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Athletic Bilbao: Mit Basken-Götze und Bielsa auf Erfolgskurs

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Kolumne - Weltklasse  

Mit Basken-Götze und Bielsa auf Erfolgskurs

28.03.2012, 21:27 Uhr | t-online.de

Athletic Bilbao: Mit Basken-Götze und Bielsa auf Erfolgskurs. Iker Muniain – das größte Talent des Baskenlands. (Quelle: imago)

Iker Muniain – das größte Talent des Baskenlands. (Quelle: imago)

Ein Kolumne von Jonny Giovanni

Von den vielen kuriosen Geschichten über Marcelo Bielsa ist diese vielleicht die schönste: Als kleiner Junge wurde er einmal von der Polizei festgenommen, weil er den Beamten befohlen hatte, aus dem Weg zu gehen – sie waren genau dort gestanden, wo er beim Straßenfußball eine Ecke auszuführen gedachte. Zwar sollte er bald wieder freigelassen werden, doch Bielsa weigerte sich das Revier zu verlassen – erst müsse ihm die Staatsmacht seinen Ball zurückgeben.

Später wurde der Argentinier aus vornehmer Familie Trainer, doch Überzeugungstäter ist er geblieben. El Loco, der Verrückte, wird Bielsa genannt, weil er eine schrullige Persönlichkeit mit einer exzentrischen Fußball-Lehre vereint, und weil er, wie damals auf der Straße, um nichts in der Welt seine Prinzipien opfert. All das macht ihn zu einer der interessantesten Figuren im Weltfußball – und sein Team, Athletic Bilbao, zu einer der spektakulärsten Mannschaften, die es momentan zu sehen gibt.

Bevor die Basken nun bei Schalke 04 (ab 20.50 Uhr im t-online.de Live-Ticker) antreten, beförderten sie mit zwei Siegen den Turnierfavoriten Manchester United aus der Europa League. Sie lüfteten damit ein Geheimnis, das freilich in Spanien schon längst keines mehr war: dass sich hier trotz der personellen Selbstbeschränkung des Klubs – für Athletic dürfen nur Basken spielen – sehr viel Talent zusammen gefunden hat. Und dass dieses Ensemble einen Fußball spielt, der manchmal fast ein bisschen wie der des FC Barcelona aussieht. Was wiederum weniger absurd oder zufällig ist, als es im ersten Moment klingen mag.

Kleiner, technischer, kreativer

Zugegeben, die Kicker aus dem verregneten Baskenland waren eigentlich nie als Schöngeister bekannt, in Spanien wurden sie, fußballstilistisch, immer als Engländer bezeichnet. Doch im Nachwuchs von Athletic wurde schon vor einigen Jahren die Abkehr vom körperlichen Spiel mit hohen Bällen gepredigt. Man kann sich diesen Paradigmenwechsel so ähnlich vorstellen wie in Deutschland: plötzlich werden die Spieler kleiner, technischer, kreativer. Bilbaos Götze ist so gesehen der 19-jährige Iker Muniain – das größte Talent, welches das Baskenland seit langem produziert hat.

Wie in Deutschland mit Löw oder Klopp brauchte es allerdings auch in Bilbao jemanden, der die Hochbegabten mit den entsprechenden Fußballideen munitioniert – und hier tritt Bielsa auf den Plan. Noch vorige Saison spielte eine fast identische Mannschaft einen ganz anderen Fußball, und das nicht einmal ohne Erfolg, wie die Qualifikation für die Europa League bewies. Doch dann waren im Sommer Präsidentschaftswahlen, und Herausforderer Josu Urrutia warb mit einem ideologischen Wandel. Er würde bei einem Sieg den jahrelangen Trainer Joaquín Caparrós durch Marcelo Bielsa ersetzen.

Guardiola auf Kurs gebracht

Die Sehnsucht nach einer feineren Klinge und das Vertrauen darauf, dass die Mannschaft auch das Potenzial dazu haben würde, waren so groß, dass Urrutia tatsächlich gewählt wurde. Denn Bielsa, bei der WM 2010 Trainer der sehr unterhaltsamen Chilenen, war ja ein Begriff, beziehungsweise er wurde es spätestens im Wahlkampf. Die Unkundigen erfuhren etwa von der Geschichte, wie Josep Guardiola vor einigen Jahren zur Audienz in Bielsas argentinische Heimat aufbrach, noch unschlüssig, ob er es mit dem Trainerberuf probieren sollte. Nach elfstündigem Parlieren war er sich der Sache schon sicherer. Der Rest der Geschichte ist bekannt, Guardiola führte den FC Barcelona in den letzten Jahren zum stilbildenden Team der Zeit und zu einer beispiellosen Titelflut.

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Bielsa fragte Guardiola damals unter anderem, ob er so versessen nach dem Geruch des Rasens sei, dass er sich all die nötigen Opfer antun wolle. Denn Trainersein heißt bei obsessiven Charakteren wie ihnen: Fußball rund um die Uhr.  Aus Bilbao wird berichtet, dass Bielsa das Klubgelände häufig erst nach Mitternacht verlässt. Bereits als er seinen Job antrat, hatte er sämtliche Spiele Athletics aus der Vorsaison zweimal komplett auf Video gesehen. Und seine Trainingsmethoden sind so ausgeklügelt, dass in den ersten Einheiten nicht nur die Kiebitze staunten, sondern auch die eigenen Spieler.

Kritiker waren keine mehr übrig

Ist er wirklich so verrückt?, wurde Muniain nach ein paar Wochen gefragt. "Nein, er ist verrückter“, antwortete der Spieler. Bielsa, immer die Stoppuhr um den Hals und den Laptop griffbereit, hat sogar schon Zuschauer für sich eingespannt, um Instruktionen an die vielen Einzelgruppen weiterzuleiten, in denen er trainieren lässt. Er verlangt infernalisches Tempo, extrem offensives Pressing und synchrones Denken an Angriff und Verteidigung. Man nehme dazu die typisch baskische Wucht, und man landet, an guten Abenden, bei dem, was sein Schüler Guardiola nach dem Ligaduell beider Teams im Herbst staunend von sich gab: "Sie nehmen dir Zeit und Raum, sie greifen dich ständig an, einer gegen einen, auf dem ganzen Platz. Sie sind Bestien. Ich habe noch nie gegen so intensives Team gespielt".

Jene Partie zwischen Athletic und Barcelona endete 2:2. Es war die wohl beste der Saison bislang in Spanien, und sie wird im Pokalfinale neu aufgelegt. Nach anfänglichen, verständlichen und insgesamt eher überraschend kurzen Anpassungsproblemen der Mannschaft an Bielsas Methoden fuhr Bilbao auch in der Liga gute Ergebnisse ein und lag zwischenzeitlich nur einen Punkt hinter den Champions-League-Rängen. Von zunächst vielen Kritikern waren keine mehr übrig, und Bielsa schien eines seiner Dikten bestätigt zu sehen: "Ein Mann mit neuen Ideen gilt als verrückt – bis er Erfolg hat."

Das Regiment rächt sich

Zuletzt jedoch ging seiner Mannschaft zunehmend die Puste aus. Nach nur einem Punkt aus den letzten vier Ligaspielen sind es plötzlich neun Zähler auf einen Champions-League-Rang. Und das liegt natürlich an ihm: Bielsa presse die Spieler aus mit seinen hohen Ansprüchen und dann rotiere er nicht einmal, trotz bereits 48 Spielen diese Saison, schreibt "Marca" und schlussfolgert: "Das sklavische Regiment von Bielsa rächt sich." Wenn es so weiter geht, dann ist er ganz schnell wieder der Verrückte.

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