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Günter Netzer feiert: "König vom Bökelberg" wird 70 Jahre alt

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Fußball-Ikone Günter Netzer  

Der "König vom Bökelberg" wird 70 Jahre alt

14.09.2014, 11:38 Uhr | dpa, sid

Günter Netzer feiert: "König vom Bökelberg" wird 70 Jahre alt. Pokalfinale 1973: Gladbach-Star Günter Netzer schmort auf der Bank, wechselt sich in der Nachspielzeit selbst ein und trifft zum 2:1 gegen Köln. (Quelle: imago/Kicker/Metelmann )

Pokalfinale 1973: Gladbach-Star Günter Netzer schmort auf der Bank, wechselt sich in der Nachspielzeit selbst ein und trifft zum 2:1 gegen Köln. (Quelle: Kicker/Metelmann /imago)

Die blonde Mähne war und ist bis heute sein Markenzeichen. Als genialer Regisseur kam der "König vom Bökelberg" in seiner aktiven Zeit als "Rebell am Ball" aus der "Tiefe des Raumes", dann wurde Günter Netzer Strippenzieher als erfolgreicher Manager des Hamburger SV und danach gewiefter Sportrechtevermarkter. Am heutigen Sonntag vollendet der Welt- und Europameister, einer der ersten Bundesliga-Stars mit Glamour-Faktor, sein 70. Lebensjahr.

"Ich habe das richtige Tempo für mein Leben gewählt. Das kann nicht der absolute Ruhestand sein. Ich muss immer etwas zu tun haben, woran ich Spaß habe. Das steht über allem. Zufrieden zu sein, ist das Allerwichtigste, nicht die Bedeutung, die die Dinge haben. Heute habe ich die Freiheit, meine Lebenseinstellung leben zu können", skizzierte Netzer sein Credo.

Der begnadete Techniker mit Schuhgröße 47

Fraglos eine schillernde Persönlichkeit - dabei kommt Günter Theodor Netzer aus einfachen Verhältnissen. Sein Vater hatte ein Samen-Geschäft, seine Mutter betrieb eine Art Tante-Emma-Laden. Das Gymnasium verließ er vorzeitig, schloss die Handelsschule ab. Und er konnte Fußball spielen wie wenige andere. Ein begnadeter Techniker mit Schuhgröße 47, einer, der mit seinen raumgreifenden Schritten und exzellenten Pässen eine neue Kultur auf dem Platz entwickelte.

Sein einstiger Trainer Hennes Weisweiler ließ ihn machen, ermutigte ihn: "Wenn deine ersten 30 Pässe nicht ankommen, versuche es mit dem 31." Und auch mit diesem Freifahrschein machte Netzer es möglich, dass die berühmte Mönchengladbacher Fohlen-Elf mit ihm als genialem Gestalter 1970 und 1971 Deutscher Meister wurde.

"Am liebsten bin ich faul"

Eine Eigenschaft hat ihn immer schon ausgezeichnet, wie der frühere Spielmacher von Borussia Mönchengladbach gesteht. "Ich kann sehr, sehr gut delegieren. Das hat damit zu tun, dass ich am liebsten faul bin. Es ist eine große Kunst, bessere Menschen um sich zu haben." Das galt als Spieler bei der Borussia und der Nationalmannschaft, wo er einen "Wasserträger" wie Herbert Wimmer an seiner Seite hatte, der ihm viel Laufarbeit abnahm.

Netzer: Die Nationalelf war nie mein Streben

"Für mich hatte Fußballspielen höchste Priorität. Natürlich hat es Abweichungen gegeben und Unvernunft, eine gehörige Portion. Das gehört immer noch zu meinem Leben. Ist aber so. Ich werde nie erwachsen, und das will ich auch gar nicht", verrät Netzer. In der Nationalmannschaft kam Netzer (Europameister 1972, Weltmeister 1974) in zehn Jahren nur 37 mal zum Einsatz.

"Ich habe immer gesagt, Wolfgang Overath ist der bessere Nationalspieler, weil er diese Nationalmannschaft verinnerlicht hatte. Ich hatte Borussia Mönchengladbach verinnerlicht. International gesehen eine völlig falsche Entscheidung. Aber die Nationalmannschaft war nicht mein erklärtes Ziel, nicht mein Streben." Er habe seine Freude immer im Verein gesucht, "und da war ich der Bessere", betont er. Nach Auslands-Gastspielen bei Real Madrid und Grasshopper Zürich beendete Netzer als knapp 33-Jähriger 1977 seine aktive Laufbahn.

Acht Jahre Manager beim HSV

Netzer kehrte zwar anschließend in die Bundesliga zurück, allerdings in anderer Funktion. Von 1978 bis 1986 war er Manager des Hamburger SV, es war die erfolgreichste Zeit der Norddeutschen: Deutscher Meister 1979, 1982, 1983 und 1983 sogar der Gewinn des Europapokals der Landesmeister. Netzer überzeugte Trainer wie Branko Zebec und Ernst Happel davon, an die Elbe zu kommen, holte Franz Beckenbauer sogar aus dem US-amerikanischen Exil zurück.

Später wurde Netzer Partner von Cesar W. Lüthi, dem Pionier der Bandenwerbung. Nach der Kirch-Pleite stieg er als Geschäftsführer bei dem Sportrechtehändler Infront ein, für den er immer noch beratend tätig ist.

Disko-Besitzer und leidenschaftlicher Ferrari-Fan

Geschäftsmann war Netzer schon in jungen Jahren. 1971 kaufte der Ferrari-Liebhaber in Mönchengladbach die Diskothek "Lovers Lane", wo auch Udo Jürgens oder Elke Sommer zu Gast waren. "Ich habe unseren damaligen Trainer Hennes Weisweiler zwei Tage vor der Eröffnung informiert. 'Das ist das Ende', hat er gestöhnt. Der hat gedacht, ich stehe um zwei Uhr nachts noch hinter der Theke", amüsiert sich Netzer.

Auch dem jungen Publikum ist Netzer noch bekannt, weil er viele Jahre bis zur WM 2010 mit Gerhard Delling in der ARD die Länderspiele der Nationalmannschaft analysierte. Den Älteren wegen seines Siegtores im Pokalfinale 1973 für Gladbach zum 2:1 in der Verlängerung gegen den 1. FC Köln.

"Wahnsinn, den ich bis heute noch nicht begriffen habe"

Weisweiler hatte Netzer wegen Formschwäche nicht aufgeboten, sein Ersatzmann Christian Kulik war nach 90 Minuten Hitzeschlacht fix und fertig. Da ging Netzer zu Weisweiler und sagte: "Ich spiele" und wechselte sich selbst ein. Dann gelang ihm nach Doppelpass mit Rainer Bonhof ein Schuss, bei dem alles falsch war, was falsch zu machen war und für den sich der Filigrantechniker heute noch schämt. "Da ist etwas gut ausgegangen, was nicht gut ausgehen konnte. Das war ein Wahnsinn, den ich bis heute noch nicht begriffen habe."

Am Tag danach war Netzer in Madrid, wo der Blonde mit den langen Haaren ebenfalls aus der Tiefe des Raumes kam und zusammen mit Paul Breitner die deutsche Ära bei den Königlichen begründete.

Netzer: bin "rundum zufrieden und dankbar"

Und heute? Ist die Kultfigur Netzer "rundum zufrieden und dankbar". Es habe alles gepasst in seinem Leben, das er mit seiner Frau Elvira und Tochter Alana teilt. Mit dem Älterwerden hatte er noch nie Probleme, wie er schon zu seinem 65. sagte: "Ich kann damit verdammt gut umgehen. Weder 40, 50, 60 noch 65 Jahre sind eine Schwelle für mich. Das ist mein Naturell." Und das gilt sicher auch für die jetzt kommenden "70".

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