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Mark Schwarzer: So sehen die Engländer Klopp und Schweinsteiger

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Premier-League-Oldie Schwarzer  

So sehen die Engländer Klopp und Schweinsteiger

25.12.2015, 07:23 Uhr | Thomas Tamberg, t-online.de

Mark Schwarzer: So sehen die Engländer Klopp und Schweinsteiger. Mark Schwarzer nahm 2006 und 2010 an zwei Weltmeisterschaften teil und bestritt 109 Länderspiele. In Australien ist der Sohn deutscher Auswanderer ein Nationalheld. (Quelle: imago/BPI)

Mark Schwarzer nahm 2006 und 2010 an zwei Weltmeisterschaften teil und bestritt 109 Länderspiele. In Australien ist der Sohn deutscher Auswanderer ein Nationalheld. (Quelle: BPI/imago)

Auf der Zielgeraden seiner Karriere kann Mark Schwarzer noch einmal an einem Wunder teilhaben. Der 43-Jährige mit deutschen Pass nahm für Australien 2006 und 2010 an zwei Weltmeisterschaften teil und ist derzeit hinter Kasper Schmeichel die Nummer zwei im Tor von Leicester City. Robert Huth und Christian Fuchs sind seine Teamkollegen. Sensationell führt das Team nach 17 Spieltagen die Tabelle der Premier League an. Dabei ist es ein Wunder, dass der Klub überhaupt noch erstklassig spielt.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag, am sogenannten Boxing Day, ist Schwarzer mit dem Leicester City beim FC Liverpool zu Gast. Im Interview im t-online.de erzählt der australische Nationalheld wie Jürgen Klopp und Bastian Schweinsteiger in England wahrgenommen werden und erklärt Leicesters Shooting-Star Jamie Vardy, die derzeit heißeste Aktie, die der englische Fußball zu bieten hat.

Das Interview führte Thomas Tamberg

t-online.de: In der vergangenen Saison hat Leicester City auf den letzten Drücker den Klassenerhalt geschafft. In dieser Saison führt der Klub nach 17 Spieltagen vor der großen Konkurrenz aus London und Manchester die Tabelle an. Was ist das Geheimnis des Höhenflugs?
Mark Schwarzer: Ein wichtiger Grund ist die Atmosphäre innerhalb der Mannschaft und im gesamten Verein. Sie ist überragend und so etwas habe ich in dieser Form noch nicht erlebt. Jeder ist für den anderen da. Auf und außerhalb des Platzes. Dazu haben wir Spieler mit unterschiedlichen Qualitäten, die sich sehr gut ergänzen. Unser Lauf begann bereits im März, als wir dank einer Siegesserie wie durch ein Wunder den Abstieg noch verhindern konnten. In der neuen Saison haben wir dann einfach weitergemacht. Viele Leute haben uns unterschätzt, aber für mich ist es keine Überraschung, wenn man genau auf die Spiele schaut.

Wo landet Leicester am Ende der Saison?
Ich weiß es nicht. Wir müssen mit dieser Freude und diesem Selbstbewusstsein weiterspielen. Es wird der Zeitpunkt kommen, an dem wir ein paar Spiele hintereinander verlieren werden. Dann wird es entscheidend sein, wie wir darauf reagieren. Das erste Ziel ist es weiterhin, 40 Punkte zu holen, um den Klassenerhalt zu sichern. Danach können wir uns ein neues Ziel stecken. Momentan jedenfalls haben wir es verdient, so weit oben zu stehen.

Ein Garant für den überraschenden Erfolg ist Jamie Vardy. Der 28-Jährige spielte noch vor ein paar Jahren in der 8. Liga und plötzlich mischt er aus dem Nichts die Premier League auf. Was ist das für ein Typ?
Ich glaube, er weiß selber nicht, was gerade passiert. Für ihn ist alles noch neu. Er geht einfach nur raus und will Fußballspielen und hat sich in einer sehr kurzen Zeit wahnsinnig weiterentwickelt. Er hat eine unglaubliche Mentalität und kämpft um jeden Ball. Jamie setzt den Gegner immer unter Druck, läuft nach jedem Ball. Er weiß, wo das Tor steht, und ist unfassbar schnell. Das macht es für jeden Gegner schwer, gegen ihn zu verteidigen. Außerdem weiß er, dass er nicht mehr viele Jahre vor sich hat. Daher will er jetzt alles herausholen, was möglich ist und was ihm vorher verwehrt geblieben ist.

Am 26. Dezember sind Sie mit Leicester City beim FC Liverpool zu Gast. Wären Sie mit einem Remis zufrieden oder spielt der Tabellenführer standesgemäß auf Sieg?
Wir spielen in jedem Spiel auf Sieg. Wir haben momentan einen Lauf. Bis jetzt hat es ganz gut geklappt und wir haben immer viele Tore geschossen.

Das Spiel findet zwei Tage nach Weihnachten am sogenannten Boxing Day statt. Was ist das Besondere an diesem Datum?
Es ist einfach ein anderes Gefühl. Viele Zuschauer sind als Santa Claus verkleidet. Man spürt einfach, dass es Weihnachten ist. Am Boxing Day herrscht in jedem Stadion eine außergewöhnlicher Atmosphäre, doch an der Anfield Road in Liverpool ist es noch einmal etwas Besonderes. Vor der Tribüne "The Kop" zu spielen, ist einfach nur geil. Ich habe mich immer gefreut, da zu spielen. Weihnachten macht es noch einmal spezieller.

Mit Jürgen Klopp arbeitet in Liverpool ein deutscher Trainer. Wie bewerten Sie bisher seine Arbeit?
Jürgen Klopp hat bis jetzt einen super Job in Liverpool gemacht. Personell hat er nicht viel verändert, aber er hat vor allem die Einstellung der Spieler geändert. Das Team spielt wieder schönen Fußball, die Fans stehen daher voll hinter Klopp. Er hat sich zum Einstand super vorgestellt, ist immer gut drauf und lacht viel. In Liverpool will man Freude am Fußball haben und Klopp hat den Spaß zurückgebracht. Daher passt er meiner Meinung nach perfekt zu diesem Klub.

In Liverpool sehnt man sich nach einem Titel. Was trauen Sie Klopp zu?
Es ist immer schwierig, wenn ein Trainer mitten in der Saison kommt. Diese Saison einen Titel zu gewinnen, wird auch für Klopp schwierig. Aber man hat jetzt schon gemerkt, dass er den Verein in eine positive Richtung geführt hat. Das Team hat wieder Freude am Fußballspielen. Nächste Saison wird man dann erst wirklich sehen, zu was Klopp mit Liverpool fähig ist.

Wie wird er bisher in England wahrgenommen?
Bis jetzt kommt er in Interviews sehr gut rüber. Er spricht auch ein sehr gutes Englisch und hat überhaupt kein Problem mit der Sprache. Das sieht man auch daran, dass die Spieler ihn und seine taktischen Anweisungen verstehen. Man spürt, dass sie alle mit ihm Erfolg haben wollen.

Neben Klopp ist mit Bastian Schweinsteiger ein weiterer prominenter Deutscher in die Premier League gewechselt. Welchen Stellenwert genießt der Weltmeister?
Schweinsteiger ist ein großer Spieler. Er hat alles gewonnen. Es war eine Überraschung, dass er den FC Bayern verlassen hat und in seinem Alter nach England gekommen ist. Man sieht, dass sein Einfluss auf die Mannschaft riesengroß ist. Als wir mit Leicester gegen Manchester United gespielt haben, war er der beste Spieler auf dem Platz. Ich habe ihn beobachtet während des Spiels. Jeder Spielzug fängt bei ihm an. Er wird in England von den Fans und Gegenspielern hundertprozentig respektiert.

In Deutschland fürchtet man, dass durch den Milliarden-TV-Vertrag noch mehr deutsche Top-Stars in die Premier League wechseln. Eine berechtigte Sorge? 
Ich glaube, nicht nur Spieler aus Deutschland werden verstärkt in die Premier League wechseln, sondern von überall, so wie es schon in den letzten 20 Jahren der Fall war. Die englische Liga ist so attraktiv wie nie zuvor. Die Spiele werden auf der ganzen Welt übertragen. Für einen Profifußballer gibt es kein besseres Land als England. Der Unterschied zwischen der Bundesliga und der Premier League wird in den nächsten Jahren immer größer werden.

Zwischen 1994 und 1996 absolvierten Sie sechs Bundesliga-Spiele für Dynamo Dresden und den 1. FC Kaiserslautern. In welcher Erinnerung ist Ihnen Ihre Zeit in Deutschland geblieben?
Ich kam mit 21 Jahren aus Australien und war total naiv. Ich werde mein erstes Training bei Dynamo Dresden nie vergessen. Wir standen im Kreis und mein damaliger Trainer Sigi Held begrüßte die Spieler. Er kannte alle Namen. Nur bei mir fragte er: Wer bist du denn? Das war ein Stich in mein Herz. In Kaiserslautern setzte Otto Rehhagel auf die älteren Spieler und ließ mich links liegen. Es war eine harte Zeit in Deutschland, die ich aber nicht missen möchte. Ich habe schließlich viel gelernt. Mein Berater Helmut Richter hat mir in dieser Zeit sehr geholfen. Zum Glück schaffte ich nach diesen zwei sportlich unglücklichen Jahren trotzdem den Sprung nach England.

Was ist Ihr Geheimnis, um mit 43 Jahren noch in der besten Liga der Welt mithalten zu können? 
Ich mache viel Krafttraining und ernähre mich gesund. Außerdem denke nicht über mein Alter nach, sondern ob ich etwas tun kann oder nicht. In meinem Alter kann sich schnell etwas ändern. Daher freue mich, dass ich noch auf diesem Niveau dabei sein kann. Ich fühle mich sehr fit und will spielen solange es mir Spaß macht. 

Wie lange wird das noch der Fall sein?
Es kommt darauf an, wie ich mich physisch und psychisch fühle. Ich empfinde großes Glück, dass ich eine so lange Karriere haben konnte. Man braucht auch Glück, aber man muss vor allem hart arbeiten. Das habe ich immer getan. Es wird der Zeitpunkt kommen, da weiß man, was man zu tun hat. So war das auch bei meinem Rücktritt aus der Nationalmannschaft. Ich möchte selbst bestimmen, wann Schluss ist, und nicht von anderen abhängig sein.

Wäre ein Wechsel zum Karriere-Abschluss nach Deutschland eine Option?
Mit 43 Jahren kann ich mir das nicht mehr vorstellen. Wir fühlen uns in London sehr wohl. Meine Kinder sind in der Schule in einer wichtigen Phase. Wir bleiben, wo wir sind.

Gibt es Pläne für die Zeit nach der aktiven Karriere?
Ich kann mir vorstellen, im Medienbereich dem Fußball erhalten zu bleiben. In England bin ich bereits als TV-Experte für Sky tätig und arbeite auch für das Radio. Beides macht sehr viel Spaß. Natürlich verfolge ich auch die Bundesligaspiele. Jetzt schaue ich mal, ob es nach dieser Saison mit dem Fußball weitergeht. Wenn nicht, werde ich meine Aktivitäten im Medienbereich verstärken. 

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