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Tabea Kemme: Das Heckmeck bei den Männern geht mir auf die Nerven

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DFB-Olympiasiegerin spricht Klartext  

"Das Heckmeck bei den Männern geht mir auf die Nerven"

18.10.2017, 13:05 Uhr | Benjamin Zurmühl, t-online.de

Tabea Kemme: Das Heckmeck bei den Männern geht mir auf die Nerven. Tabea Kemme hat bereits 42 Länderspiele für Deutschland auf dem Konto. (Quelle: imago/Nordphoto)

Tabea Kemme hat bereits 42 Länderspiele für Deutschland auf dem Konto. (Quelle: Nordphoto/imago)

Im ungewöhnlich offenen Interview mit t-online.de erklärt Nationalspielerin Tabea Kemme, warum Steffi Jones bei den Männern entlassen worden wäre und die Summen im Profi-Fußball eine "Frechheit" sind. 

Ein Interview von Benjamin Zurmühl.

Nachdem die DFB-Frauen bei den Olympischen Spielen 2016 noch die Goldmedaille gewannen, war das Auftreten bei der EM 2017 eine einzige Enttäuschung. Vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Island am Freitag spricht nun eine Nationalspielerin Klartext: Die 25-jährige Tabea Kemme vom 1.FFC Turbine Potsdam.

t-online.de: Frau Kemme, von wem stammt folgendes Zitat: „Frauenfußball ist ein viel ehrlicherer Fußball als Männerfußball. Frauen heulen viel weniger rum, liegen nie am Boden.“

Tabea Kemme (25): Julian Nagelsmann (grinst). Das hat bei uns die Runde gemacht, wurde ja auch in den sozialen Medien viel diskutiert. Es freut einen sehr, das zu lesen. Der Nagelsmann ist einem gleich sympathisch (lacht).

Hat er mit der Aussage recht?

Definitiv. Die Aussage ist nicht grundlos. Ich verfolge den Männerfußball auch schon seit Jahren und ich muss sagen: mir macht es nicht mehr so viel Spaß, die Spiele zu schauen, weil die Theatralik und Schauspielerei zugenommen hat und den Spielfluss zerstört. Das ist so viel Heckmeck um nichts und das geht mir tierisch auf die Nerven. Man muss aber auch sagen, dass es im Frauenfußball ebenfalls Charaktere gibt, die dem ein bisschen nachgehen, was ich sehr schade finde.

Woran liegt das, dass die Frauen „härter“ sind?

Das ist schwierig zu sagen. Ich kann da nur von mir ausgehen. Mich persönlich nimmt es aus dem Spiel, wenn der Spielfluss durch Entscheidungen gestört wird, die der Schiedsrichter nicht treffen müsste. Je mehr es solche Aktionen gibt, desto mehr nervt mich das. Viele versuchen, den Schiedsrichter zu beeinflussen, aber gerade bei den Männern ist das mit der modernen Technik nicht mehr so leicht möglich. Die schießen sich da eher ein Eigentor.

Wie wird der Frauenfußball aus Ihrer Sicht öffentlich wahrgenommen?

Der Frauenfußball wird nie die Aufmerksamkeit der Männer erreichen, worüber ich persönlich aber auch froh bin. Ich will nicht so ein großer Teil der Öffentlichkeit sein. Ich könnte gar nicht das Leben leben, das ich leben will. Ich vergleiche den Frauenfußball daher nicht mit dem Männerfußball, sondern eher mit anderen Sportarten, bei denen auch nicht viel Geld im Spiel ist. Ich habe auch bei den Olympischen Spielen 2016 mitbekommen, wie andere Sportlerinnen ihr Jahr planen und genau gucken, was sie finanziell dazu geben müssen, um überhaupt ein Trainingslager machen zu können. Dementsprechend sollten wir das wertschätzen, dass unser Sport so gesponsert und unterstützt wird.

Im Männerfußball steckt noch viel mehr Geld. Die Ablösesummen und Gehälter sind unvergleichbar.

Das ist eine Frechheit. Es geht hier schließlich nur um Fußball. Bei den Summen, die in den Markt investiert werden, wird völlig über das Ziel hinausgeschossen. Lasst die Männer doch einfach Fußball spielen und macht nicht so einen Wind drumherum. Die Emotionen, die der Sport bei den Fans erweckt, sind doch wunderschön. Und darum geht es ja schließlich.

Sie waren 2016 bei den Olympischen Spielen dabei, haben in großen Stadien wie dem Maracana gespielt. Ein paar Wochen später standen Sie dann wieder in der Frauen-Bundesliga vor ein paar hundert Zuschauern. Wie fühlt sich das für Sie an?

Es ist eine Sache, bei der ich immer wieder geerdet werde. Vor 50.000 Menschen bei Olympia zu spielen, ist etwas, was ich sehr wertschätze. Sowas wird bei uns nicht zur Normalität werden.

Tabea Kemme (l.) und Anja Mittag gewannen 2016 die Goldmedaille in Rio de Janeiro. (Quelle: dpa/Alejandro Ernesto)Tabea Kemme (l.) und Anja Mittag gewannen 2016 die Goldmedaille in Rio de Janeiro. (Quelle: Alejandro Ernesto/dpa)

Im Vergleich zu Gold bei Olympia lief die EM in diesem Jahr eher nicht so gut.

Miserabel lief sie. Die Enttäuschung war sehr groß, weil wir uns sehr intensiv vorbereitet haben. Das ist das Schlimmste, was einem Sportler passieren kann. Das Potenzial, das wir hätten abrufen können, ist verpufft.

Nach dem Turnier gab es viele Diskussionen um Trainerin Steffi Jones. Schlussendlich wurde ihr Vertrag verlängert. Waren Sie davon überrascht?

Nein, ehrlich gesagt nicht. Das ist beim Frauenfußball aber auch ein anderes Thema als bei den Männern. Bei einer Männermannschaft wäre der Trainer rausgeschmissen worden. Die Nachfrage auf den Posten ist nicht so groß wie bei den Männern. Es war das erste Turnier mit Steffi Jones. Man sollte das nicht zu hoch bewerten. Für den weiteren Verlauf in der Nationalmannschaft müssen wir hart arbeiten, um 2019 bei der WM eine Favoritenrolle einzunehmen. Diese Rolle sollte man nach dem Ergebnis bei der EM nicht als selbstverständlich ansehen.

t-online.de-Redakteur Benjamin Zurmühl (l.) traf Tabea Kemme beim AOK-Mädchentag in Stahnsdorf bei Potsdam. (Quelle: t-online.de)t-online.de-Redakteur Benjamin Zurmühl (l.) traf Tabea Kemme beim AOK-Mädchentag in Stahnsdorf bei Potsdam. (Quelle: t-online.de)

Wäre es auch eine Option, einen Trainer aus dem Männerfußball zu verpflichten?

Ja, das Geschlecht ist da vollkommen uninteressant. Ein Beispiel ist der Trainer hier bei Turbine Potsdam (Matthias Rudolph, Anm. d. Red.). Er war vorher noch kein Trainer einer Frauenmannschaft, aber hat selbst Fußball gespielt. Es kommt auf andere Eigenschaften als das Geschlecht an. Teamführung und  Authentizität sind beispielsweise viel wichtigere Faktoren.

Tabea Kemme spielt seit 2008 für den 1.FFC Turbine Potsdam, mit dem sie die Champions League und mehrfach die deutsche Meisterschaft gewann. Die 25-Jährige ist 42-fache Nationalspielerin und wird von Bundestrainerin Steffi Jones durch ihre Vielseitigkeit geschätzt. Neben ihrer sportlichen Tätigkeit wurde Tabea Kemme Ende September von der Polizei Brandenburg zur Kommissarin ernannt.

Wie sieht eigentlich eine normale Woche einer deutschen Nationalspielerin aus?

Ich habe mein Studium bei der Polizei vor kurzem abgeschlossen, weshalb sich bei mir einiges ändert. Montags wird zweimal trainiert, Dienstag muss ich eine Frühschicht bei der Polizei machen und dann nachmittags zum Training. Mittwoch und Donnerstag steht ebenfalls zweimal Training an. Deshalb habe ich dann erst Freitag wieder eine Frühschicht, ehe dann nachmittags wieder Training ist. Am Wochenende ist dann die Vorbereitung aufs Spiel und natürlich die Partie an sich.  

Da bleibt wenig Freizeit.

Unter der Woche ist das schon schwierig, da bleiben nur zwischen den Trainingseinheiten mal zwei Stunden, die ich für mich nutzen kann. Ich will aber nicht darüber meckern, weil ich weiß, was ich investieren muss, um gefördert zu werden. Es war einfach ein wunderschönes Gefühl als ich zur Kommissarin ernannt wurde und wusste, dass ich einen Job außerhalb des Fußballs habe. Somit verliere ich nicht die Nähe zum Alltag.

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