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Spielsucht im Profifußball: Die unterschätzte Gefahr

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Spielsucht im Profifußball: Die unterschätzte Gefahr

07.05.2014, 07:30 Uhr |

Spielsucht im Profifußball: Die unterschätzte Gefahr. Im Fußball-Geschäft wird viel gezockt. (Quelle: imago/Ralph Peter)

Im Fußball-Geschäft wird viel gezockt. (Quelle: Ralph Peter/imago)

Über die Droge Fußball kann Uli Borowka viel erzählen. 149 Mal hat er im Trikot von Borussia Mönchengladbach, 239 Mal für Werder Bremen in der Bundesliga gespielt. In sechs Partien lief er für die deutsche Nationalmannschaft auf. Unter Trainer Otto Rehhagel wurde er mit Bremen zweimal Deutscher Meister, genauso oft DFB-Pokalsieger und einmal gewann er sogar den Europacup der Pokalsieger.

Eine Bilderbuchkarriere möchte man meinen. Doch die nackten Zahlen kaschieren die Realität. Uli Borowkas Laufbahn steht sinnbildlich für die Gefahren, die in der Scheinwelt Profifußball lauern.

Die "Axt" fällt sich selbst

Ausgerechnet der härteste deutsche Verteidiger der 90er-Jahre, der sich den Spitznamen "Die Axt" wirklich verdiente, litt nahezu seine gesamte Zeit als Fußball-Profi unter einer schweren Alkoholabhängigkeit. Nicht nur Fußball war sein Leben, sondern vor allem auch der Suff. Mit täglich einer Flasche Whiskey, einer Flasche Wodka, zwei Flaschen Wein und zum Abschluss noch einer Pulle Magenbitter betäubte Uli Borowka sich zeitweise.

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Im Jahr 2000, also vier Jahre nachdem er den Bundesliga-Klub an der Weser wegen seiner "Sauferei“ verlassen musste, führte ihn der Weg in eine Entzugsklinik. Uli Borowka war körperlich und seelisch ein Wrack, "Die Axt", hatte sich selbst gefällt, um sich in vier harten Therapiemonaten wieder aufzurichten.

Alkoholkranke gibt es kaum noch

Heute ist Uli Borowka 51 Jahre alt, trockener Alkoholiker und mit sich im Reinen. "Ich habe meine Gefühle sortiert, bin ein ausgeglichener Mensch geworden, der eine tolle Aufgabe hat", sagt er im Klubheim des TSV Auerbach, wo er im Rahmen einer Sucht-Präventions-Woche des Kreises Bergstraße über seine Karriere, besonders ausführlich aber über seine Krankheit spricht.

Uli Borowka hat einen Verein gegründet. Mit dem Suchtprävention und Suchthilfe e.V will er vorbeugen und beraten. Vor allem Leistungssportler wenden sich an ihn. Er weiß wovon er spricht, wenn er sagt, dass es auch in der Bundesliga viele Suchtkranke gibt. Wahrscheinlich sogar mehr als in der sonstigen Bevölkerung. "Alkoholkranke gibt es vermutlich keine mehr, dafür werden die Jungs zu oft medizinisch untersucht. Das würde sofort auffallen. Was sich immer stärker ausbreitet ist die Spielsucht.“

10.000 Euro an einem Tag verzockt

Die Zahl der Anrufer, die Uli Borowka um Rat bitten, steigt stetig. "Wir haben gut zu tun", sagt er und berichtet von Bundesliga-Profis, die an manchen Tagen bis zu 10.000 Euro und teilweise noch mehr verzocken.

Viele beginnen das Spielen aus Langeweile. Die Geschichte von einem verletzten Bundesliga-Spieler, der zur Reha mit seinen Kollegen ins Trainingslager reiste und dann einen Großteil der Zeit in einem Spielcasino verbrachte, ist nur eine von vielen. Ihn packte die Sucht so stark, dass er auch nach der Rückkehr des Teams in der Heimat weiterspielte. Erst im Casino, später im Internet. Als er fast sein ganzes Vermögen verzockt hatte, brachte ihn die Sorge um Frau und Kinder wieder zurück in die Spur. Der Profi holte sich Hilfe und ist heute wieder ein erfolgreicher Fußballer und vor allem von der Spielsucht befreit.

Gewettet wird auch in der Kabine

Uli Borowka kennt einige Fälle, die ähnlich verliefen. "Die Jungs haben einfach wahnsinnig viel Zeit." Bei einer Trainingseinheit am Tag bleibt viel Raum für dumme Gedanken und deren Umsetzung. "Profis haben auf Reisen ständig ihr Smartphone am Start und können eigentlich überall zocken. Ob beim Online-Poker oder bei Sportwetten. Überall können sie ihr Geld loswerden."

Manche schaffen das sogar in der Kabine. Ein Profi, der in diesem Buch zu Wort kommt, erzählt davon, wie zwei Kollegen um 5.000 Euro wetteten, wer denn als nächstes durch die Kabinentür kommt. Um 2.000 Euro Einsatz ging es in diesem Klub zudem im Training, beim unter Kickern so beliebten Wettschießen auf die Latte des Tores.

Verrückte Wetten am Gepäckband

Verbrieft ist auch, dass komplette Mannschaften am Flughafen darauf wetten, wessen Koffer als erstes aufs Gepäckband fällt. Jeder Spieler der Reisegruppe setzt dabei eine Summe ein, der gesammelte Betrag geht schließlich an den Gewinner. Bis zu 500 Euro setzen die einzelnen Profis dabei ein. Alles Spielereien, die zeigen, wie abgehoben es im Business zugehen kann.

Ein ehemaliger Profi, der seine Wettsucht öffentlich machte, ist Didi Hamann. Der 59-fache deutsche Nationalspieler wettete für sein Leben gern auf Cricket-Spiele. 288.400 Pfund verlor er einmal, als er in einem Testspiel auf Australien setzte, das aber gegen Südafrika haushoch verlor. "Didi Hamann berichtete von Schlafstörungen und Angstzuständen, die ihn in der Hochzeit seiner Zockerei plagten. Außerdem trank Hamann immer mehr Alkohol. "Das passt, meistens kommt eine Sucht nicht alleine", weiß Borowka. "Es gab Zeiten, in denen ich verloren war", sagt Hamann heute.

Und plötzlich sind Frau und Kinder weg

Erst als seine Frau und seine Töchter ihn verließen und er auf einem Berg an Wettschulden saß, kam er zur Besinnung. Heute ist er zufrieden: "Ich habe meine Probleme gelöst. Meinen Töchtern geht es gut. Sie werden immer meine Nummer eins im Leben sein. Und wir haben jetzt ein schönes Leben."

Ganz so gut ausgegangen ist die Nummer bei René Schnitzler nicht. Er verzockte in seiner Zeit beim FC St. Pauli (2007 bis 2009) Gehälter und Prämien. Dazu trieb er sich regelmäßig auf der Reeperbahn rum. Zocken und Frauen, das gehört eng zusammen, nicht nur bei Schnitzler. Auch Borowka und andere Profis, die in diesem Buch vorkommen, berichten von Mannschaftsabenden, bei denen harte Drinks genauso dazugehören wie leichte Mädchen.

Die Zockermafia hat die Finger im Spiel

Nicht alle geraten allerdings so tief in den Sumpf wie Schnitzler. Seine Spielsucht endete sogar in den Fängen der Wettmaffia. 100.000 Euro nahm er von einem Spielfixer an. Schnitzler gestand später und wurde verurteilt. "Das war der größte Fehler meines Leben, den ich sehr bereue. Ich hatte meine Spielsucht nicht im Griff", sagt er heute.

Schnitzler war in Geldnot und deshalb eine leichtes Opfer für die Wettmafia. Benjamin Best weiß von anderen Profis, dass es ihnen genauso erging. Der freie Journalist recherchiert seit Jahren in der Wettszene. Er reiste nach Asien, nach Süd- und Osteuropa und quer durch Deutschland. Seine TV-Dokumentation "Im Griff der Zockermafia" lief im Herbst 2013 in der ARD, zeitgleich kam sein Buch "der gekaufte Fußball" auf den Markt. Best kennt die Branche sehr gut und sagt: "Für bezahlte Spielmanipulationen sind Spielsüchtige sehr anfällig, besonders wenn sie in Geldnot geraten sind. Diese Opfer hat die Wettmafia im Visier."

Die Geschichte ist ein Auszug aus dem Buch "Traumberuf Fußballprofi - Der harte Weg vom Bolzplatz in die Bundesliga".

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