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So will China Fußball-Weltmeister werden

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Top-Stars und Talente  

So will China Fußball-Weltmeister werden

28.07.2015, 05:45 Uhr | mxm, t-online.de

So will China Fußball-Weltmeister werden. Ein chinesischer Nachwuchsfußballer macht seine Dehnübungen. (Quelle: imago/China Foto Press)

Ein chinesischer Nachwuchsfußballer macht seine Dehnübungen. (Quelle: China Foto Press/imago)

Im Rahmen seiner China-Reise trat der FC Bayern München gegen Guangzhou Evergrande an. "Wir spielen gegen die vielleicht beste Mannschaft Chinas", hatte Trainer Pep Guardiola das Testspiel angekündigt. Und der Sieg des Außenseiters gab ihm recht. Gleichwohl liegen Welten zwischen dem Top-Team der Bundesliga und Chinas Meister der letzten vier Jahre. Der Fußball des bevölkerungsreichsten Staates der Erde hinkt im internationalen Vergleich enorm hinterher. Doch die Klubs und vor allem der Staat arbeiten kräftig am Umschwung. Das Fernziel ist ambitioniert: Der WM-Titel soll her.

"Super Bayern, super Bayern", ertönt es von den Anhängern, wenn die Stars des deutschen Rekordmeisters auftauchen. Auch die englischen Versionen der Fanlieder "Stern des Südens" und "Forever Number One" beherrschen die Chinesen.

Die Begeisterung für europäische Spitzenklubs wie die Bayern ist im Land der Mitte praktisch alternativlos. Heimische Vereine lassen ansprechende Qualitäten vermissen, ebenso die Nationalmannschaft der Volksrepublik. Ganz zum Unmut des bedeutendsten Fußball-Fans des Landes, Staatspräsident Xi Jinping.

Schmach von 2002

Das Ansehen der Nationalelf ist seit Jahren ramponiert. In Regierungskreisen soll von "Schande" und "Demütigung" die Rede sein. Das derzeit vom Franzosen Alain Perrin trainierte Team rangiert momentan in der Weltrangliste auf Platz 77, hinter Färöer, Usbekistan und Jamaika.

Erst einmal nahmen Chinas Herren an einer Weltmeisterschaft teil - und diese Schmach sitzt nach wie vor tief. Bei der WM 2002 war nach teils peinlichen Auftritten, drei Niederlagen, neun Gegentoren und ohne eigenen Treffer nach der Vorrunde Schluss. Eine Blamage, ausgerechnet in den fernöstlichen Nachbarländern Japan und Südkorea.

"Schaust du die chinesische Liga, ruinierst du dein Leben"

Das Image der heimischen Super League ist um keinen Deut besser. Vergangene Saison fanden durchschnittlich gerade einmal rund 22.000 Zuschauer pro Spiel den Weg in die Stadien. Ausgelegt sind die Arenen für Bundesliga-Verhältnisse. Viele Stadien fassen weit mehr als 40.000 Besucher. Mit einer Kapazität von 64.000 ist das Arbeiterstadion in Peking, wo der Beijing Guoan FC seine Heimspiele austrägt, die Nummer eins und wäre das viertgrößte der Bundesliga.

Ein Spruch der chinesischen Fans beschreibt den Zustand treffend: "Schaust du die englische Premier League, ruinierst du deinen Geldbeutel, doch schaust du die chinesische Liga, ruinierst du dein Leben."

Enormes Potenzial, mangelhafte Abschöpfung

"Ich habe diese Redewendung schon gehört, aber sie ist übertrieben", sagt Trainer-Veteran und China-Experte Eckhard Krautzun im Interview mit t-online.de: "In der Super League wird schon guter Fußball gespielt. Guangzhou Evergrande hat nicht zufällig die Champions League Asiens gewonnen." Der 74-Jährige ist vom Potenzial des chinesischen Fußballs überzeugt, benennt aber auch die Mängel.

Organisatorisch und administrativ müsste sich der Fußballverband besser aufstellen, so Krautzun, "um auch in den letzten Winkeln der Provinzen die besten Talente zu entdecken": "Es fehlt ein professionelles und sehr gut aufgebautes und verwaltetes Scouting-System."

China lockt Stars wie Drogba oder Robinho

Doch der Weg zum Aufschwung ist längst eingeläutet. In der Liga etwa fanden schon in den vergangenen Jahren internationale Stars wie Didier Drogba oder Nicolas Anelka den Weg in die Super League. In diesen Jahren haben die Klubs noch einmal eine Schippe draufgelegt. Ausländische Spieler, vor allem Brasilianer und darunter auch einige Top-Fußballer dominieren die chinesische Liga.

Beim Liga-Primus Guangzhou Evergrande hält seit Juni Luiz Felipe Scolari sportlich die Fäden in der Hand. Dort trainiert der brasilianische Weltmeister-Coach unter anderem die zuletzt an den AC Florenz ausgeliehenen italienischen Routiniers Alberto Gilardino und Alessandro Diamanti. Außerdem erhielt er jüngst zwei prominente Landsmänner als Verstärkung. Die beiden Nationalspieler Robinho (AC Mailand, ablösefrei) und Paulinho (Tottenham Hotspur, 14 Millionen Euro) wurden verpflichtet.

Ex-Bundesliga-Profis werten die Liga auf

In anderen Teams finden sich einige ehemalige Bundesliga-Spieler wieder. Mit Demba Ba und Sejad Salihovic laufen zwei Ex-Hoffenheimer in Fernost auf, außerdem schnüren Zvjezdan Misimovic (ehemals VfL Wolfsburg) und Szabolcs Huszti (zuletzt Hannover 96) ihre Fußballschuhe in China. Weitere bekannte Gesichter zeigt unsere Foto-Show. Krautzun mahnt jedoch, dass diese Stars "oft über ihrem Zenit" sind, und Neuzugänge, "die noch voll im Saft stehen", besser wären.

Insgesamt ist die Zahl der Legionäre gering. Nur jeder fünfte Spieler ist nicht Chinese. Zum Vergleich: In Deutschlands Fußball-Oberhaus ist fast jeder zweite Profi aus dem Ausland. Für die internationale Vermarktung des heimischen Wettbewerbs würde weitere Fußball-Prominenz sicher guttun. Gleichzeitig sollen aber vor allem die eigenen Talente geschult und auf internationales Niveau gehievt werden. Nichts weniger als eine Großoffensive am runden Leder ist geplant.

Angriff auf die Weltspitze

China will nicht länger Entwicklungsland im internationalen Fußball sein. "Ein Aufleben des Fußballs ist entscheidend auf Chinas Weg zu einer Sportnation", lautet der Plan von Staats- und Parteichef Xi Jinping, bekanntermaßen passionierter Fan der schönsten Nebensache der Welt. Fast schon legendär ist sein Ausspruch gegenüber südkoreanischen Politikern im Jahr 2011: "Ich habe drei Wünsche: Dass sich China für die WM qualifiziert, dass China eine WM ausrichtet und dass China eine WM gewinnt."

Ein langfristiges Vorhaben, denn eine Fußballkultur hat sich in China nie etabliert, obwohl gerne betont wird, dass der Sport in China erfunden worden sei. Mit einer großen Reform möchte ihn die Regierung zu internationalem Ruhm bringen. So kommt Fußball auf den Stundenplan der Grund- und Mittelschulen und wird Teil der Gaokao, der bedeutenden Abschlussprüfung als Zulassung für die Universitäten. Außerdem sollen im ganzen Land Fußball-Internate entstehen, Hunderttausende Nachwuchskicker sollen rekrutiert werden.

Deutsche Hilfe gegen den Talente-Schwund

Hilfe hierbei kommt übrigens auch aus Deutschland. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) unterstützt ein Projekt in der ehemaligen deutschen Kolonie Qingdao, wo eine Fußball-Akademie entsteht. Durch dieses Projekt soll "die nachhaltige Entwicklung von Kooperationen im Bereich der Trainer- und Schiedsrichterausbildung sowie der Nachwuchsarbeit " vorangetrieben werden, wie der DFB auf seiner Homepage erläuterte. Außerdem sei ein "Austausch von Sportlern" geplant.

China hat einen regelrechten Nachwuchsschwund im Fußball hinter sich. Im Vergleich zur Jahrtausendwende schrumpfte die Zahl der registrierten Jugendspieler auf weniger als ein Sechstel. Chinas Nachwuchs muss wieder für den aktiven Fußball begeistert werden.

"China gehört in zehn Jahren zur Weltspitze"

Betrachtet man jedoch die Begeisterung für den passiven Fußball, erscheint dies nicht unmöglich: Während in Deutschland rund 35 Millionen TV-Zuschauer den WM-Triumph der DFB-Elf im vergangenen Sommer verfolgten, schalteten in China über 100 Millionen ein. China hat mehr Fußball-Fans als Deutschland Einwohner - nun sollen diese auch selbst aktiv werden.

"In fünf Jahren wird China in Asien mit Japan und Südkorea zur Spitze gehören", ist sich Krautzun sicher. Wenn die entsprechenden Reformen greifen, "ist durchaus die Möglichkeit gegeben, dass China in zehn Jahren zur Weltspitze gehört".

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