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England - Wales: Gareth Bale provoziert vor Bruder-Duell der EM 2016

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EM 2016 Gruppe B  

"Krieg der Worte" im Battle of Britain: England genervt

16.06.2016, 08:42 Uhr | dpa

England - Wales: Gareth Bale provoziert vor Bruder-Duell der EM 2016. Gareth Bale macht verbal gegen England Front.

Gareth Bale macht verbal gegen England Front. Foto: Rungroj Yongrit. (Quelle: dpa)

Lens (dpa) - England zittert vor Gareth Bale. Die erneuten Provokationen des walisischen Superstars und die Angst vor Fan-Krawallen heizen das brisante britische Bruder-Duell kräftig an.

Dünnhäutig reagierten die Männer um Wayne Rooney auf die Sticheleien des Außenseiters und offenbaren, dass sie angesichts des dringend benötigten Siegs im EM-Hochsicherheitsspiel mächtig nervös sind. "Ich mag nicht mehr kommentieren, was andere Leute sagen", sagte Coach Roy Hodgson vor dem zweiten EM-Gruppenspiel am Donnerstag (15.00 Uhr/ZDF) in Lens. "Gerede ist Gerede. Und auf dem Platz ist auf dem Platz."

Nachdem sich Englands Trainer zuvor über "respektlose Kommentare" von Bale mokiert hatte, lehnte sich der 100-Millionen-Mann im walisischen EM-Quartier genüsslich zurück und versuchte gar nicht, ein Grinsen zu verbergen. "Es ist schön, dass sie angebissen haben", sagte der 26-Jährige und verriet, dass er die Three Lions gezielt aus der Reserve gelockt hatte. Vor dem zweiten EM-Gruppenspiel am Donnerstag in Lens legte Real Madrids Topstürmer gleich nach: "Wir kennen ihre Schwächen. Sie können ihre Meinung haben - es kümmert mich nicht. Wenn sie denken, sie wären das bessere Team, gut für sie."

Mit der Aussage, Wales habe "mehr Leidenschaft und Stolz" und England plustere sich auf, hatte Bale den "Krieg der Worte" ("Daily Mail") entfacht - und gewonnen. "Wir wissen, dass Wales uns nicht mag. Mögen wir sie? Nicht wirklich!", zürnte Jack Wilshere vor dem Premieren- Duell bei einem großen Fußball-Turnier angefressen zurück. "Gareth Bale jagt Roy Hodgsons Team Angst ein", titelte die "Sun". "Er hat sich mythischen Status verschafft - ein Spieler mit beinahe übernatürlichen Kräften."

Trotz des bitteren Last-Minute-Schocks beim 1:1 gegen Russland ist der englische Glaube an den Gruppensieg zwar ungebrochen. Um ein Zitter-Finale um das Weiterkommen am letzten Spieltag gegen die Slowakei zu vermeiden, muss das Hodgson-Team im 102. Duell mit Wales aber unbedingt die erste Niederlage seit 32 Jahren verhindern. "Durch das Turnier wird es eine ganz besondere Partie", sagte Kapitän Rooney.

Dabei sorgt vor allem die Frage, wie Bale nach seinem direkten Freistoßtreffer beim 2:1-Auftaktsieg gestoppt werden kann, für Unruhe. "Er ist ein fantastischer Spieler, wahrscheinlich einer der besten fünf der Welt. Wir sollten ihn aber nicht in Manndeckung nehmen", warnte Kapitän Rooney vor einer zu großen Fokussierung auf den walisischen Anführer.

Es wird erwartet, dass Rooney wie bei seinem überraschend starken Auftritt zum EM-Start wieder im Mittelfeld Regie führen soll. Bei Wales konnte Stammkeeper Wayne Hennessey nach Rückenbeschwerden wieder trainieren, seine Rückkehr ins Tor ist aber fraglich. "Wir müssen sehen, ob er die Einheit gut übersteht und abwarten, ob sein Rücken eine Reaktion zeigt", sagte Trainer Chris Coleman. Als Ersatz stünde wieder Danny Ward bereit.

Nach dem Auftaktsieg gibt sich der EM-Debütant tiefenentspannt. "Wir sind an der Tabellenspitze, sie haben nur unentschieden gespielt, aller Druck liegt auf ihnen", sagte Arsenals Aaron Ramsey. "Jeder erwartet, dass sie gewinnen. Wir haben keinen Druck, wir haben Spaß."

In der erwartet brodelnden Atmosphäre vor 35 000 Zuschauern im Stade Bollaert-Delelis dürfte auch Felix Brych vor einer schwierigen EM-Premiere stehen. "Er ist einer der besten Referees in Europa, soweit ich weiß. Er hat schon die besten Mannschaften der Welt gepfiffen", sagte Hodgson zur Sorge, dass der Münchner mit dem britischen Spielstil nicht zurecht kommen könnte. "Ich habe nie irgendwelche Angst wegen des Schiedsrichters."

Englands Verband FA hofft auch, dass seine Fans sich unter Kontrolle haben. Bis zu 50 000 Anhänger beider Teams werden in der nordfranzösischen Kleinstadt erwartet - sollten die englischen Zuschauer ähnliche Ausschreitungen wie in Marseille rund um das Spiel gegen Russland anzetteln, droht die UEFA-Exekutive mit dem Ausschluss.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

ENGLAND: 1 Hart - 2 Walker, 5 Cahill, 6 Smalling, 3 Rose - 17 Dier - 20 Alli, 10 Rooney - 8 Lallana, 9 Kane, 7 Sterling

WALES: 1 Hennessey - 2 Gunter, 5 Chester, 4 Davies, 6 Williams, 3 Taylor - 7 Allen, 8 King - 10 Ramsey, 11 Bale, 20 G. Williams

Schiedsrichter: Brych (München)

Die besten Aussagen in chronologischer Reihenfolge:

"Es ist wie jedes Derby - du willst niemals gegen den Feind verlieren. Ich denke, dass wir viel mehr Leidenschaft und Stolz haben. Das werden wir an diesem Tag definitiv zeigen. (...) Sie plustern sich auf, bevor sie irgendetwas erreicht haben. Deshalb werden wir da sein und daran glauben, dass wir sie schlagen können." (Wales-Superstar Gareth Bale)

"Wenn er das glaubt, darf er gerne diese Meinung haben. Ich fürchte, dass es fester Bestandteil eines Daseins als Fußballer und Fußball-Coach ist, respektlose Kommentare zu hören. (...) Ich persönlich habe keinerlei Zweifel an unserem Patriotismus und unserem Verlangen und das ist das Wichtigste." (England-Trainer Roy Hodgson über Bale)

"Er ist offensichtlich ein stolzer Waliser, was er auch sein sollte. Aber wir sind aus England und wir sind stolze Engländer. Wir sind stolz, ansonsten wären wir nicht hier." (England-Kapitän Wayne Rooney über Bale)

"Wir wissen, dass Wales uns nicht mag. Mögen wir sie? Nicht wirklich! Es wird ein sehr hartes Match und es wird viele Tacklings geben. Es wird wie ein Derby. (...) Das gibt uns die Chance, der Nation zu zeigen, dass wir viel Leidenschaft haben. Wir sind hier, um zu gewinnen und wir meinen das ernst." (England-Nationalspieler Jack Wilshere)

"Er kann seine Meinung äußern, aber ich glaube, dass wir das beste Team haben und der Rest meiner Teamkollegen glaubt das auch." (Wales-Nationalspieler Aaron Ramsey)

"Keiner!" (Bale auf die Frage, wie viele englische Spieler Platz im walisischen Team hätten)

"Es ist schön, dass sie angebissen haben. Ich habe nicht gesagt, dass sie keinen Stolz haben. Ich glaube nur, wir haben mehr. Sie sagen vielleicht das Gleiche. Aber ich bin glücklich mit den Aussagen. Wir haben einen tollen Teamspirit, den besten, den ich kenne. Das ist meine Meinung." (Wieder Bale)

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