saúl, 21, fuhr zum Finale vor zwei Jahren nach Lissabon noch mit Freundin und Eltern im Privatauto, er war Leihspieler beim Stadtnachbarn Rayo Vallecano.

Koke, 24, war damals schon dabei und spielte eine so starke Saison, dass ihn Klubs wie Barcelona und Bayern auf der Agenda hatten. Aber, erklärte er kürzlich: "Ich bin nicht auf Geld aus, ich bin glücklich zuhause, in dem Verein, der mich von ganz klein aufgezogen hat. Zu Atleti zu gehören, ist das Beste, was es gibt."

Atlético - der romantischste Spitzenverein Europas

Man kann also schon sagen, dass Atlético derzeit der romantischste Spitzenverein Europas ist. Fast schon altmodisch romantisch. Erst recht in einem Finale der Hochglanzliga und sowieso im Vergleich zu seinem heutigen Gegner, dem Stadtrivalen Real.

Dort haben sie nach dem Abgang von Raúl 2010 jahrelang noch Iker Casillas gehabt, aber der wurde von einem Teil der eigenen Fans ausgepfiffen und verließ letzten Sommer durch die Hintertür den Verein, für den er 25 Jahre gespielt hatte. In der Stammelf kommt jetzt nur noch Dani Carvajal aus der eigenen Jugend, aber der ist derjenige, der am öftesten auch mal draußen bleibt, außerdem Rechtsverteidiger, und sowieso nicht sonderlich romantisch veranlagt. Reals Seele verkörpert am ehesten Kapitän Sergio Ramos, der mit 19 aus dem andalusischen Sevilla kam. Den meisten anderen Spielern tut man wohl kein Unrecht, wenn man sie als temporäre Zweckgemeinschaft von Ich-AGs bezeichnet. Womit sie natürlich beileibe nicht die einzigen sind im Spitzenfußball.

"Der Etat reicht nicht weiter als bis zum Anpfiff"

Aber vielleicht doch diejenigen, die das Modell am stärksten symbolisieren. Real ist die Fußballmarke schlechthin, geleitet vom sendungsbewussten Präsidenten Florentino Pérez, der jede sportlich noch so schlechte Saison hinter der Forbes-Rangliste zu verstecken pflegt, die sein Werk alljährlich als wirtschaftskräftigsten Verein der Welt auszeichnet. 

Für Atlético macht das die Errungenschaft umso größer, auf sportliche Augenhöhe mit dem Stadtrivalen gekommen zu sein. Seit Diego Pablo Simeone Anfang 2012 das Traineramt übernahm, hat das "kleinere" Atlético gegen das "größere" Real eine ausgeglichene Bilanz (19 Spiele, je sieben Siege, fünf remis). In der Liga erlebt man gerade eine Serie von sechs Derbys am Stück ohne Niederlage. Simeone sagt: "Der Etat reicht nicht weiter als bis zum Anpfiff, dann kommt das Herz ins Spiel und gleicht ihn aus."

Atlético zieht finanziell mächtig an

Wie auch immer es heute ausgeht, die Atlético-Fans werden sich daher als moralische Sieger fühlen. Nur manche werden eingestehen, dass das auch nur eine Momentaufnahme sein kann, dass, siehe Jesús Gil und Raúl, hinter der aktuellen Romantik kein ewiges Gesetz steht. Und manche haben vielleicht auch schon eine Ahnung davon, dass sie beim Blick auf ihren Stadtrivalen womöglich die eigene Zukunft sehen.

Atlético zieht gerade mächtig an. Der Finaleinzug in der Champions League und ein neuer Fernsehvertrag dürften den Haushalt für die kommende Saison auf über 300 Millionen Euro schrauben, nur noch die Hälfte von Real und nicht wie zuletzt ein Drittel oder gar wie noch 2012 ein Fünftel. Voriges Jahr stieg der chinesische Tycoon Wang Jianlin mit 20 Prozent als Minderheitsaktionär ein. In Indien wurde das Franchise Atlético Kalkutta gegründet, erst letzte Woche dann 34 Prozent am französischen Verein RC Lens erworben. Eine anlässlich des Endspiels 2014 gestartete Marketingoffensive hat die weltweiten Anhänger in den sozialen Netzwerken fast verdreifacht. Auch Atlético reift zur Firma.

Präsident kündigt "bestes Stadion Europas" an

Die bei Real Madrid oder dem FC Barcelona schon übliche Stadionauslastung durch Spanien-Touristen dürfte bald ebenfalls an der Tagesordnung sein. Dafür der Anteil derjenigen geringer werden, die auch in der Zweiten Liga auf der Tribüne standen, als die Atlético-Fans schon aus Trotz einen Dauerkartenrekord aufstellten. So ist eben der Gang der Dinge, wenn man Erfolg hat. Zumal wenn man bald in ein neues Stadion zieht.

Schon im Sommer 2017 soll es soweit sein. Die neue Arena im Osten der Stadt kündigte Präsident Enrique Cerezo dieser Tage als "bestes Stadion Europas" an. Gut 67.000 Zuschauer soll es fassen, perfekten Komfort bieten und einen üppigen Logenbereich. Atlético kann dann auch seine Spieltagseinnahmen auf absolutes Spitzenniveau schrauben. Das alte, gammlige, stimmungsvolle Estadio Vicente Calderón wird abgerissen. Das Stadion, "in dem man geweint haben muss", wie es in der Hymne zum 100. Vereinsjubiläum hieß.

Sonst könne man das Atlético-Gefühl nicht verstehen, so der Text. Jenes Gefühl, das mal so schwer zu erklären war und das heute Simeone, Fernando Torres und die Jungen ausdrücken. Ein Gefühl, dass sie heute zum größten Sieg der Klubgeschichte tragen soll.

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